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Rohr-Spezialist wächst in Bautzen

Die Firma Ionisos baut im Industriegebiet Salzenforst eine neue Halle und sucht weitere Mitarbeiter. Auch Quereinsteiger haben eine Chance.

Ionisos-Geschäftsführer Henry Mitschak (l.) steht mit Bauleiter Sandro Hoffmann vor der neuen Halle, die auf dem Werksgelände im Industriegebiet Salzenforst entsteht.
Ionisos-Geschäftsführer Henry Mitschak (l.) steht mit Bauleiter Sandro Hoffmann vor der neuen Halle, die auf dem Werksgelände im Industriegebiet Salzenforst entsteht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Unübersehbar dreht sich ein Kran über dem Industriegebiet Salzenforst bei Bautzen. Zu seinen Füßen wuseln Bauarbeiter. Sie bereiten das Fundament vor für eine neue Werkhalle, etwa so groß wie zwei Fußballfelder. Rund 16.000 Tonnen Erde haben die Bauleute dafür schon bewegt.

In zwei Wochen fangen sie an, die Betonwände zu montieren. Und was für Wände: Jede ist zwei Meter stark. Das muss sein, denn hinter diesen Wänden sollen ab Frühjahr 2021 winzige elektronische Teilchen durch die Luft jagen. Sie durchdringen dabei Rohre und Kabelmäntel aus Kunststoff. Dieser wird dadurch widerstandsfähiger und nicht mehr so schnell spröde, hält also länger. Das wiederum hilft, Rohstoffe zu sparen.

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Rohre und Kabelmäntel mit Elektronen zu bestrahlen, ist der Job der Ionisos GmbH. Und weil immer mehr Betriebe, zum Beispiel in der Baubranche, auf so veredelte Kunststoff-Produkte setzen, baut Ionisos jetzt in Salzenforst an. Zu zwei Elektronenbeschleunigern kommt ein dritter. 

Die damit behandelten Produkte gehen an Kunden in ganz Deutschland, Polen und Tschechien, berichtet Geschäftsführer Henry Mitschak. In den ostdeutschen Bundesländern gibt es keinen zweiten Betrieb, der diese Technologie nutzt. 

Jeder Elektronenbeschleuniger arbeitet in solch einem Betonkasten, wie jetzt ein dritter entsteht. Auf Computerbildschirmen können die Mitarbeiter beobachten, was im Inneren passiert. Zwar handelt es sich nicht um radioaktive Strahlung, trotzdem darf niemand hinein.

Bautzen einziger Standort in Deutschland

Das Werk in Bautzen ist der einzige Standort der französischen Ionisos-Gruppe in Deutschland. Bis vor vier Jahren gehörte der Betrieb in Salzenforst zum Kabelspezialisten Leoni mit Sitz in Nürnberg, der sich 2016 aber eine neue Struktur gab und vom Standort in der Oberlausitz trennte. Den Geschäften tat das keinen Abbruch, erklärt Henry Mitschak.

Er muss es wissen, schließlich ist er in Salzenforst vom ersten Tage an dabei. Aufgewachsen ist der heute 62-Jährige in Leipzig, ging zum Studium nach Magdeburg, danach in den Westen Deutschlands. Dort lernte er die Technologie des Bestrahlens von Werkstoffen mit Elektronen kennen. Zehn Jahre lang hat er sich hochgearbeitet. Dann wurde er gefragt, ob er in Bautzen den Aufbau und die Leitung eines neuen Werkes übernehmen wolle. Henry Mitschak wollte.

Jeder Neue wird ein halbes Jahr angelernt

2008 kam der Grundstein in die Erde, 2009 ging das Unternehmen an den Start - mit 28 Mitarbeitern. Jetzt sind es 40. Die wenigsten konnten bei ihrem Arbeitsbeginn schon, was sie heute tun. "Hier arbeiten gelernte Mechatroniker ebenso wie ehemalige Schweinezüchter", erklärt der Geschäftsführer. "Bei uns wird jeder neue Mitarbeiter ein halbes Jahr lang angelernt."

Das gilt auch für die fünf bis sieben Neuen, die Ionisos jetzt sucht. Mitbringen müssen sie vor allem zwei Voraussetzungen: technisches Verständnis und Bewusstsein für Qualität. "Wir sind ein technischer Dienstleister, unsere Kunden vertrauen uns ihre Produkte an und verlassen sich auf unsere Qualitätsarbeit", betont Mitschak und nennt ein konkretes Beispiel: Fußbodenheizungen. "Nicht auszudenken, wenn so ein Rohr plötzlich eine Bruchstelle bekäme."

Natürlich müsse es im Betrieb auch menschlich passen, sagt der Chef. Da müsse sich einer auf den anderen verlassen können. "Hier wird präzise gearbeitet, aber auch mal zusammen gegrillt." 

Wegen großer Nachfrage Arbeit in rollender Schicht

Rund zehn Millionen Euro investiert der französische Konzern in die neue Halle. Damit wird das  Werk in Salzenforst zu einem der größten Dienstleister in ganz Europa, teilt die Unternehmenszentrale in Lyon mit. Der hiesige Geschäftsführer ist stolz darauf, dass die Aufträge für den Bau in der Region bleiben. So zeichnet für die Halle das Bauunternehmen SLB Stadt- und Landbau Bautzen verantwortlich.

Wegen der großen Nachfrage arbeitet Ionisos derzeit in rollender Schicht, also auch am Wochenende. Henry Mitschak weiß, dass solche Arbeitszeiten manchen potenziellen Bewerber auch abschrecken. Aber hier ist Änderung in Sicht: Wenn 2021 der dritte Elektronenbeschleuniger läuft, kann der Betrieb zum Drei-Schicht-Rhythmus von Montag bis Freitag übergehen.

Ob in ein paar Jahren die Auftragslage wieder rollende Schichten erfordert, kann niemand vorhersagen. Aber für den Fall des Falles wäre in Salzenforst auch immer noch genug Platz für eine weitere neue Halle.

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