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Rom nehmen wir auch

Bildung. Schüler aus Sachsen beteiligen sich am weltweit größten Schulwettbewerb.

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Von Carola Lauterbach

Torsten Schlegel hat seine Schüler instruiert. Heute müssen sie noch mal richtig ran. Schlimmstenfalls bis zum Anpfiff des Deutschland–Schweden-Spiels. Es gilt schließlich, eine DVD fertigzustellen, die pünktlich am 30. Juni in Paris vorliegen muss – bei der Unesco.

22 Achtklässler der Friedrich-Schiller-Mittelschule in Neustadt basteln nicht nur mit ihrem Lehrer für Deutsch und Englisch an einem Film, sondern mit etwa ebenso vielen Schülern einer japanischen Kleinstadt. Seit einem knappen halben Jahr verbindet die Teenager quer über den Erdball ihr gemeinsamer Beitrag im Rahmen des weltweit größten Schulwettbewerbes „Mondialogo“. Via Internet kommunizieren sie miteinander und haben sich schnell darauf verständigt, der internationalen Jury einen Film zu präsentieren, der die Welt als ein Haus zeigt.

Die Welt ist ein Haus

Hier wie dort machten sich die 14- bis 16-Jährigen daran, typisch Deutsches und typisch Japanisches im Alltag einzufangen und in kleine Filmsequenzen umzusetzen. Ein richtig buntes Haus in Sebnitz bildet die Kulisse, in dessen Fenster die Filmchen nun eingeblendet werden: Sehenswürdigkeiten von hier und da oder auch Kulinarisches. Die Neustädter haben eigens dafür in der Schulküche Kartoffelpuffer gebacken.

Torsten Schlegel ist stolz auf seine Truppe. Die Mehrzahl seiner Achten sei an dem Projekt gewachsen, selbstständiger geworden. Da die Klassen in Englisch kommunizieren, hätten die meisten Schüler dabei einen über den Lehrplan hinausgehenden Wortschatz erworben. „Irgendwie entwickelt sich daraus ein höherer Grad an Motivation im Erlernen der Sprache“, freut sich der Englischlehrer Schlegel.

35 000 Schüler aus 138 Ländern haben sich für den zweiten „Mondialogo School Contest“ registrieren lassen. Die Idee der Initiatoren – der Autokonzern DaimlerChrysler und die Unesco – ist es, junge Leute über Kontinente hinweg an einem Projekt arbeiten zu lassen. Sie sollen die Kultur des anderen kennen lernen, sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede austauschen. Für die Themen und deren Umsetzung sind – im wahrsten Sinne des Wortes – keine Grenzen gesetzt.

Unter den 65 teilnehmenden deutschen Schulen sind außer den Neustädtern noch weitere Sachsen. Theoretisch. Richtig heiß waren Schüler der Freien Werkschule und des Franziskaneum-Gymnasiums in Meißen, aber auch des Dresdner Vitzthum-Gymnasiums. Leider ließ sich bei ihnen kein Kontakt zu der ihnen von der Mondialogo-Organisation zugedachten Partnerschule herstellen, oder er brach nach dem ersten Vorstellen wieder ab.

Die Kunst der Improvisation

Richtig zur Sache – wenngleich auch nicht ohne Irritationen – ging es indes am Landesgymnasium St. Afra in Meißen. Mädchen und Jungen dieser Schule hatten es beim ersten Mondialogo-Wettbewerb 2004 bis ins Finale der besten 50 von 25 000 Teilnehmern geschafft. Das verpflichtet. Gleich zwei Teams der Klassenstufe 10 beteiligen sich in diesem Jahr. Ihre Partner kommen aus Kuwait und Südafrika. Entstanden sind Skulpturen, CDs und Power-Point-Präsentationen, bei denen die Musik der Länder das jeweils Verbindende ist. Sie hätten sich gewünscht, sagen Maxi Kraft und Anna Fleischer, mit den Schülern selbst viel direkter in Kontakt zu treten, nicht so über die Lehrer. Die Idee des Wettbewerbs aber finden sie gut. „Das schafft irgendwie mehr Verständnis füreinander, baut Vorurteile ab“, sagt Maxi. Und wenn man gefordert ist, Konzepte über den Haufen zu werfen und schnell zu improvisieren, lernt man doch auch – oder?, fragt Anna lachend.

Die Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs mit Prämierung der besten 50 sollte ursprünglich in Mexiko stattfinden. Sie wird nun aber im November in Rom steigen. „Kein Problem“, sagt Lehrer Schlegel, „Rom nehmen wir auch.“