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Rosenschänke serviert an der Tür

Noch bleiben die Gaststätten wegen Corona geschlossen. Doch die Wirte wollen nicht länger warten. In Gombsen wird schon wieder gekocht.

Familie Walther hält die Rosenschänke in Kreischa am Laufen und verkauft nun Gerichte zum Mitnehmen.
Familie Walther hält die Rosenschänke in Kreischa am Laufen und verkauft nun Gerichte zum Mitnehmen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Schön sei das Osterwochenende gewesen und Mut habe es gemacht, schwärmt Evelyn Walther. Die Küchenchefin der Rosenschänke im Kreischaer Ortsteil Gombsen stand an den Feiertagen endlich wieder am Herd. "Das hat richtig Spaß gemacht. Ich vermisse meinen  normalen Arbeitsalltag schon. Gastronomie betreiben wir alle hier mit Leidenschaft." Deshalb saß der Schock tief, als die Rosenschänke Mitte März wie alle Lokale schließen musste.

Inzwischen haben die Wirtsleute den Tiefschlag  überwunden. Junior-Chefin Stephanie Connert-Walther führt schon wieder täglich lange Telefonate mit Gästen, die ihre Hochzeitsfeier in dem Restaurant feiern wollen. Sommelier Christian Connerth pflegt den Weinkeller. Senior-Chef Olaf Walther kümmert sich um handwerkliche Tätigkeiten im Haus. Und Evelyn Walther stellt sich in die Küche.

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Um endlich wieder tätig zu werden, bot sie an den Feiertagen erstmals Essen außer Haus an. Die Rosenschänke warb damit im Internet und verteilte Flyer im Ort. Mehr als 150 Portionen - Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts - wurden bestellt. Die Übergabe erfolgte an der Tür des Restaurants. Einige Essen wurden per Kühlpaket sogar in den Nürnberger Raum verschickt. "Dieser Zuspruch und das Lob für unsere Mühe tat uns gut", schildert Evelyn Walther. Für dieses Wochenende hat sie schon den nächsten Schmaus zusammengestellt, darunter passend zur Saison auch ein Spargelgericht. Bis sie wieder offiziell öffnen können, soll es an der Rosenschänke immer von freitags bis sonntags Essen außer Haus geben. 

Das hilft zumindest etwas über den wirtschaftlichen Schaden hinweg, den die Beschränkungen aufgrund der Corona-Krise mit zu bringen. Einen genauen Überblick über die Einbußen hat der Familienbetrieb noch nicht. "Sagen wir es mal so: Eigentlich waren wir seit März bis in den Oktober hinein jedes Wochenende ausgebucht", schildert Christian Connerth. Diese Einnahmen seien nun weg. Viele Hochzeiten werden zwar verschoben, aber damit verlagert sich das Geschäft nur auf andere Tage.

Das hat zur Folge, dass die Connerth-Walthers nicht wie geplant investieren können. Eigentlich sollte demnächst die Fassade der Rosenschänke erneuert werden. Das ist nun erst einmal aufgeschoben, zumal Zuschüsse der öffentlichen Hand zunächst ausgesetzt sind. "Schade. Wir feiern im September unser 30-jähriges Firmenjubiläum. So hatte ich mir das natürlich nicht vorgestellt", kommentiert Evelyn Walther.

Die Rosenschänke hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark gewandelt - optisch und kulinarisch. Vom Dorfgasthof, in dem Hausmannskost serviert wurde, ist nicht mehr viel übrig. Die Gasträume und Hotelzimmer wurden im Landhausstil umgestaltet, die Dekoration eleganter. Der Biergarten ist inzwischen ein Rosengarten mit Natursteinmauern und duftenden Blumen- und Kräuterbeeten.

 Auch verfeinerten die Rosenschänke-Wirte ihre Kochkunst. Schnitzel vom Schwein mit Pommes sucht man hier vergebens auf der Karte. Die Gastgeber legen Wert auf nachhaltige Produkte von hoher Qualität. Manches, was in der Rosenschänke auf den Teller kommt, wächst in der unmittelbaren Umgebung.

Einige Zutaten für das Rezept, welches Evelyn Walther empfiehlt, kann man quasi auf der Wiese am Dorfrand sammeln: Carpaccio mit Frühlingskräutern. Man schneidet dazu rohes Rindfleisch in hauchdünne Scheiben und mariniert diese mit Bergamotteöl, Balsamicoessig und einer milden Pfeffersorte aus der Mühle. Darüber streut man einen Wildkräutersalat, je nachdem, was man in der Natur finden kann. Derzeit wären das beispielsweise die Blätter von Schafgarbe, Bärlauch und Löwenzahn, Gänseblümchen und Hornveilchen. Über die Kräuter kommt gehobelter Parmesan. Dazu reicht man Baguette. Evelyn Walther: "Das ist ein wunderbar leichtes Gericht, welches von frischen Kräutern lebt." 

Zutaten: 100 Gramm Rinderfilet oder Roastbeef pro Person, zart geschnitten; Wildkräuter wie Gänseblümchen, Hornveilchen, Bärlauch, Schafgarbe, Löwenzahn (alternativ auch Rucola), Bergamotteöl, Balsamicoessig, Pfeffer aus der Mühle, gehobelter Parmesan    

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