merken
PLUS

Riesa

Rollator-Teststrecke in Riesa eröffnet

Die Ideen dazu kamen nicht von Senioren, sondern von Jugendlichen.

Hanna Wolf testet den Rollator-Parcours am Sanitätshaus Hetke & Sengewitz, den sie mit entworfen hat. Geschäftsführer Andreas Hetke (links) ist froh über die Einfälle der Jugendlichen.
Hanna Wolf testet den Rollator-Parcours am Sanitätshaus Hetke & Sengewitz, den sie mit entworfen hat. Geschäftsführer Andreas Hetke (links) ist froh über die Einfälle der Jugendlichen. © Foto: Brühl

Riesa. Der Hockenheimring wurde einst als Teststrecke für Mercedes Benz gebaut. Auf dem Lausitzring können Feuerwehrleute ihre Fahrkünste unter Beweis stellen. Und auf dem Sachsenring testen sich Busfahrer. Seit dieser Woche gibt es eine neue Teststrecke. Und das in Riesa. Zwar kann sie mit den anderen Drei, was Größe und Geschwindigkeit betrifft, bei Weitem nicht mithalten. Bei der Frage, ob sie Sinn macht, allerdings schon. Denn die Anzahl der Leute, für die die Riesaer Teststrecke bestimmt ist, dürfte mit Sicherheit die Summe aus Autotestern, Löschfahrzeug-Maschinisten und Busfahrern überschreiten. Die Rede ist von älteren Menschen, die sich einen Rollator zulegen möchten. Und davon gibt es nicht nur in Riesa eine Menge.

Das haben Anne und Andreas Hetke erkannt. Im vergangenen Jahr haben sie im Gewerbegebiet an der Glogauer Straße das Sanitätshaus Hetke & Sengewitz eröffnet. Das alte Domizil des Familienunternehmens befand sich im Stadtteil Merzdorf. "Dort brauchten wir keine Teststrecke für Rollatoren", erzählt Andreas Hetke und fügt scherzend hinzu: "Man brauchte nur vor die Ladentür zu gehen und war mitten drin im Rollator-Testgebiet." 

Anzeige
Sparen wie die Schwaben in Sachsen 

Weil es zu Hause doch am gemütlichsten ist! Jetzt zu günstigem Gas und Strom mit Vertrauensgarantie der Stadtwerke Döbeln wechseln und Prämie sichern!

Gehwege aus schiefen DDR-Betonplatten, hohe Straßenborde, Alleebäume, deren Wurzeln das Pflaster aufbrechen, und natürlich der Merzdorfer Park mit seinen Unwegsamkeiten. Alles war vorhanden, um Kunden den guten Rat geben zu können, sich nicht mit einem 08/15-Kassenmodell zufrieden zu geben, sondern lieber für einen alltagstauglichen Rollator ein paar Euro mehr auszugeben. 

Am neuen Standort in der Nähe des Riesa-Parks ist dagegen alles neu und eben. Eigentlich ideale Bedingungen für Rollatoren. "Und auch im Laden selbst kann man nur begrenzt anschaulich machen, was zum Beispiel der Vorteil von einer zusätzlichen Fußraste ist, mit der man das Gestell leicht ankippen kann, um über Bordsteine zu gelangen", sagt Andreas Hetke. Deshalb gab es recht schnell die Überlegung, eine Teststrecke vorm Haupteingang anzulegen. 

Kunstlehrerin Christina Seidel erläutert den sehr detailreichen Siegerentwurf ihrer Schüler aus dem Kunst-Leistungskurs des Städtischen Gymnasiums. 
Kunstlehrerin Christina Seidel erläutert den sehr detailreichen Siegerentwurf ihrer Schüler aus dem Kunst-Leistungskurs des Städtischen Gymnasiums.  © Foto: Brühl

Diese hätten die Mitarbeiter des Sanitätshauses aus ihren langjährigen Erfahrungen sicherlich auch allein zusammenstellen können. Aber Anne Hetke kam auf die Idee, einen Schüler-Wettbewerb auszurufen. "Wir wollten auf der einen Seite erfahren, wie sie sich eine Rollator-Teststrecke vorstellen, und zum anderen den Blick der Jugendlichen für die Situation der Senioren weiten", erzählt das Ehepaar.

Vier Schulen aus Riesa und Oschatz nahmen an diesem Wettbewerb teil. Fünf Entwürfe wurden eingereicht. "Wir sind überwältig von den vielen Ideen und der Liebe zum Detail", sagt Andreas Hetke. "Deshalb ist es uns schwergefallen, einen Sieger zu bestimmen." Am Ende gab es zwei erste Plätze. Es gewannen die Entwürfe des Kunst-Leistungskurses der heutigen Klasse 12 des Städtischen Gymnasiums und der ehemaligen Klasse 8a der Oberschule Am Merzdorfer Park.

Andres Hetke im Gespräch mit den Gymnasiasten, deren Ideen ebenfalls in die erste Riesaer Rollator-Teststrecke einflossen.
Andres Hetke im Gespräch mit den Gymnasiasten, deren Ideen ebenfalls in die erste Riesaer Rollator-Teststrecke einflossen. © Foto: Brühl

Während die 21 Gymnasiasten um Kunstlehrerin Christina Seidel in ihrem Entwurf die besten Ideen aus vorher neun Modellen zusammengetragen haben, war der zweite Siegerentwurf eine Teamarbeit der Merzdorfer Oberschülerinnen Hanna Wolf und Luise Cronjäger. In beiden Modellen gibt es mehr als zehn unterschiedliche Flächen, die den Rollator-Besitzern im Alltag begegnen können. Das sind Kopfsteinpflaster, Kiesel, Sand, Asphalt, Wiesen und Geröll. Aber auch Bordsteine, Treppen, Holzbrücken und Gartentore haben sich die Jugendlichen als Hindernisse überlegt.

"Wir konnten nicht alles 1:1 umsetzen", sagt der 42-jährige Geschäftsführer. Herausgekommen ist ein etwa fünf mal fünf großer Parcours, in denen Idee aus beiden Siegerentwürfen stecken. Ein Gartentor, das mit Rollator geöffnet und wieder geschlossen werden soll, so wie es sich Hanna und Luise erdachten, gibt es zwar noch nicht, könnte aber bei einer möglichen Erweiterung der Teststrecke realisiert werden. Dafür wurde aber in der Mitte des Parcours ein Kirschbaum gepflanzt, so wie ihn sich die Riesaer Gymnasiasten ersannen. "Wir sind guter Dinge, dass diese Rollator-Teststrecke bei unseren Kunden gut ankommt", sagt Sanitätshaus-Inhaberin Anne Hetke. Für beide Siegerentwürfe gab es jeweils 200 Euro für die Klassenkasse.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.