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Riskanter Spätshop auf vier Rädern

Wenn den Dresdnern nachts das Bier ausgeht, dann klingelt beim Bier-Butler das Telefon.

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© sächsische zeitung

Von Laura Catoni

Unten im Keller, ganz weit hinten im Hochhaus Bundschuhstraße 2 versteckt sich Marcel Thalheims Büro – eine Mischung aus Elektrogeschäft, Partykeller und Studentenküche. Von hier aus koordiniert er sein Unternehmen Bier-Butler. Die ganze Nacht bringt der Lieferdienst seinen Kunden Bier, Cola oder Chips bis vor die Tür.

Was eigentlich recht harmlos klingt, kann aber auch sehr gefährlich werden. Schließlich weiß Thalheim nie, wer bei der Bestellung am Hörer sitzt. Erst vor Kurzem wurde der 28-Jährige von zwei heimtückischen Dieben bei einer Lieferung brutal niedergeschlagen und ausgeraubt. Mit einer Glasflasche haben sie auf Thalheim eingeschlagen. Erbeutet haben sie das gesamte Geld und die Ware im Lieferwagen sowie Talheims Handy – eine Summe von etwa 650 Euro. Die mutmaßlichen Täter wurden mittlerweile gefasst und sitzen in Untersuchungshaft. Trotz des Schocks lässt sich Thalheim nicht beirren. Der Nachtlieferdienst ist für ihn ein wahr gewordener Lebenstraum. „Wir sind quasi ein rollender Spätshop“, so definiert Thalheim den Bier-Butler. Diesen gibt es bald schon drei Jahre. Davor reparierte Inhaber Thalheim in seinem Service-Büro Computer.

Das hat dem Johannstädter aber nicht gereicht. Er wollte etwas Neues. Da kam dem gelernten Kaufmann im Einzelhandel die Idee für den Nachtlieferdienst. „Es gibt zwei Sachen, für die der Mensch immer bereit ist, Geld auszugeben. Das sind Essen und Trinken“, sagt er. Und zu oft habe er erlebt, wie nachts auf einer Feier das Bier ausging. Von einem Freund kaufte er dann das Konzept für Bier-Butler auf und setzte es in die Tat um.

Zunächst musste sich der Nachtlieferdienst einen Namen machen. Seitdem boomt das Geschäft mit dem „rollenden Spätshop“. Anders als der Name vermuten lässt, liefert Bier-Butler neben Bier auch Linseneintopf und Popcorn. Als „Notversorger“ wird Thalheim oft eingeladen, auf einer Studentenparty zu bleiben und ein Bierchen mitzutrinken. Da aber auch andere Kunden auf ihre Bestellung warten, geht das natürlich nicht. „Dann raucht man mal eine zusammen“, sagt Thalheim.

Hochkonjunktur hat der Lieferdienst an Feiertagen mit Tanzverbot, wenn Bars und Klubs schließen. Aber auch zu Himmelfahrt lieferte der Bier-Butler im Akkord. Anstatt regulär um 23 Uhr, begann Talheims Schicht am sogenannten Männertag bereits um 15 Uhr.