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Pirna

Wer darf wo noch wandern gehen?

Jeder soll wegen Corona in seiner Gemeinde bleiben, hat der Pirnaer Landrat gesagt. Doch wo genau verlaufen in der Sächsischen Schweiz die Ortsgrenzen?

Rolf Böhm an seinem Arbeitsplatz: Der Bad Schandauer Kartograph weiß Rat.
Rolf Böhm an seinem Arbeitsplatz: Der Bad Schandauer Kartograph weiß Rat. © Archivfoto: Dirk Zschiedrich

In Woche drei der coronabedingten Ausgangsbeschränkungen in Sachsen sorgt eine Frage noch immer für Verwirrung: Wie groß ist denn nun das "Umfeld des Wohnbereichs", in dem ich mich ungestraft an der frischen Luft bewegen darf? Eine exakte Kilometerzahl gibt es nicht und wird es auch nicht geben, das hatte Innenminister Roland Wöller (CDU) erklärt. Die Dresdner dürfen nicht in die Sächsische Schweiz zum Wandern fahren, zumindest so viel stellte Wöller klar. 

Der Pirnaer Landrat Michael Geisler (CDU) legte sich da schon genauer fest. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dürfe jeder nur in seiner Wohnsitzgemeinde an die Luft gehen. "Die Pirnaer können in Pirna unterwegs sein, die Freitaler in Freital, die Struppener in Struppen, aber nicht in der jeweils anderen Gemeinde", sagte Geisler gegenüber sächsische.de. 

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Wörtlich genommen heißt das, dass eine Wanderung in der Sächsische Schweiz selbst für Einheimische mit einem Bußgeld enden könnte. Denn wer weiß schon genau, wo die Gemeindegrenzen verlaufen? Im tiefen Wald und auf freiem Feld stehen schließlich keine Ortsausgangsschilder, und nach mehreren Gebietsreformen ist die eigene Kommune auch nicht mehr am Dorfrand zu Ende. 

Wo also dürfen die Einwohner der Sächsischen Schweiz gemäß der Ansage aus dem Landratsamt noch wandern gehen? Diese Frage ruft nach einem Kartographen, dachte sich Rolf Böhm. Der Kartograph mit eigenem Büro in Bad Schandau ist weit über die Grenzen des Elbsandsteingebirges hinaus für seine handgezeichneten und detailverliebten Wanderkarten bekannt. 

Karte mit Gemeindegrenzen der Sächsischen Schweiz

Gemeinden in der Sächsischen Schweiz mit ihren Grenzen: Das Kirnitzschtal gehört teils zu Bad Schandau, teils zu Sebnitz.
Gemeinden in der Sächsischen Schweiz mit ihren Grenzen: Das Kirnitzschtal gehört teils zu Bad Schandau, teils zu Sebnitz. © Rolf Böhm

Also hat Rolf Böhm eine Übersichtskarte mit den Gemeindegrenzen der Sächsischen Schweiz gestaltet, die er der Sächsischen Zeitung und sächsische.de zur Verfügung stellt. Die Basis bildet seine "Große Karte der Sächsischen Schweiz". Die einzelnen Kommunen sind in der Übersicht farblich voneinander abgesetzt, ihre Grenzen mit schwarzen Linien markiert. Hier gibt es die Karte in voller Auflösung. 

Es wird deutlich: In einigen Gemeinden ist der Radius besonders eng. Die Rathmannsdorfer etwa dürften - folgt man streng den Gemeindegrenzen - nicht einmal nach Bad Schandau hinüber spazieren, die Rathener nicht hinauf zur Bastei, denn die gehört zu Lohmen. Großen Auslauf genießen hingegen die Einwohner der Dörfer, die zu Sebnitz oder Hohnstein gehören. 

Kirnitzschtal ist zweigeteilt

Interessant wird es im Kirnitzschtal. Hier verläuft die Gemarkungsgrenze oft direkt in der Kirnitzsch, wechselt aber auch schon mal die Straßenseite. Vereinfacht gesagt gehört die nördliche Seite des Tales (also flussabwärts gesehen rechts der Kirnitzsch) zu Sebnitz, die Südseite (flussabwärts links) zu Bad Schandau. Zumindest bis zur Neumannmühle. 

Ab der Neumannmühle folgt der Grenzverlauf dem Großen Zschand nach Süden. Alles,  was östlich des Großen Zschands und der durch das Tal verlaufenden Zeughausstraße liegt, befindet sich auf Sebnitzer Gebiet. Damit dürften die Schandauer während der Ausgangsbeschränkungen als einzige den Nationalparkteil zwischen Elbe, Kirnitzsch und Großem Zschand durchwandern, für die Sebnitzer bliebe immerhin der hintere Teil zwischen dem Zeughaus und der Oberen Schleuse in Hinterhermsdorf. 

Umkreiskarten für jede Gemeinde

Und der Rest? Das sächsische Sozialministerium hatte der Auffassung des Pirnaer Landrats, dass jeder sich nur innerhalb der Gemeindegrenzen bewegen dürfe, widersprochen und den Radius deutlich größer ausgelegt. Das Innenministerium wiederum erklärte, dass alles, was fußläufig von zu Hause aus erreichbar sei, in Ordnung gehe. 

Kartograph Rolf Böhm ist der Meinung, dass man es mit dem Wohnort nicht zu genau nehmen sollte. Denn: "Rausgehen, wandern. Das stärkt das Immunsystem, dient der Psyche und der Erholung", schreibt er auf seiner Website. Böhm hat deshalb für jede Gemeinde in der Sächsischen Schweiz noch eine Karte mit einem Umkreis von fünf Kilometern angefertigt. Das sei geografisch ein gutes Maß. Diese Karten sind hier zu finden. Die Wehlener könnten somit bis Königstein wandern, die Sebnitzer bis zum Kuhstall. 

Für jeden Ausflug gilt natürlich die sächsische Corona-Schutz-Verordnung: Bewegung an der frischen Luft ausschließlich allein oder in Begleitung des Lebenspartners oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts.  

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Damit der nötige Abstand gewahrt bleibt, hat Böhm auch für die Bewohner der Sächsischen Schweiz einen Tipp: Nicht das Wanderziel wählen, das einem als Erstes  einfällt, sondern das zweite, dritte, vierte. Tümpelgrund statt Bastei, Lehnsteig statt Schrammsteine. Die Nebenwege sind ebenso attraktiv, aber weniger begangen. Das Ansteckungsrisiko ist damit geringer. 

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