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Rockige Träume

Letzter großer Auftritt für die Zwölftklässler aus dem Chor des Sorbischen Gymnasiums. Morgen präsentieren sie sich mit ungewohnten Tönen.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Friedemann Böhme sitzt am Flügel in der Aula des Sorbischen Gymnasiums. Drumherum stehen Jakob Schäfer, Maria-Magdalena Schneider, Simon Heiduschka und Alena Heiduschka. Normalerweise probt jetzt kurz vor halb zwei der Chor des Sorbischen Jugendensembles. Aber an diesem Tag hat der Chorleiter den Mädchen und Jungen freigegeben. Schließlich müssen sie ihre Stimmen für den großen Auftritt an diesem Sonnabend schonen. Dann erklingt im Saal des Bautzener Brauhauses das sorbische Pop-Oratorium „Wìtrnik a èasy - ... und ewig weht der Wind“.

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Die vier Zwölfklässler sind trotzdem da, um noch ein paar Details zu klären. Für die Abiturienten ist der Auftritt etwas Besonderes. Schließlich verabschieden sie sich mit diesem Konzert aus dem Chor. Am 17. April beginnen die Abi-Prüfungen.

Insgesamt verlassen 14 Schüler der 12. Klasse in diesem Jahrgang den Chor. Die 50 Sänger sind bekannt für die Interpretation klassischer, sorbischer Chormusik von Korla Awgust Kocor bis Detlef Kobjela. Mit dem Pop-Oratorium gehen sie nun mal andere Wege. „Allerdings nicht zum ersten Mal. Das Stück feierte bereits 2006 beim Musikfest Schmochtitz seine Premiere“, sagt Domkantor Friedemann Böhme. Der 57-Jährige leitet seit 1996 das Ensemble.

Die Sänger freuen sich über den Abstecher ins Zeitgenössische. „Die Melodien und der Rhythmus sind eingängig“, sagt Simon Heiduschka. Die Komposition „… und ewig weht der Wind“ schrieb Mìræin Weclich zu Texten von Magdalena Nastizky. Der Panschwitzer ist ein sorbischer Komponist, der sich der Unterhaltungsmusik verschrieben hat. Über 400 Lieder stammen aus seiner Feder, neun CDs gibt es inzwischen mit seinen Schlagern. Seine sorbischen Hits spielt das Radio.

Die 15 Lieder seines Pop-Oratoriums erzählen von den Träumen und Hoffnungen junger Leute. „Sie beschreiben wunderbar die sorbische Landschaft und die dörfliche Idylle. Sie erzählen von der Glückssuche in der Ferne und der Wiederkehr in die Heimat“, sagt Friedemann Böhme. Die beiden Mädchen und Jungen hören gespannt zu. So kurz vor dem Abitur werden ihre Träume auch ein bisschen greifbarer.

Alena Heiduschka schmunzelt: „Zuerst wünschen wir uns natürlich, dass wir die Prüfungen erfolgreich bestehen. Aber das wird schon“, sagt die 18-Jährige selbstbewusst. Sie beginnt im September am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Später möchte sie vielleicht Medizin studieren. Die anderen drei haben ebenfalls konkrete Vorstellungen für ihr Leben nach der Schule. Simon Heiduschka hofft, dass er den Aufnahmetest als Tonmeister in Berlin schafft. Aber auch Instrumentenbauer würde er gern werden. Schließlich lebt der 18-Jährige für die Musik. Er spielt Klavier und Schlagzeug, träumt von einer eigenen Metalband und komponiert für den Chor. „Eigentlich möchte ich weg von zu Hause. Erst dann kann man doch wissen, wie schön es hier ist“, sagt er. – Jakob Schäfer nickt. Der Radiborer möchte Fernsehjournalist werden. Das Studium wäre in Leipzig. Dort will auch Maria-Magdalena Schneider studieren. „Ich möchte Grundschullehrerin werden und später zurückkommen“, sagt die 17-Jährige.

Allerdings schieben die Abiturienten diese Wünsche erst einmal in die Ferne. Der Blick der Schüler richtet sich auf den bevorstehenden Auftritt. Unterstützt werden sie von der Tanzgruppe des Sorbischen Gymnasiums unter der Leitung von Constanze Wendisch sowie einer fünfköpfigen Band. Die Musiker des Sorbischen Kammerorchesters bringen die kleine sorbische Geige, die Klarinette, den Kontrabass und das Schlagzeug mit. Am Klavier begleitet sie Gina Hentsch. Und dann fehlt nur das Publikum in großer Zahl für den letzten Auftritt der Zwölfer aus dem Chor.

„Und ewig weht der Wind“ am 5. April, um 19 Uhr im Saal des Keglerheimes in Bautzen, Thomas-Mann-Straße 7. Der Eintritt ist kostenlos. Um eine Spende wird gebeten.