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Rosenkrieg ums Haus

Wegen Beleidigung sitzt ein Nossener vor dem Richter. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes.

Von Jürgen Müller

Dass Ehen in die Brüche gehen, kommt bekanntlich häufig vor. Und dass es in vielen Fällen einen erbitterten Rosenkrieg gibt, ebenso. So ist das auch hier. Ungewöhnlich ist jedoch, dass dieser Streit nicht vor dem Scheidungsrichter, sondern vorm Strafrichter ausgetragen werden soll.

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Wegen Beleidigung soll sich ein 40-Jähriger Mann verantworten. Angezeigt hat ihn seine Ex. Übrigens nicht zum ersten Mal. Auch wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung brachte sie ihn schon vor den Kadi. Die Verfahren wurde eingestellt. Nun also Beleidigung, die, wenn es eine war, eher am unteren Rand angesiedelt sein dürfte. Der Mann soll seine frühere Ehefrau und deren Bekannte als „Assis“ bezeichnet haben. Er streitet das zunächst ab. „Ich habe niemanden beleidigt.“ Und jetzt wird schmutzige Wäsche gewaschen. Seine Frau habe ihm mit dem gemeinsamen Haus erpresst. Das wurde nach der Scheidung zwangsversteigert. Erworben hatte es der Bruder des Angeklagten. „Obwohl noch gar keine Hausratsteilung vereinbart war, hat meine Ex angefangen, das ganze Haus auszuräumen“, sagt er. Alles, was sie nicht brauchte, habe sie auf einen großen Haufen geworfen. Die Schrankwand, die mal 10 000 Mark gekostet habe, sei dort ebenso gelandet wie Teppiche und weitere Gegenstände. „Ich habe das damals alles bezahlt und das Haus mit eigenen Händen selbst aufgebaut. Während sie zu Hause war, habe ich zehn Jahre im Ausland gearbeitet. Jetzt will sie, dass ich nichts mehr kriege“, sagt er.

Schrankwand auf dem Müll

1994 hatte das Paar geheiratet, 2010 dann die Trennung. „Ich war damals zu jung und zu dumm, habe nicht auf meine Eltern gehört. Das war ein großer Fehler“, sagt der Mann. Nicht nur die Möbel habe die Ex aus dem Haus rausgeschmissen, sondern mit ihren Helfern auch Türen zerschlagen, Steckdosen und Lichtschalter ausgebaut. Er habe nur Fotos gemacht von den Autos derer, die seiner Ex geholfen hätten. Und dabei seien die Worte gefallen, die er jetzt einräumt. Dafür hat der Mann auch eine eigentümliche Begründung. „Was die getan haben, war außerhalb der Norm, also asozial“, verteidigt er sich. Und es kommt noch besser: „Assi ist ja auch die Abkürzung für Assistent. Diese Leute haben meiner Ex assistiert.“

Damit hat er den Tatvorwurf zugegeben. Dennoch möchte die Staatsanwältin, dass die Ex-Frau des Angeklagten als Zeugin vernommen wird. Die hat zwar ein Aussageverweigerungsrecht, will aber trotzdem reden, „wenn es der Wahrheitsfindung dient.“ Und sie hat eine ganz anderer Version. Nicht sie und ihre Helfer hätten das Haus ausgeräumt und alle Sachen auf einen Haufen geworfen, sondern der Bruder des Angeklagten. „Als wir ankamen, war alles schon verwüstet“, behauptet sie. Ihr Ex-Mann und ihr früherer Schwiegervater hätten alle Dinge bekommen, die sie haben wollten. Auch ihr früherer Mann habe Gegenstände aus dem Haus geräumt. Die Zeit habe gedrängt. Erst hieß es, sie müssten bis Dezember ausziehen, dann plötzlich bis Oktober. „Binnen zwei Tagen wollte der Bruder meines Ex-Mannes das Haus besenrein übergeben haben.

Aufgeladene Stimmung

Gericht und Staatsanwaltschaft haben genug gehört. Es ist klar, dass ein Strafgericht hier der falsche Platz ist. „Wir können Ihren Zivilstreit hier nicht lösen“, sagt der Richter dem Angeklagten und stellt das Verfahren ohne Auflagen wegen geringer Schuld ein. Es seien zwar die Worte wie in der Anklage gefallen, doch man müsse die Emotionen und die aufgeladene Stimmung berücksichtigen. „Diese Sache kann und muss nicht von einem Gericht geklärt werden“, so der Richter. Die Verfahrenskosten, auch die der Verteidigung, trägt die Staatskasse.