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Ringen um den Schulplatz

Weil die Kodersdorfer Schule voll ist, sollen fünf Horkaer Kinder nach Rothenburg in die fünfte Klasse. Das sorgt für Frust.

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© André Schulze

Von Katja Schlenker

Wie soll er das seiner zehnjährigen Tochter erklären? Diese Frage stellt ein Vater in der jüngsten Sitzung des Horkaer Gemeinderats am Donnerstagabend. Sein Kind und vier weitere aus Horka dürfen nicht auf die Adolf-Traugott-von-Gersdorf-Oberschule in Kodersdorf gehen. Die Geschichte ist vertrackt. Bisher ist es nahezu selbstverständlich gewesen, dass die Kodersdorfer Kinder an die Grundschule in Horka gehen und umgekehrt die Viertklässler ab der fünften Klasse an die Oberschule im Nachbarort. Doch diese ist sehr beliebt, die fünften Klassen schnell voll.

Nicht nur in Kodersdorf, sondern auch an den umliegenden Schulen. Daher hängen in diesem Jahr einige Schüler aus der Gemeinde Waldhufen in der Luft. An der Oberschule in Mücka haben sie keinen Platz bekommen. Daher führt der Weg sie nach Kodersdorf. Dort fällt schließlich die Entscheidung, dass es für die Horkaer Kinder zumutbar ist, nach Rothenburg an die Oberschule zu wechseln. Dafür können die Kinder aus Waldhufen nach Kodersdorf kommen. Doch damit wollen sich weder die betroffenen Eltern noch die Gemeinde zufrieden geben.

„Für uns steht fest, dass sie nicht nach Rothenburg geht“, sagt der anwesende Vater. „Wenn, dann nach Rietschen.“ Doch längere Wege bedeuten auch weniger Zeit. Nicht nur für Hausaufgaben, sondern auch für Freizeit. Egal ob Sport, Musikunterricht oder Christenlehre – die Kinder werden eventuell auf außerschulische Aktivitäten verzichten müssen. Auch mit dem Fahrrad zur Schule fahren, ist praktischer zwischen Horka und Kodersdorf. An der Strecke gibt es einen Radweg. Zwischen Horka und Rothenburg jedoch nicht.

Bürgermeister Christian Nitschke und Gemeinderat Jörg Koltermann, der zugleich Elternsprecher an der Grundschule in Horka ist, haben sich zu einem Gespräch mit dem Kodersdorfer Schulleiter Wolfgang Hornig getroffen. Auch Briefe an die Regionalstelle Bautzen der Sächsischen Bildungsagentur sowie die Leiterin des Schul- und Sportamtes beim Landratsamt in Görlitz, Marlies Wiedmer-Hüchelheim, hat der Bürgermeister verschickt. Darin verweist er auf das Unverständnis über die Entscheidung, da die Gemeinden Horka und Kodersdorf seit Ende der 1990er Jahre im schulischen Bereich eng zusammenarbeiten. Auch, weil sie beide zum Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße gehören.

„Wir können in keiner Weise verstehen, dass Schüler, die nicht zu unserem Verwaltungsbereich gehören, aufgenommen werden“, erklärt Christian Nitschke. Er erwartet ganz klar eine Korrektur der Bescheide. Und zwar mit einem positiven Ergebnis für die Horkaer Eltern. Doch das zu erreichen, wird schwierig. Denn die Oberschule kann nicht dazu gezwungen werden, bestimmte Schüler aufzunehmen. Deswegen ist die unbeliebte Entscheidung getroffen worden.

Doch was hätte er tun sollen?, fragt Schulleiter Wolfgang Hornig. 64 Anmeldungen haben die Kodersdorfer für das neue Schuljahr erreicht. Doch es gibt nur 56 Plätze. Denn mehr als zwei neue fünfte Klassen mit jeweils 28 Schülern dürfen derzeit nicht unterrichtet werden. Für mehr reichen die Räume nicht. Auch die Lehrer würden keine weiteren Stunden schaffen, weil die Klassen derart gut besucht sind. „Ich bin in einer ganz misslichen Lage“, sagt Wolfgang Hornig. „Aber die Kapazitäten sind nun mal begrenzt.“

Als sich abzeichnet, dass mehr Schüler nach Kodersdorf wollen, als Plätze frei sind, trifft sich der Schulleiter zu mehreren Beratungen mit der Bildungsagentur. Beim Rundumblick in der Region wird schnell klar, fast alle Oberschulen sind ausgebucht. Zwei der Schüler aus Waldhufen können in Niesky untergebracht werden. Alle anderen könnten noch in Rothenburg einen Platz finden. Da die Horkaer näher dran sind an der Stadt, fällt die Entscheidung auf sie. „Für die Kinder aus Waldhufen wäre es wesentlich umständlicher, nach Rothenburg zu kommen“, sagt Wolfgang Hornig.

Das wollen die Horkaer jedoch nicht hinnehmen. Sie hoffen, das Verfahren irgendwie stoppen zu können, bis sich der Fall klärt. Denn für Unstimmigkeiten sorgt auch ein angewandtes Losverfahren. Das ist bei den Kindern aus Waldhufen durchgeführt worden, um herauszufinden, welche nicht nach Kodersdorf können. Dennoch steht das auch in den Ablehnungsbriefen für die Horkaer Kinder als Begründung. Das ist allerdings aus rechtlichen Gründen mit in dem Schreiben erwähnt worden, erklärt der Schulleiter.

Fakt ist, dass das Problem rasch geklärt werden muss. „Für uns ist das momentan eine schwere Zeit“, sagt der Vater. „Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen und wo wir unsere Kinder hinschicken sollen.“ Und die Zeit drängt, denn in anderthalb Wochen endet die Widerspruchsfrist für den Bescheid.