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Romantische Melodien auf sportlichem Parkett

Die TU-Kammerphilharmonie überzeugt in der Tharandter Turnhalle. Und Daniel Noll begeistert an der Harfe.

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Von Thomas Morgenroth

Leuchtstofflampen verbreiten alles andere als ein anheimelndes Licht, sie sollen den Raum erhellen, nicht mehr und nicht weniger, und das tun sie. Feder- und Volleyballer sind damit zufrieden, wenn sie am Donnerstagabend ab sieben in der Tharandter Turnhalle trainieren. Das Gerenne und Gespringe der Sportler auf dem Parkett waren vorgestern allerdings dort nicht zu hören. Den Saal erfüllte dafür bis in den letzten Winkel wunderbare klassische Musik. Darunter waren perlende Harfenklänge, so warm, dass sie das Publikum sogar die kalte Beleuchtung vergessen ließen.

Der erst neunzehnjährige Daniel Noll war der unbestrittene Star des Semesterabschlusskonzertes der TU-Kammerphilharmonie. Es ist schon nicht sehr häufig, dass ein Mann die Harfe spielt, selten ist zudem, dass dieses Instrument solistisch zu hören ist. Noll, der am Bodensee geboren wurde und über Bonn vor drei Jahren nach Dresden kam, ist ein bereits mehrfach preisgekrönter Meister der 47 Saiten. Schon mit sechs Jahren hatte sich Noll für die Harfe entschieden, begann mit acht Unterricht zu nehmen, lernte dann am Sächsischen Landesgymnasium für Musik und studiert seit vergangenem September an der Musikhochschule bei Nora Koch.

Sein Talent und sein Können bewies der sympathische Musiker in Tharandt mit ausdrucksstarkem Spiel und virtuosen Soli in Camille Saint-Saëns’ Konzertstück für Harfe und Orchester „Morceau de Concert“. Diese kleine romantische Sinfonie aus dem Jahre 1918, die dem Semesterabschlusskonzert seinen Namen gab, besteht aus vier kurzen Sätzen ohne Pausen, mit Melodien, die sofort ins Ohr gehen.

Das trifft im Grunde auch auf die anderen Werke zu, die Monica Buckland, die künstlerische Leiterin und Dirigentin des Orchesters, ausgewählt hatte. Es war ein gänzlich französisches Programm mit vier Kompositionen aus dem ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Die TU-Kammerphilharmonie, ein Amateurorchester, das fast ausnahmslos aus Studenten besteht, die nicht Musik studieren, startete mit der „Petite Suite“ von Claude Debussy in den Abend. Ein frühes Werk des Komponisten, der diese Suite 1889 im Alter von 27 Jahren für Klavier schrieb. Nach Saint-Saëns und Daniel Nolls Solo folgte nach der Pause Maurice Ravels „Le tombeau de Couperin“, entstanden während des Ersten Weltkrieges. Darauf nimmt Ravel auch Bezug, obwohl er die Suite zu Ehren von François Couperin geschrieben hat, des bedeutendsten Komponisten der französischen Barockzeit. Er widmete jedoch jeden der sechs Sätze einem Freund, den er im Krieg verloren hat. Das unbändige südamerikanische Leben indes stand Darius Milhaud Pate, als er 1920 seine Ballettmusik „Le boef sur le toit“ („Der Ochse auf dem Dach“) schrieb. Die von einem Aufenthalt in Rio de Janeiro von brasilianischen Melodien und Rhythmen beeinflusste Fantasie bildete den furiosen Abschluss des Konzertes. Einmal mehr erwies sich die 45-köpfige TU-Kammerphilharmonie auch schwierigeren musikalischen Herausforderungen gewachsen, die auch widrige Bedingungen mit Bravour meistert.

Das Semesterabschlusskonzert gibt es diesen Sonntag noch einmal, 19 Uhr, in der Lukaskirche Dresden.