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Roßwein sagt Schul- & Heimatfest 2020 ab

Das droht auch anderen Festen. Die meisten Veranstalter aber wollen abwarten, was die Landesregierung am Freitag genau festlegt.

Das Schul- und Heimatfest in Roßwein, für das schon vielerorts die Werbung läuft, wird mit ziemlicher Sicherheit nicht zu diesem Termin gefeiert.
Das Schul- und Heimatfest in Roßwein, für das schon vielerorts die Werbung läuft, wird mit ziemlicher Sicherheit nicht zu diesem Termin gefeiert. © privat

Region Döbeln. Allerorten gibt es in den nächsten Monaten etwas zu feiern. Ob es das reguläre Stadtfest in Döbeln und Hartha oder ein Jubiläum wie das 800-jährige Bestehen Roßweins ist – der Anlässe gibt es viele. Allerdings stehen die meisten Veranstaltungen nach der Empfehlung der Bundesregierung gerade infrage. Schon vorher sind die ersten Großveranstaltungen wie der Tag der Sachsen abgesagt worden.

Am Donnerstag hat sich auch Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) dazu entschlossen, auf das Schul-und Heimatfest in diesem Sommer zu verzichten. Die Festveranstaltung anlässlich der Ersterwähnung Roßweins vor 800 Jahren am 13. Juni soll es ebenfalls nicht geben – zumindest an diesem Termin. Seine Entscheidung begründet Rathauschef Lindner mit der Empfehlung der Bundesregierung, bis 31. August 2020 keine Großveranstaltungen durchzuführen. 

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Eine solche wäre das Fest mit Sicherheit geworden. Allein beim Festumzug hätten sich die Menschen am Straßenrand gedrängt. Abstand halten, das wäre bei dieser Gelegenheit schlichtweg unmöglich gewesen. Geschätzte 10.000 Besucher haben bei den vergangenen Heimatfesten mitgefeiert – aus der Region und auch aus dem Ausland, wohin es ehemalige Roßweiner eben so im Laufe der Zeit verschlagen hat. Zum Schulfest sind viele immer wieder gern in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Stadtrat muss noch zustimmen

Nicht zuletzt deshalb und angesichts des schon weit fortgeschrittenen Vorbereitungsstandes hat es sich Lindner mit der Absage für 2020 nicht leicht gemacht. Schon seit Beginn der Corona-Pandemie hat es immer wieder Anfragen gegeben, sowohl von Besuchern, die teilweise bereits ihre Übernachtungen wieder storniert haben, als auch von Mitwirkenden. 

Letztere werden dem Bürgermeister zufolge gesondert über die Absage für dieses Jahr informiert. Der muss am 30. April noch der Stadtrat zustimmen – genauso wie dem neuen Termin. Nach bisherigen Planungen soll das 45. Schul- und Heimatfest vom 12. bis 18. Juli 2021 nachgeholt werden. „Ich hoffe, dass alle Mitwirkenden bis dahin noch zur Stange halten und es Verständnis für diese Entscheidung gibt“, so Veit Lindner.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Für gewöhnlich feiert Roßwein zumindest in letzter Zeit im Turnus von fünf Jahren Schul- und Heimatfest. Immer hat das in der Vergangenheit schon nicht geklappt. Wegen der Wende und der Währungsumstellung haben die Roßweiner bereits ihr für 1990 geplantes Heimatfest aufs Folgejahr verschoben.

Waldheim will später entscheiden

Auch die anderen Bürgermeister haben am Mittwoch mit Spannung verfolgt, wie die Bundesregierung die Lage in der Pandemie einschätzt, welche Schritte jetzt gegangen werden sollen. Ob diese falsch oder richtig sind, will Waldheims Rathauschef Steffen Ernst (FDP) gar nicht beurteilen. Für ihn steht fest: „Es sind große Entscheidungen für unser Land.“ 

Er selbst hat noch nicht entschieden, ob in Waldheim Anfang August Stadtfest gefeiert wird oder nicht. „Da wollen wir erst einmal abwarten, was die Landesregierung konkret für den Freistaat festlegt, ob es Spielräume gibt und wie die aussehen“, sagt Steffen Ernst. Er ist sich ziemlich sicher, dass sich Waldheim nicht gegen eine Regelung der Staatsregierung ausspricht.

Auch Hartha und Döbeln zögern

Anfang Juni steht das Brunnenfest in Hartha im Veranstaltungskalender der Stadt. Ob es dabei bleibt oder nicht, dazu sei noch nichts entschieden, sagt Günter Roßberg, Geschäftsführer des Kultur- und Sportbetriebes Hartha. Er geht davon aus, dass sich Bürgermeister und Stadträte darüber verständigen, wenn vom Freistaat Angaben vorliegen, was unter einer Großveranstaltung zu verstehen ist. 

Eine konkrete Zahl wäre dafür auf jeden Fall hilfreich und nützlich. „Vorher etwas festzulegen, das halte ich auch den Partnern gegenüber, mit denen wir oftmals schon über Jahre zusammenarbeiten, für unfair“, sagt Roßberg. Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) stellt eine Entscheidung in der nächsten Woche in Aussicht, ob in Döbeln Mitte Juni Stadtfest gefeiert wird. Auch er wolle zunächst auf die Rahmenbedingungen für Sachsen warten.

Schulen haben Vorrang

Eine ähnliche Auskunft gibt der Leisniger Bürgermeister Tobias Goth (CDU). Allerdings denkt er, dass es mindestens bis zur nächsten Stadtratssitzung am 14. Mai Zeit hat, sich zu überlegen, ob Ende August Altstadtfest gefeiert werden kann oder nicht. Viel dringlicher sieht er es an, dass sich die Verwaltung zum Beispiel mit den Vorgaben des Freistaates beschäftigt, die bei der Wiedereröffnung der Schulen zu beachten sind. „Da sind wir als Schulträger gefordert“, so Tobias Goth. 

So müsse unter anderem eine mehrmals tägliche Reinigung der Toiletten gewährleistet werden. „Das und vieles andere ist erst einmal zu organisieren“, begründet der Bürgermeister. Er hat für Sonnabend den Ältestenrat zu einer Sondersitzung einberufen. Dabei will Goth über die weitere Vorgehensweise des Freistaates in Sachen Coronavirus informieren und beraten, was das für Leisnig heißt.

Absagen von Dorffesten

Etwas kleinere Veranstalter werden sich ähnlich verhalten oder haben bereits entschieden. Der SV Gersdorf 1910 etwa hat Einwohnern und Fans unter anderem über Facebook mitgeteilt, dass das traditionelle Dorffest auf Pfingsten 2021 verschoben wird. Der Feuerwehrverein Gersdorf hat das schweren Herzens entschieden. 

Jessica Keller, die Vorsitzende des Feuerwehrvereins, erklärt: „Da momentan nicht klar ist, wie sich die Lage entwickelt, müssen wir das Dorffest in diesem Jahr ausfallen lassen. Jetzt wäre die Zeit, in der alle Vorbereitungen, wie Bestellungen tätigen oder das Programm einstudieren, getroffen werden müssten. Da dies alles nicht möglich ist und niemand weiß, wie lange die Kontaktbeschränkungen gelten werden, haben wir so entschieden." 

Genauso haben diejenigen gedacht, die für den Kriebsteiner Ortsteil Grünlichtenberg eine Jubiläumsfeier vorbereitet hatten. Auch dort wird erst im nächsten Jahr gefeiert wie in Gersdorf.

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