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Rohre fädeln auf der Kreuzung

Ein neues Fernwärmerohr soll an der Kreuzung Wall-/Bahnhofsstraße in Bautzen verlegt werden. Ganz reibungslos klappt das nicht.

© Uwe Soeder

Von Theresa Hellwig

Bautzen. Marko Wroblewski steht an der Schnittkante, die sich durch den Straßenbelag an der Kreuzung von Wall- und Bahnhofsstraße zieht. Der Bauleiter beugt sich vor, blickt nach unten. Etwa zwei oder drei Meter geht es da in die Tiefe, der Boden hat verschiedenfarbige Schichten. An verschiedenen Stellen ragen Rohre: Dicke, dünne, gelbe, schwarze, rotbraune. Ein Abwasserrohr ist bei den Arbeiten zu Bruch gegangen. „Das war keine Absicht“, sagt Wroblewski, „meistens liegen die weiter unten, da rutschen wir einfach drüber hinweg.“

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© Grafik: SZ/Sylvia Tietze

Ziemlich dicht besiedelt sieht es in dieser Rohrlandschaft aus, aber es wird noch ein weiteres Rohr dazukommen, und zwar ein dickes. Fernwärme soll eines Tages da durch geleitet werden; bis es so weit ist, dauert es aber noch eine Weile.

Seit Montag wird an der Kreuzung Wall-/Bahnhofsstraße gebaut: Die Energie- und Wasserwerke lassen Stück für Stück die Fernwärmetrasse ausbauen. „Unters Gas, über Wasser – das neue Rohr müssen wir da durchfädeln“, sagt Wroblewski, der bei den Energie- und Wasserwerken Bautzen (EWB) für das Betreiben der Fernwärmenetze zuständig ist. Er zeigt auf die Rohre, die auf dem Boden liegen und in der Luft die Grube durchqueren. Vor Bauarbeiten wie diesen werden Pläne studiert, auf denen die Rohre verzeichnet sind – die genaue Tiefe geht daraus aber nicht hervor. Ein paar kleine Überraschungen bieten die Arbeiten mit dem Bagger deshalb meistens. Das Abwasserrohr zum Beispiel, das war so eine. „Wenn ich an die Hindernisse denke, wird mir etwas mulmig“, sagt er. Denn biegsam ist so ein dickes Fernwärmerohr nicht.

Test mit Röntgenstrahlen

Am 19. November sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, bis dahin ist viel zu tun: Das Abwasserrohr muss repariert werden, das Fernwärmerohr muss verlegt werden und die Nähte verschweißt. Dann wird mit Röntgenstrahlen getestet, ob die Nähte gut verarbeitet sind und ein Drucktest zeigt, ob alles dicht ist. Etwa eine Woche dauern diese Arbeiten. Anschließend wird das Rohr mit einer Muffe verschlossen. Denn wenn dieser Bauabschnitt fertig ist, geht es nicht gleich weiter. Erst im Frühjahr wird wieder gebaut. „Im nächsten Jahr stehen andere Baumaßnahmen an, da wird diese Kreuzung für den Verkehr benötigt“, erklärt Wroblewski. „Deshalb wurden die Arbeiten an diesem Abschnitt vorgezogen.“

Auch die Zuleitung zu diesem Abschnitt wurde schon vor längerer Zeit gelegt, die Muffe ist bereits durch das Erdloch zu sehen. Seit dem Frühjahr wurden am Postplatz und in der Karl-Marx-Straße bereits Fernwärmerohre verlegt. Erst im September wurde die Trasse in den Schilleranlagen in Betrieb genommen, über die nun die anliegenden Schulen versorgt werden.

Wenn das neue Stück Rohr im Boden liegt und verpfropft ist, wird es zugeschüttet, die Straße verschlossen. Sind die Bauarbeiten im nächsten Jahr dann abgeschlossen, sollen über das Rohr das Bahnhofsgebäude und einige Privathaushalte versorgt werden. Die Trasse habe „ein Potenzial von zwei Megawatt“, erklärt Kerstin Juras von den Energie- und Wasserwerken, „schon drei Mehrfamilienhäuser haben sich angemeldet. Das Interesse ist groß.“

Umleitung über die Mucke-Straße

Etwa 60 000 Euro kosten die Arbeiten in dem Abschnitt. Das Prozedere ist dabei auch mit Verkehrseinschränkungen verbunden. Aus Richtung Wallstraße und von der Bahnhofsstraße aus ist die Kreuzung in der Zeit nicht befahrbar. Vom Postplatz aus kann aber in die Schilleranlagen abgebogen werden. Eine Umleitung führt über die Dr.-Ernst-Mucke-Straße. Diese ist normalerweise Einbahnstraße, nun jedoch zwischen Wallstraße und Postplatz in beide Richtungen befahrbar. Das Landratsamt und die anliegenden Geschäfte sind über die Tzschirner- und die Bahnhofstraße erreichbar. Letztere wird durch die Baumaßnahmen zur Sackgasse.

Mit Einschränkungen müssen auch Bautzener rechnen, die mit dem Bus fahren. „Zu Spitzenzeiten hatten unsere Busse diese Woche 20 Minuten Verspätung“, berichtet Peter Bitterlich, Betriebsleiter von Regiobus. Die Umwege bringen keine großen Zeitverluste mit sich. Aber „es hat sich im Stadtverkehr gestaut, die Busse hingen fest“. In der Zeit, in der die Kreuzung gesperrt ist, fahren die Linien 1, 3 und 6 über die Taucher-, die August-Bebel- und die Wallstraße in die Dr.-Ernst-Mucke-Straße. Die Haltestelle am Postplatz wird nicht bedient, vor dem „Haus der Sorben“ entsteht eine Ersatzhaltestelle. Auch die Haltstelle Bahnhof/ Taucherstraße entfällt, als Ersatz dient der Zentrale Omnibusbahnhof.