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Ringen um McDonald's

Nach Wortgefechten wird jetzt in Ottendorf konstruktiv diskutiert. Die Kritik verstummt langsam.

Von Marleen Hollenbach

Eigentlich hätte es Lothar Menzel wissen müssen. Die ganze Woche über hatte sein Telefon ohne Unterbrechung geklingelt. „So viele Anrufe habe ich wirklich noch nicht bekommen“, sagt er. Dennoch schaute der Ortsvorsteher von Ottendorf nicht schlecht, als schon zehn Minuten vor der Ortschaftsratssitzung am vergangenen Donnerstag jeder Stuhl besetzt war. Viele Anwohner hatten sich in der Ottendorfer Gaststätte „Zum Bahnhof“ versammelt. Sie wollten es wissen: Sind die Vertreter des Ortsteils für den Bau einer McDonald's-Filiale und einer Tankstelle nahe der A4-Abfahrt Ottendorf-Okrilla, oder lehnen sie das Projekt ab. Außerdem nutzten die Anwohner die Chance und äußerten Bedenken, Wünsche oder Hoffnungen. Lothar Menzel wurde mal eben zum Moderator. Was dabei rauskam, hat die SZ zusammengefasst.

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Hintergrund: Investor hat wenig Handlungsspielraum

Einer, der sich genau mit den Plänen an der A4-Abfahrt auskennt, ist Bernhard Seidl. Der Architekt kam in Vertretung des Grundstückeigentümers zum Ortschaftsrat nach Ottendorf-Okrilla. Seit fünf Jahren kümmert er sich um die Fläche an der Radeberger Straße. „Wir machen uns schon lange Gedanken darüber, wie man das Grundstück rund um das alte Trockenwerk nutzen könnte“, sagt er. Von Anfang an sprach man auch über eine Tankstelle. Acht Mineralölkonzerne hat Bernhard Seidl kontaktiert. Mit einem Schnellimbiss hatte er da noch gar nicht gerechnet. „Das Ganze hat plötzlich eine Eigendynamik entwickelt“, erklärt der Architekt. Er war gekommen, um die Ottendorfer vom Bauprojekt zu überzeugen. Eines aber stellte er auch klar: „Wir haben keinen Handlungsspielraum.“ McDonald's möchte die Fläche direkt an der Radeberger Straße. Daran lässt sich nicht rütteln. Die Gemeinde kann lediglich entscheiden, ob sie die Pläne durchwinkt oder andernfalls diesen Mieter wieder verliert.

Thema 1: Bauprojekt erhöht den Wert der Brache

Schon im Gemeinderat spielte diese Frage eine große Rolle: Warum können Tankstelle und Schnellimbiss nicht gleich auf dem Gelände des ehemaligen Trockenwerkes stehen? Die Brache ist ein Schandfleck, meinen viele Ottendorfer. Doch genau da kommt das zum Tragen, was der Architekt „keinen Handlungsspielraum“ nennt. „Im Moment interessiert sich niemand für die Brache. Aber der Schnellimbiss und die Tankstelle können die Zugpferde sein“, sagt er. Das Bauprojekt stehe somit für das erste Modul einer Fläche, die noch weiterentwickelt wird.

Thema 2: Bäume sollen im Gemeindegebiet aufgeforstet werden

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Wald und dem Gehölz, was auf diesem Gelände noch steht“, sagt Bernhard Seidl und steht mit dieser Meinung nicht allein da. „Im Wald an der Ecke ist sowieso nicht mehr viel drin“, sagt auch der Ottendorfer Peter Knöfel. Wenn das Bauprojekt realisiert werden soll, dann müssten ein paar Bäume weichen. Das allein ist nicht das Problem. Es sind die Ausgleichsmaßnahmen, welche die Ottendorfer kritisieren. Eigentlich sollen die abgeholzten Bäume außerhalb des Gemeindegebiets aufgeforstet werden. Der Ortschaftsrat regt an, das noch einmal zu überdenken. Alternative Flächen im Gemeindegebiet seien ausreichend vorhanden.

Thema 3: Lärmschutzwand könnte Anwohnern helfen

Den Duft der Burger dürften Ottendorfs Bürger eigentlich gar nicht mehr riechen können. So weit ist das geplante Gelände von der ersten Wohnbebauung entfernt. Dennoch haben die Anwohner Angst vor noch mehr Lärm. Autobahn, Gewerbegebiet, Staatsstraße – die Beschallung ist ohnehin enorm. Große Angst macht den Anwohnern der geplante Parkplatz. Circa zwölf Laster-Stellplätze sollen mit dem Bau der Tankstelle entstehen. Wenn die den Motor anlassen, dann wird es natürlich laut. Dem könnte man mit einer Schallschutzwand entgegenwirken. Das hält auch der Architekt Bernhard Seidl für machbar.

Fazit: Das Bauprojekt gewinnt Fürsprecher

Die Mitglieder des Ottendorfer Ortschaftsrates haben sich nicht eindeutig für oder gegen das Projekt entschieden. Nach der hitzigen Debatte im Gemeinderat war diese Runde aber sehr konstruktiv. Anwohner und Ortschaftsräte haben sich am Ende auf eine Stellungnahme geeinigt. Darin enthalten sind ein paar Hinweise. Werden diese berücksichtigt, dann steht Ottendorfs Ortschaftsrat den Plänen des Investors nicht im Weg. Die Weichen sind gestellt. Jetzt sind die Gemeinderäte gefragt. Stimmen sie zu, könnte es Mitte 2015 losgehen.