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Rossendorf: Der Castor rollt nach dem 22. Mai

Atommüll. Der Transport der Brennstäbe aus dem 1991 abgeschaltetenRossendorfer Forschungs-Reaktor nach Ahaus steht offenbar kurz bevor.

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Von Jens Fritzsche

Rossendorf. Bis zum 22. Mai bleibt es wohl noch ruhig in Rossendorf. An diesem Tag wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Und bis dahin läuft eine Art „Stillhalte-Abkommen“ zwischen den Regierungen Sachsens und Nordrhein-Westfalens, was geplanten Transport von Atommüll aus Rossendorf ins nordrhein-westfälische Zwischenlager Ahaus betrifft. „Es gibt die Festlegung, die Transporte nicht vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen zu starten“, bestätigt Andreas Schumann, Sprecher des sächsischen Innenministeriums. Wann aber tatsächlich die 18 Castoren mit den 951 ausrangierten Rossendorfer Brennstäben des 1991 abgeschalteten Forschungs-Reaktors auf die Reise gehen werden, das verrät der Sprecher nicht. Natürlich nicht. „Weil der Termin auch erst nach der Wahl konkret besprochen wird“, sagt er. Aber auch dann gilt die höchste Geheimhaltungs-Stufe. Denn die Gegner des geplanten Transports haben Widerstand angekündigt.

Warten auf das Endlager

Warum, so fragen die Kritiker zum Beispiel, soll der Rossendorfer Atommüll in ein Zwischenlager gebracht werden, „das von der Bauweise der Halle ähnelt, in der die Castoren derzeit in Rossendorf gelagert werden?“, so Uta Knieschewski vom Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden. Also könnte der Atommüll ja auch so lange in Rossendorf bleiben, bis in Deutschland irgendwann ein echtes Endlager gefunden worden ist, finden die Transport-Gegner.

Kritik am Lkw-Transport

Kritik erntet aber auch die Idee, die Castoren per Lkw über die Autobahn nach Ahaus zu bringen. „Was, wenn auf der Autobahn ein Unfall passiert?“ möchte Uta Knieschewski sich ein solches Szenarium lieber nicht näher ausmalen. Die Castoren selbst bieten die eigentliche Sicherheit, heißt es als Entgegnung dazu immer wieder aus Sachsens Umweltministerium. Denn die Castor-Behälter, in denen die Brennstäbe lagern, sind feuerfest und können selbst hohen Druck aushalten. Und auch im Sächsischen Innenministerium geht man fest davon aus, „dass dieser Transportweg sicher ist“, unterstreicht Sprecher Andreas Schumann. Zu Einzelheiten lässt er sich dabei nicht in die Karten schauen. Ob zum Beispiel die Autobahnen für den Transport abschnittweise gesperrt werden, dazu will er sich nicht äußern. „Denn auch über die Route des Transports wird erst noch mit den Vertretern aus Nordrhein-Westfalen zu reden sein“, erklärt er.

Sonntag wieder Protest

Klar ist also derzeit nur, dass die Transporte wohl nach dem 22. Mai nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen werden. Und klar ist auch, dass die Castor-Transport-Gegner im Vorfeld mächtig mobil machen werden. Am kommenden Sonntag zum Beispiel wird ab 15 Uhr wieder zum Protest-Spaziergang vor dem Eingangstor des Forschungszentrums eingeladen. Und am 27. Mai ist in Dresden eine große Demonstration geplant. „Aber natürlich werden wir den Transport, wenn er dann tatsächlich rollt, auch entsprechend begleiten“, unterstreicht Uta Knieschewski.