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"Die Hälfte des Wassers fließt einfach ab"

Trotz der Regenfälle in den vergangenen Wochen haben Landwirte im Radeberger Umland Sorgen.

Ein abgeerntetes Feld bei Radeberg.
Ein abgeerntetes Feld bei Radeberg. © Marion Doering

Rödertal. "Der Bauern Arbeit ist am fröhlichsten und voller Hoffnung", soll Reformator Martin Luther einmal gesagt haben. Es ist nicht überliefert, was ihn zu diesem Satz bewegte. Er muss sich die Feldarbeit wohl romantisch vorgestellt haben. Tatsächlich war das Leben eines Bauern zu dieser Zeit eher karg und mühevoll – und ist es mitunter bis heute geblieben. Erst recht in Zeiten des Klimawandels.

Das zeigt sich in diesem Sommer wieder im Radeberger Umland. Etwa beim Seifersdorfer Karl Oese. Der Bio-Bauer, der Weizen, Gerste, Roggen, Kartoffeln, Eier und Milch nach ökologischen Standards auf seinem rund 70 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb produziert, erzählt davon, dass sich sein Ernteertrag in diesem Jahr halbieren wird. Statt vier Tonnen Getreide pro Hektar werden es wohl nur zwei Tonnen.

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Sicher, die Trockenheit falle in diesem Jahr nicht so heftig aus wie in den beiden zurückliegenden Dürrejahren 2018 und 2019, erklärt er, aber für ihn sei es dennoch "ein schlechtes Erntejahr".

Ein paar Kilometer weiter, im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf sieht es freundlicher aus. Michael Forker, der bei dem landwirtschaftlichen Unternehmen an der Dresdner Heide für die Pflanzenproduktion verantwortlich ist, sagt, dass der Mais in diesem Jahr gut stehe. Kein Vergleich zum Vorjahr, da sei ja diese Frucht auf den Feldern regelrecht vertrocknet. Beim Weizen allerdings sehe es derzeit nicht so gut aus, aber immer noch besser als in den zurückliegenden Dürrejahren.

Getreideernte etwas besser als erwartet

Allerdings könne man in diesem Jahr nicht mehr so viel Grünfutter für die Tiere schneiden wie sonst, so Forker weiter. Hier werden die Erträge wohl nur bei rund 50 Prozent der üblichen Menge liegen. Etliche Felder der rund 1.400 Hektar großen Nutzfläche des landwirtschaftlichen Unternehmens verbrannte die Hitze.

Laut Sächsischem Bauernverband ist die Getreideernte im Landkreis Bautzen in diesem Jahr ein wenig besser gelaufen als im Frühjahr erwartet: Bei Triticale, einem Futtergetreide, brachten die Landwirte etwa zehn Prozent weniger ein als 2019. Bei Winterweizen ernteten sie ein Zehntel mehr als vor einem Jahr, bei Wintergerste hingegen 2,5 Prozent weniger. Beim Winterraps gab es ein Plus von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Prekärer als bei der Getreideernte sieht es hingegen bei der Futterernte aus. Vor allem Grünland und Mais leiden unter der Trockenheit dieses Sommers. Heißt: Da die Ernten in den beiden Vorjahren knapper ausgefallen sind, sind die Futtervorräte geringer. Bei so manchem Landwirt wird es da mit dem Futter für die Tiere eng.

Trockenheit hatte auch etwas Gutes

Was tun in einer solchen Situation? Der Seifersdorfer Oese pflanzt seit einiger Zeit Luzerne, die "Königin der Futterpflanzen", so der Bio-Bauer. Deren Wurzeln reichten bis zu sieben Meter ins Erdreich. Tief genug, um an das wenige Wasser im Boden zu kommen.

Ein Blick in die Statistiken zeigt für die kommenden Jahre nichts Gutes. Denn die Ertragskurve, die vor 2014 immer gestiegen war, fällt seitdem stetig nach unten. Zunehmende Hitze und Trockenheit verursachen in der Region Ernteschäden. So deutete im Landkreis Anfang des Jahres wieder einiges auf ein weiteres Dürrejahr hin.

Doch die Trockenheit in den Monaten März und April habe auch ihr Gutes gehabt, wie man beim Regionalbauernverband Bautzen-Kamenz erfährt. Der Schädlingsbefall war bei den Pflanzen geringer als sonst. Und die sonnenintensiven Monate Mai und Juni führten dazu, dass die gesunden Pflanzen viel in die Körner einlagern konnten.

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Dennoch: Die Landwirte im Radeberger Umland haben Sorgenfalten, die der Regen der vergangenen Wochen nicht glätten kann. Denn im Boden stecken nach den Dürrejahren einfach keine Wasserreserven mehr. Und wenn wie zuletzt in einigen Bereichen des Radeberger Umlands bis zu 100 Liter Regen auf den Quadratmeter fielen, nutzt das auch nichts. Denn "die Hälfte des Wassers fließt einfach ab", so Bio-Bauer Oese. Weil der Boden zu trocken ist und solche Wassermengen nicht aufnehmen kann.

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