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"Granit 27" hieß der erste Nachkriegs-Lkw

Vor 70 Jahren verließen die ersten Fahrzeuge blumengeschmückt das Werktor der Phänomen-Werke Zittau.

Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Blick in die Montage des VEB Roburwerke Zittau. Die Aufnahme entstand im März 1978 am Fahrgestellband.
Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Blick in die Montage des VEB Roburwerke Zittau. Die Aufnahme entstand im März 1978 am Fahrgestellband. © SZ-Archiv/W. Kossack

Wie die Textilindustrie gehörte einst auch der Fahrzeugbau zu den unverkennbaren Merkmalen der Stadt Zittau. Dabei erinnert man sich noch heute beim Namen "Robur" vor allem an Lastkraftwagen der Baureihe LO in ihren verschiedenen Varianten. Sie waren auf allen Straßen präsent – egal, ob als Pritschenwagen, mit Kofferausbau oder als Bus.

Dabei begann die Fertigung von Lastkraftwagen in den von Karl Gustav Hiller 1888 gegründeten Phänomen-Werken erst, nachdem 1927 die Produktion des zwar modernen, aber zu teuren Pkw "Phänomen 412" eingestellt worden war. Da versuchte man es mit einem vermeintlichen Nischenprodukt – mit der Produktion von Lastkraftwagen für das Reichspostministerium. Und dieser erste "Phänomen 4 RL" wurde ein voller Erfolg.

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Nach der Machtergreifung Hitlers war auch die Reichswehr an der Zittauer Lkw-Produktion interessiert, konkret am damaligen Phänomen Granit, wie Hartmut Pfeffer in seinem Buch "Phänomen/Robur" berichtet. Vor allem Kübelwagen und Krankenfahrzeuge kamen zum Einsatz. Das setzte sich später bei der Wehrmacht mit den Typen 1500 fort. Auch als Mannschaftstransportfahrzeuge waren sie gefragt.

So sah das erste Fahrzeug der Nachkriegsproduktion, der „Granit 27“, aus. Ende Januar 1950 verließen die ersten Modelle die Zittauer Phänomen-Werke.
So sah das erste Fahrzeug der Nachkriegsproduktion, der „Granit 27“, aus. Ende Januar 1950 verließen die ersten Modelle die Zittauer Phänomen-Werke. © Sammlung Rolf Hill

Mit dem Kriegsende wurden die Phänomen-Werke als ehemals wichtiger Rüstungsbetrieb eingestuft. Schon 1945 erfolgte die weitgehende Demontage. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) akzeptierte zwar, dass die Phänomen-Fahrzeuge vom Typ "Granit" während des Krieges vorwiegend als Sanitätskraftwagen eingesetzt wurden. Trotzdem war mit der fehlenden materiellen Basis der Wiederaufnahme der Fahrzeugproduktion jegliche Grundlage entzogen. Nicht betroffen war allerdings die Generalinstandsetzung von etwa 1.000 Beutefahrzeugen verschiedenster Fabrikate auf der Grundlage des Befehls Nummer 43 der SMAD. 

Nachdem die Phänomen-Werke Gustav Hiller AG Zittau mit Wirkung vom 1. Juli 1946 in Volkseigentum überführt wurden, änderte sich auch die Zuständigkeit für die wirtschaftlichen Belange, insbesondere mit der Gründung der DDR. Und so deutete sich langsam ein vielversprechender Neuanfang an. Nachdem bereits die Produktion von Motoren wieder aufgenommen wurde, verließen am 27. Januar 1950 die ersten Fahrzeuge der Nachkriegsproduktion vom Typ "Granit 27" das Werktor. 

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Dazu schreibt Hartmut Pfeffer: "Eine Wandzeitung wies darauf hin, zeigte den Weg, den die ersten zwölf Fahrzeuge als Zeichen des Neubeginns durch die Stadt nehmen würden. Blumengeschmückt verließen die Fahrzeuge 16 Uhr das Werktor. Aber da waren es auf einmal 13, man hatte zusätzlich einen Krankenwagen für das Stadtkrankenhaus Zittau gebaut." Kurze Zeit später erhob Rudolf Hiller, der frühere Eigentümer, Klage gegen die Beibehaltung des Namens "Phänomen" und der Typenbezeichnung "Granit". So entstand 1956 der VEB "Robur-Werke" Zittau, in dem nun Lkw vom Typ "Garant" vom Band liefen.

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