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Rochade im Krankenhaus

Bei vollem Betrieb wird das Riesaer Elblandklinikum komplett umgebaut. Das betrifft auch das Labor.

Von Christoph Scharf
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Riesas Landmarke: das Krankenhaus der Elbland-Kliniken. Während der Neubau dahinter mittlerweile in Betrieb gegangen ist, wird nun das Hochhaus Etage für Etage komplett modernisiert.
Riesas Landmarke: das Krankenhaus der Elbland-Kliniken. Während der Neubau dahinter mittlerweile in Betrieb gegangen ist, wird nun das Hochhaus Etage für Etage komplett modernisiert. © Lutz Weidler

Riesa. Mit seiner bunten, markanten Fassade schaut das Riesaer Elblandklinikum weit über die Landschaft. Aber innen! Dort wird schon seit Monaten unter Hochdruck gebaut. Während in der einen Hochhaus-Etage operiert wird und in der anderen Patienten in den Betten liegen, befinden sich ganze Trakte derzeit in der Hand von Handwerkern. 

Die Ebene 6 etwa gehört derzeit nur noch zur Hälfte der Chirurgie. In der anderen Hälfte fällt der Blick an ganzen Ziegelhaufen herausgerissener Wände vorbei, Kabel hängen von der nackten Betondecke, der Sonnenschein fällt quer durchs Haus. Die Zwischentüren müssen strikt geschlossen bleiben, damit kein Staub in die Treppenhäuser und die anderen Bereiche dringt.

Bauen bei vollem Betrieb - dieser Herausforderung stellt man sich in Riesa schon seit Monaten. Etage für Etage wird das Hochhaus umgebaut, sodass am Ende bloß noch die äußere Hülle unversehrt bleibt. Mehr als 50 Millionen Euro investiert die kreiseigene Gesellschaft am Standort. Wenn eine Ebene fertig ist, wird sie sofort neu bezogen - damit anderswo weiter gearbeitet werden kann.

Vor Kurzem war hier noch die Chirurgie untergebracht. Jetzt sieht die Hälfte von Etage 6 so aus.
Vor Kurzem war hier noch die Chirurgie untergebracht. Jetzt sieht die Hälfte von Etage 6 so aus. © Sebastian Schultz
Das Labor muss als nächstes umziehen - da packen auch die medizinisch-technischen Laborassistenten wie Mandy Gundlach mit an.
Das Labor muss als nächstes umziehen - da packen auch die medizinisch-technischen Laborassistenten wie Mandy Gundlach mit an. © Sebastian Schultz
Die ersten Geräte sind schon da: Chefarzt Dr. Boris Rolinski besichtigt die neuen Räume für das Labor der Elblandkliniken. Sie liegen direkt unter dem Dach des Hochhauses in Ebene 10.
Die ersten Geräte sind schon da: Chefarzt Dr. Boris Rolinski besichtigt die neuen Räume für das Labor der Elblandkliniken. Sie liegen direkt unter dem Dach des Hochhauses in Ebene 10. © Sebastian Schultz

Die Ebene 10 ist so ein Fall. Noch vor wenigen Monaten sah das oberste Stockwerk, gleich unter dem Flachdach des Hochhauses, eher wüst und leer aus. Jetzt sind überall leuchtend weiße neue Wände entstanden, eine moderne Küchenzeile, eine gläserne Durchreiche. Dahinter wird bald ein Medizinisch-technischer Laborassistent sitzen. 

Einstweilen stapeln sich dort noch große leere Kartons. Dahinter verbirgt sich unter einer Schutzfolie aus Kunststoff eine mehrere Meter lange, hüfthohe Maschine. "Das ist ein Cobas 6000,  ein konsolidiertes Analysesystem der neuesten Generation", sagt Dr. Boris Rolinski. Mit dem Analysegerät lassen sich vollautomatisch Blutproben untersuchen, die in Röhrchen auf der einen Seite eingesetzt und dann der Reihe nach klinisch, chemisch, immunologisch getestet werden, bevor sie wieder aus dem Gerät herauswandern. 

Der Cobas ist nur eins von zahlreichen Geräten, mit denen im Labor des Riesaer Klinikums täglich rund um die Uhr Proben von Patienten untersucht werden. Aber es ist das Teil, für das ein Umzug mit Abstand am aufwendigsten wäre. "Während wir unsere andere Technik runterfahren, vom Netz abstecken, auf Rollwagen verfrachten und gleich wieder anstecken können, würde das beim Cobas zwei, drei Tage dauern", sagt der Chefarzt.

Und das kommt in Riesa gar nicht in Frage. Schließlich sind die Mediziner im OP-Saal eine Etage weiter unten darauf angewiesen, notfalls innerhalb von einer halben Stunde Ergebnisse von Blutproben zu erhalten. Da wäre eine Fahrt nach Meißen oder Radebeul - auch dort unterhält die klinikeigene Tochtergesellschaft Elblab GmbH Labore - viel zu zeitaufwendig. Und deshalb hat das Unternehmen mit dem Lieferanten verhandelt und erreicht, dass man rechtzeitig vor dem Umzug in den neuen Räumen einen neuen Cobas erhält - und im Gegenzug das bisherige, baugleiche Gerät nach dem Umzug abgibt.

Noch bis Ende Januar arbeiten die neun Riesaer Labor-Mitarbeiter - an allen drei Standorten zusammen sind es knapp 50 - aber fünf Etagen weiter unten. Dort geht es mittlerweile etwas beengt zu. Durch den Umzug nach oben erhofft man sich mehr Platz beispielsweise für die Kühlschränke in Gastronomie-Größe, in denen stapelweise Blutbeutel lagern. Bei exakt vier Grad werden die vom DRK gelieferten Konserven aufbewahrt, um nach detaillierten Laboruntersuchungen passgenau für jeden einzelnen Patienten ausgeliefert zu werden.

Alle Blutwerte in Ordnung? Ein Blick auf einen Monitor im Labor des Elblandklinikums Riesa.
Alle Blutwerte in Ordnung? Ein Blick auf einen Monitor im Labor des Elblandklinikums Riesa. © Sebastian Schultz

Diese Blutkonserven werden auch künftig traditionell von Menschen geliefert und abgeholt. Blutproben allerdings werden nach dem Umzug deutlich fixer unterwegs sein - in der neu installierten Rohrpostanlage, die unter anderem Notaufnahme, OP-Saal und Labor miteinander verbindet. Dort können die Proben innerhalb von Sekunden vom Erdgeschoss in die zehnte Etage und retour geschickt werden. 

Und warum nicht auch die Blutkonserven? "Für die wäre eine Fahrt in der Rohrpost-Bombe mit der starken Beschleunigung und den Fliehkräften in den engen Kurven gefährlich", sagt Dr. Boris Rolinski. "Dabei könnten zu viele rote Blutkörperchen platzen."

Der vom Städtischen Klinikum München vor Jahren ins Elbland gewechselte Mediziner hat schon mehrere Labor-Umzüge hinter sich: in Meißen und auch in Riesa, wo das Labor ursprünglich im Altbau gesessen hatte. Der ist mittlerweile längst abgerissen. Mit dem eingespielten Mitarbeiterteam werde auch der nächste Umzug gut klappen. Ende Januar soll es so weit sein. 

Davor muss noch die EDV-Verkabelung fertig werden und die Abnahme von Brandschutz und Hygiene erfolgen, sagt Verwaltungsdirektor Peter Zeidler. Und sind die bisherigen Labor-Räume in Ebene 5 umgebaut, zieht dort anschließend die Urologie ein. Die ist derzeit noch in Containern vor dem Hochhaus untergebracht. 

Gleichzeitig soll die Chirurgie aus dem Hochhaus ins Haus 5 nebenan wechseln, wo aber erst die Klinik für Gastroenterologie, Onkologie und Palliativmedizin Platz machen muss, die in ein gerade erst aufgestocktes Geschoss einzieht. Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber mittlerweile sind solche Abläufe in Riesa schon fast Routine.

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