SZ +
Merken

Romantisch bis feurig

Über den Zuschauerköpfen schweben weiße Zauberwesen, kleine feuerrote Figuren aus feinem Draht hangeln an den Sitzen. Eine schwarze Puppe mit Hörnern sitzt auf einem Stuhl, gegenüber lacht sich sehr lebendig ein junges Pärchen an.

Teilen
Folgen

Von Lilly Vostry

Über den Zuschauerköpfen schweben weiße Zauberwesen, kleine feuerrote Figuren aus feinem Draht hangeln an den Sitzen. Eine schwarze Puppe mit Hörnern sitzt auf einem Stuhl, gegenüber lacht sich sehr lebendig ein junges Pärchen an. Die Glocke läutet und ab geht die Fahrt ins Phantasieland, begleitet von Leier- und Tamburinklängen. Mit einer Holzstange stakt und schiebt ein Komödiant das Theaterkarussell ab und Arlecchino turnt und treibt in luftiger Höhe übermütig seine Späße. Das Theaterkarussell des Dr. Eisenbarth (Ungarn/Schweiz) gehörte zu den rege besuchten Attraktionen beim diesjährigen VIII. Internationalen Wandertheater-Festival innerhalb des Radebeuler Herbst- und Weinfestes.

Das bunte Volk der Clowns, Artisten, Schauspieler und Musikanten bot reichlich Kultur rund um den Dorfanger von Altkötzschenbroda. 16 Gruppen aus neun Ländern spielten zweieinhalb Tage lang auf Hofbühnen und in den lichterglänzenden Schaubuden entlang der Elbwiesen vor zahlreichem Publikum. Die Künstler bezauberten und wärmten die Herzen.

Dafür nahm Festivalorganisator Helmut Raeder die schmerzenden Füße vom vielen Umherlaufen gern hin. „Jeden Tag Künstler der erlesensten Art zum Preis einer Kinokarte gibt es nicht so oft, halten Sie uns weiter die Treue“, sagte er am Abschlussabend im Hof-Theater. Dass es für das Wandertheater-Festival auch weiterhin Mittel gibt, lassen der von Radebeuls Stadtoberhaupt und dem Kulturamtsleiter bekundete demonstrativ starke Beifall sowie der hohe Publikumszuspruch hoffen. Die meisten Zuschauerstimmen und damit den Wanderpokal erhielt in diesem Jahr die „Theaterfirma Erfurt“ für ihr Stück „Parzival“. In Gestalt von König Artus und seiner Gemahlin Ginover brachte das Mimenpaar den 900 Jahre alten Stoff unverstaubt auf die Bühne.

Nicht zu übersehen und überhören waren im Festtrubel die üppig bunt kostümierten Stelzenläufer und Musiker vom Maskentheater „Teatro Due Mondi“ aus Italien. Und mit umwerfender, ganz unmanierlicher Mimik und Parodien über Größenwahn begeisterte der französische Comedy-König Fabien Kachev seine Zuschauer.

Grandios war das Feuerwerks-theater am Sonnabend zu später Stunde mit den „Pyromantikern“ auf den rappelvollen Elbwiesen. Originell und witzig in Szene gesetzt als „Gartenfeuerwerk“ eines schrulligen mecklenburgischen Ehepaars. Zwischen ihnen brodelte es, sie wetterte, trieb und feuerte ihn zu immer neuen Überraschungen an. Vor der Installation aus alten Fahrrädern, Gartengeräten, Eimern und Milchkannen drehten sich Feuerräder, schossen Wasserfontänen, Feuerregen und bunte Leuchtraketen empor. Und hinterher gab es eine große Party mit Pellkartoffeln, Kräuterquark, Radieschen, Musik und Plaudereien über die pyromanischen Wunderwerke. Beim abschließenden feurigen „Finale Grandioso“ am Sonntagabend feierten und tanzten Künstler und Zuschauer gemeinsam zu zündender Zigeunermusik.