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Roßwein bremst Raser aus

Auf der Nossener Straße sollen in Zukunft zwei sogenannte Schlafende Polizisten den Verkehr beruhigen – ein neuer Versuch an dieser Stelle.

Berliner Kissen auf der Nossener Straße in Roßwein: Mit diesem Kunststoff-Hindernis sollen Kraftfahrer gezwungen werden, langsamer in Richtung Innenstadt zu fahren.
Berliner Kissen auf der Nossener Straße in Roßwein: Mit diesem Kunststoff-Hindernis sollen Kraftfahrer gezwungen werden, langsamer in Richtung Innenstadt zu fahren. © Dietmar Thomas

Roßwein. Nur über Umwege ging es Ende der Woche von der Äußeren Wehrstraße aus ins Zentrum Roßweins. Grund dafür war eine Vollsperrung der Nossener Straße, wo gleich mehrere Baustellen wie das Verschließen von Fugen und Übergängen abgearbeitet worden sind. Unter anderem haben die Mitarbeiter der beauftragten Etzdorfer Straßenbaufirma Walter auch gleich noch zwei Berliner Kissen auf die Fahrbahn aufgebracht.

Was soll das denn sein? Das wird sich mancher fragen. Bauamtsleiter Dirk Mehler muss schmunzeln, ehe er zu einer Antwort ansetzt: „Das sind Fahrbahnschwellen, die auf einen Teil der Fahrspur installiert werden.“ Die von der Kommune ausgewählten Berliner Kissen sind Mehler zufolge aus Plastik. Beide sind für den Asphaltbereich der Straße vorgesehen, eines davon kurz nach dem Abzweig zum Burggraben. „Auf dem sich anschließenden Pflaster fahren die Kraftfahrer erfahrungsgemäß ohnehin langsamer“, erklärt der Amtsleiter die Standortwahl.

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An dieser Stelle haben sich übrigens vor Jahren schon einmal solche Schwellen befunden, die im Volksmund auch gern als Schlafende Polizisten bezeichnet werden. Von der ersten Ausführung aber habe sich die Kommune wieder verabschiedet, weil sich die von der Art her als ungeeignet erwiesen hat. „Die Kraftfahrer sind dort einfach mit Schwung drübergeflogen“, veranschaulicht Dirk Mehler. Das soll bei den Berliner Kissen nicht passieren. Idealerweise bremsen Kraftfahrer davor ab und fahren mit gedrosselter Geschwindigkeit weiter.

Nach Angaben des Bauamtsleiters sei es ein Wunsch der Anwohner gewesen, dass die Kommune wieder etwas zur Verkehrsberuhigung in dieser Straße unternimmt. Im Haushalt werden Kauf und Einbau der Berliner Kissen mit knapp 3.000 Euro zu Buche schlagen, schätzt Dirk Mehler.

Noch mehr Schwellen geplant

Diese Art, Kraftfahrer zu zwingen, ihre Geschwindigkeit zu drosseln, wird gegenwärtig offenbar von vielen Roßweiner favorisiert. Im Ortsteil Ullrichsberg ist Ende vergangenen Jahres eine zweite Fahrbahnschwelle auf die Straße aufgebracht worden. Weitere sollen jetzt folgen. Auch die Anwohner vom Hohen Rain wünschen sich derartige Hilfsmittel, um Raser in dem Wohngebiet zu stoppen.

Doch das funktioniert nicht überall. In der Ortschaft Gleisberg sind Aufpflasterungen auf einer Anwohnerstraße wieder rückgebaut, die Fahrbahn sozusagen glatt gezogen worden. Der Wunsch danach hatte mehrere Einwohner veranlasst, sich zur Ortschaftsratssitzung aufzumachen. Dort schilderten sie, dass die Fahrer von Rad, Auto und Entsorgungsfahrzeugen immer wieder versuchten, um die Hindernisse herumzufahren. Gerade für Radfahrer sei es nicht ungefährlich, statt übers Pflaster über den Matsch nebenan zu fahren. Außerdem störten sich gerade diejenigen, die nah an der Aufpflasterung wohnten, über die Brems- und Anfahrgeräusche. Letztere sind nicht selten ein Grund, weshalb die Entscheidung gegen diese Art der Verkehrsberuhigung fällt.

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