merken
PLUS

Rödertal, USA und zurück

Das Projekt „Wachstumsregion Dresden “ kümmert sich um Rückkehrer. Robin Klinkert ist einer von ihnen.

© André Wirsig

Von Thomas Drendel

Radeberg. Marco Wagner kann sich entspannt zurücklehnen. Er ist Wirtschaftsreferent im Radeberger Rathaus und auf seinem Gebiet läuft es. Die Arbeitslosigkeit liegt im Rödertal unter vier Prozent, die Einnahmen der Stadt aus der Unternehmenssteuer sprudeln. Das heißt, den Firmen geht es gut. Auch ein weiteres Kind des Mitarbeiters wird groß, er betreut in der Stadt das Projekt „Wachstumsregion Dresden“. Da liegen ihm zurzeit besonders die Rückkehrer aus den alten Bundesländern am Herzen. „Rund zehn Familien kehren jährlich aus den alten Bundesländern zurück. Ihnen helfen wir beispielsweise bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, nach Kitaplätzen oder nach einer Wohnung“, sagt er.

Anzeige
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig

Die Berufsakademie (BA) Sachsen in Riesa und Leipzig lädt Studieninteressierte am 13. März 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür mit Praxispartnern ein.

Jetzt können er und seine Mitstreiter Peter Glumbick, Daniela Retzmann vom Planungsbüro Schubert in Radeberg und der Stadtverwaltung Kamenz wieder von einem solchen Erfolgserlebnis berichten: Robin Klinkert hat zwölf Jahre bei Audi als Entwicklungsingenieur gearbeitet, war für das Unternehmen lange in der USA, jetzt ist er zurück im Rödertal. Sein beruflicher Weg begann während seines Studiums an der HTW-Dresden im Studiengang „Internationale Produktionstechnik“. Durch ein Industriepraktikum kam er erstmals in Kontakt mit seinem späteren Arbeitgeber, bei welchem er auch seine Diplomarbeit schrieb und 2004 erfolgreich sein Studium beendete.

Es folgten zwei Jahre bei Audi in Ingolstadt, bevor es ihn für fünf Jahre in die USA verschlug. Dort arbeitete er als Bindeglied zwischen dem Automobilhersteller und seinen Kunden, um so die technische Entwicklung der Fahrzeuge voranzutreiben. In dieser Zeit entstand auch die Idee für einen Bikepark. „Auf dem Fahrrad sitze ich so lange ich denken kann, bin lange Zeit professionelle Rennen gefahren, auch in den USA. Eigene Strecken baue ich, seit ich 14 Jahre alt bin. Trotzdem war der eigene Bikepark lange Zeit mehr oder weniger eine Art Wunschtraum.“ Doch irgendwann wurde die Unzufriedenheit im Job zu groß und der Antrieb etwas Eigenes aufzubauen einfach immer größer.

Doch der Traum des eigenen Bikeparks war mit Hürden verbunden. Kann das Projekt teilweise über Fördermittel realisiert werden? Welche Genehmigungen sind nötig? Das waren nur zwei von vielen Fragen, auf welche er Antworten finden musste. Eine der größten Schwachstellen war für Robin Klinkert die Unterstützung durch Verwaltung und Verantwortungsträger. Das ist für ihn auch der Ansatzpunkt für die Wachstumsregion Dresden. Die bessere Unterstützung von Selbstständigen und deren innovativer Ideen, damit noch mehr solcher Projekte in der Region entstehen können. „Ein gut vernetzter Ansprechpartner, der einem nicht nur Telefonnummern übermittelt, die man selbst im Web findet, sondern einen der bei komplexen Prozessen unterstützt. Das wäre mein persönlicher Wunsch für alle Initiatoren visionärer Projekte“, sagt er.

Bike-Park in Elstra eröffnet

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Robin Klinkert bis heute nicht bereut. Das Gefühl „zu Hause“ zu sein, war für ihn neben der unternehmerischen Perspektive einer der entscheidendsten Punkte für seine Rückkehr. Seine Familie und sein Freundeskreis empfingen ihn natürlich mit offenen Armen. „Doch auch sehr gute Freunde in Ingolstadt zurückzulassen gehörte dazu. Das war nicht immer einfach.“ Er fügt hinzu: „Der Mensch ist eher bequem und scheut Veränderungen, den Schritt in die Ungewissheit zu gehen, mit allen Konsequenzen, ist mir deshalb nicht in jeder Situation leichtgefallen.“

Gegen die eigene „Schwerkraft“ hilft er nun seinen Besuchern dabei, ein bisschen abzuheben. Am Schwarzenberg in Elstra eröffnete er seinen Bike-Park. Und ist seit dem sehr erfolgreich. Schon im vergangenen Jahr kamen begeisterte Radfahrer aller Altersklassen aus weiten Teilen der Bundesrepublik, Tschechien, Polen, sogar aus Österreich und der Schweiz auf den Schwarzenberg. Jetzt sitzt Robin Klinkert gelassen auf einem Baumstamm direkt am Lift in seinem Black Mountain Bikepark in Elstra. Er genießt die kurze Zeit der Ruhe.

Hinter dem Absprung geht es gut drei Meter in die Tiefe. Er hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Das gleiche Lächeln haben alle die, die sich den Sprung über die Rampe zutrauen, die eigene Schwerkraft überwinden, sei es hier im Black Mountain Bikepark oder bei der Rückkehr in die Wachstumsregion Dresden.