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Großenhain

Rohre hängen in der Luft

Ein langes Teilstück der neuen europäischen Gasleitung wurde jetzt abgesenkt. Läuft alles nach Plan?

Langsam heben die Seitbäume der italienischen Spezialfirma Bonatti die zusammengeschweißten Rohre in den Graben zwischen Adelsdorf und Brockwitz.
Langsam heben die Seitbäume der italienischen Spezialfirma Bonatti die zusammengeschweißten Rohre in den Graben zwischen Adelsdorf und Brockwitz. © Kristin Richter

Adelsdorf/Brockwitz. Drei Meter tief zieht sich der Graben für die Eugal-Trasse durch die Großenhainer Pflege. Südlich des Raschützwaldes verläuft er auf gut anderthalb Kilometer kerzengerade. Das Wetter spielt mit. Die Sonne scheint. Hervorragend geeignet für beeindruckende Fotos. Denn an diesem Tag soll eines der längsten Teilstücke der Gasrohrleitung zwischen Elbe und sächsisch-brandenburgischer Landesgrenze in den Graben gesenkt werden. „Da kann man schöne Bilder machen“, sagt Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer und informiert deshalb am frühen Vormittag Gascade-Pressesprecher Reemt Bernert und dieser wiederum die SZ in Großenhain. Jetzt oder nie! Diese Fotos gibt es so schnell nicht wieder.

Bernert fährt sofort in der Zentrale des Eugal-Betreibers, der Gascade Gastransport GmbH, los. Sie hat ihren Sitz in Kassel. Dreieinhalb Stunden später erreicht er die Pipeline-Baustelle bei Adelsdorf. Die Bauleute der italienischen Spezialfirma Bonatti sind in der Zwischenzeit schon ordentlich vorangekommen. Kurz vor der im Süden gelegenen Bahnstrecke Großenhain-Cottbus haben sie angefangen. Nun trennen sie nur noch rund 500 Meter vom Luchweg, der Verbindungsstraße zwischen Adelsdorf und Brockwitz.

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Mit neun Seitbäumen, wie die Bauleute die rund 70 Tonnen schweren Rohrlegekräne nennen, arbeiten sie sich in Richtung Norden vor. Auf etwa 200 Meter Länge werden die zusammengeschweißten Rohre vorsichtig angehoben und in den Graben abgesenkt. „Die Seitbäume bewegen sich dabei wie eine Ziehharmonika“, beschreibt Bernert die Arbeitsweise der Rohrlegekräne. Während acht Seitbäume die Eugalleitung in der Luft festhalten, lässt der neunte los und schließt zum nächsten auf. So bewegen sich die Spezialfahrzeuge eines nach dem anderen weiter und legen den Rohrstrang sanft in den Boden. „Prinzipiell könnte der Strang unendlich lang sein“, sagt Bernert. Aber Straßen, Bahngleise, Flüsse und anderen Hindernisse machen es notwendig, den Rohrstrang in Abschnitten zu verlegen. Auch Kurven führen dazu. „Das ist hier ein relativ langer Strang“, sagt Plakidis-Adamer. Aber in weniger dicht besiedelten Gegenden könnten Stränge auch mal drei bis fünf Kilometer lang sein.

Trotzdem beklagt sich der Bauleiter nicht. Denn in der Großenhainer Pflege haben die Eugal-Bauer relativ leichtes Spiel. Der sandige Boden ist ideal fürs Rohrverlegen. „Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Plakidis-Adamer. „Aber das ist auch vom Wetter abhängig. Bei Opal hatten sie nicht so viel Glück.“ Als die parallel verlaufende Gasleitung Opal gebaut wurde, sorgte Anfang August 2010 ein Tief über Oberitalien drei Tage lang für heftigen Dauerregen in Sachsen. „Da hilft auch keine Technik, wenn alles unter Wasser steht“, so der Bauleiter.

Auf solche Wetterunbilden können die Eugal-Bauer gern verzichten. Denn der Zeitplan ist straff genug. Der erste Strang der Eugal, der von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze reicht, soll in diesem Jahr fertig werden. Der Bau eines zweiten Stranges, der nur bis ins brandenburgische Weißack verlaufen soll, ist für 2020 vorgesehen.

Wie Gascade-Pressesprecher Bernert betont, wird auf der rund 480 Kilometer langen Baustelle in insgesamt 14 Bereichen zeitgleich gearbeitet. „Für ein Mammutprojekt dieser Größe wären sechs Jahre von der Vorplanung bis Fertigstellung super gewesen“, so Bernert. Die vergleichbare Opal-Trasse sei in fünf Jahren realisiert worden. „Dass hat schon bei der Opal keiner geglaubt, dass das in so kurzer Zeit möglich ist“, sagt der Pressesprecher. Die Eugal setze noch mal eins drauf. Nur 4,5 Jahre sollen vom ersten planerischen Gedanken bis zur vollständigen Freigabe vergehen.