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Roßweiner Landwirt sät Hanf für Jeans

Heinz-Friedrich Schönleber aus Littdorf bei Roßwein will die Pflanze auch für Socken verwerten. Und er plant noch mehr.

Ab Mitte April wird der Hanfsamen von Michael Augustin mit der Sämaschine in die Erde gebracht. Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber hofft nun auf Regen, damit die Samen keimen.
Ab Mitte April wird der Hanfsamen von Michael Augustin mit der Sämaschine in die Erde gebracht. Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber hofft nun auf Regen, damit die Samen keimen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das Experiment Hanf verselbstständigt sich bei Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber. Auch in diesem Jahr will der Littdorfer wieder neue Sorten anbauen. Und noch mehr aus den Pflanzen machen als bisher.

Derzeit kommen die Samen in die Erde. Optimal ist die Witterung im Moment noch nicht. Es sei eigentlich zu trocken. Der Hanfsamen benötige eine gewisse Bodenfeuchtigkeit, um zu keimen. Schönleber hofft also nun auf Regen. Und darauf, dass alle in seinem Team auch während der Corona-Krise gesund bleiben. Auf seinen Landwirtschaftsbetrieb habe die aktuelle Lage bislang keinen Einfluss. „Die Frühjahrsbestellung ist normal verlaufen“, so der Littdorfer.

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Im Oktober 2019 haben die Mitarbeiter des Betriebes den letzten Hanf geerntet. Der Hanf ist zum Großteil schon verarbeitet. Bis zur Ernte 2020 wird sie komplett verarbeitet sein, sagt Schönleber, der die Winterpause auf den Feldern genutzt hat, um die Erntemaschinen und die Aufbereitungstechnik auf Vordermann zu bringen. 

„Das sind alles Prototypen“, sagt der 54-Jährige. Herkömmliche Maschinen können bei der Hanfpflanze nicht eingesetzt werden. Die Maschinen sind entsprechend den Erfahrungen aus der Ernte der Vorjahre angepasst worden. Vor allem die Verarbeitung der Fasern bereitete bisher Probleme. Daher ist bislang auch nur die Blüte der Pflanzen verwendet worden.

Aus denen wird das sogenannte Cannabidiol (CBD) gewonnen. Es ist der Stoff, der, den gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechend, dem Pharmabereich, der Kosmetikindustrie sowie dem Bereich der Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung gestellt werden soll. Die Wirkung des CBD ist vielfältig. Es soll unter anderem Schmerzen lindern, Bakterienwachstum verlangsamen, den Blutzuckerspiegel senken sowie das Wachstum von Tumor- und Krebszellen hemmen.

Neuer Wirkstoff aus der Blüte

Je höher der CBD-Gehalt der Blüten, desto effektiver ist auch die Wirkung. Daher testet Schönleber verschiedene Sorten auf seinen Feldern. 2019 ist es ihm gelungen, eine Sorte mit zwei Prozent CBD anzubauen. In diesem Jahr will er erneut neue Sorten anbauen, deren CBD-Werte noch höher sein soll. Das sei jedoch nicht so einfach. Denn nicht alle Hanfsorten sind in der EU erlaubt. 

„In der EU darf der THC-Grenzwert nur 0,2 Prozent betragen“, sagt Schönleber. Es sei demnach schwierig und eine Kunst, eine Sorte zu bekommen, deren THC-Wert im Grenzbereich liege und die trotzdem einen hohen CBD-Wert aufweise. „Wir sind gerade mit Züchtern aus Bayern und der Bologna Universität dabei, daran zu arbeiten“, so der Littdorfer Landwirt. Es stünden schon einige Sorten in den Startlöchern.

Neu ausbringen wird er nun auch Hanfsorten, aus denen er Cannabigerol (CBG) gewinnen kann. „Das hat einen deutlich besseren Effekt im Bereich der Krebstherapie und wirkt antioxidativ“, beschreibt Schönleber. Auf rund 120 Hektar Fläche will er Hanf für die CBG-Gewinnung anbauen. „Damit sind wir dann der größte CBG-Produzent in Europa“, meint Schönleber.

Geplant ist, knapp 200 Hektar Fläche für die Hanfproduktion zu nutzen. Auf Kleinfeldern sollen 15 unterschiedliche neue Sorten getestet werden. Wie viel Hektar es am Ende genau werden, kann er aber noch nicht sagen. „Das kommt drauf an, ob wir unser gesamtes Saatgut bekommen“, sagt Schönleber. Bezogen wird das unter anderem vom Großhändler, direkt vom Züchter aus Bayern oder von der italienischen Universität.

Doch neu in diesem Jahr soll nicht nur die Gewinnung des neuen Wirkstoffes sein. Erstmals soll nun auch der Bast, der den Stängel der Hanfpflanze umhüllt, eine Verwendung finden. Die Stängel wurden bislang bei der Ernte nur zerkleinert und als Düngung auf den Feldern ausgebracht. Dabei kann auch der Bast genutzt werden.

Jeans aus Hanffasern

Ziel ist es, aus diesem verspinnbare Fasern für Stoffe und Fleece zur Isolierung sowie Material für die Verkleidung in der Automobilindustrie zu gewinnen. „Für die Fasergewinnung wird es Versuchsanlagen in Littdorf geben“, sagt Schönleber. Die Fasern könnten dann zum Beispiel auch für die Produktion von Socken genutzt werden. „Wir haben dafür einen Partner in Ungarn. Es gibt auch schon eine kleine Serie von 100 Stück. Das läuft sehr gut“, meint der Landwirt. 

Genutzt werden können die Hanffasern aber auch für die Produktion von Jeans. So werde das Unternehmen MAC Jeans im April die ersten Hosen aus Baumwolle und Hanf auf den Markt bringen. „Hanf ist klimafreundlicher als die Baumwollproduktion“, begründet Schönleber die Entwicklung. Während Baumwolle viel Wasser sowie Pflanzenschutzmittel benötige, komme der Hanfanbau fast komplett ohne Pflanzenschutzmittel aus.

Gerade der Aspekt der Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit hat Schönleber auch zu dem Schritt zum Hanfanbau bewogen. Die Pflanzen sind vielzeitig verwendbar. Nicht nur in medizinischer Hinsicht sowie in der Stoffproduktion. 

„Angedacht ist, dass wir auch einmal Ziegel oder Dämmstoff aus Hanf produzieren“, sagt der Landwirt. Anfang 2020 hat er mit mehreren Partnern eine neue Firma gegründet, die sich auf Hanf spezialisiert hat. Mit im Boot sitzen bei der Farmhus GmbH unter anderem ein Lichtensteiner und ein Kanadier. „Das Hanf-Geschäft ist noch relativ neu und daher eher klein. Die meisten, die sich mit dem Thema beschäftigen, kennen sich“, sagt Schönleber.

Sein Engagement in Sachen Hanf bleibe aber der Anbau, sagt der Landwirt. „Ich bin Bauer und bleibe das auch.“ Er habe das Glück, dass sich seine Partner mit den anderen Bereichen rund um das Thema auskennen.

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