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Roßwein will nicht noch mehr Schikanen

Die Fahrbahnschwellen auf der Nossener Straße spalten die Kraftfahrer: Die einen fordern noch mehr davon. Andere dagegen halten sie für Bosheit.

Berliner Kissen heißen die Schikanen, die auf der Nossener Straße in Roßwein zur Verkehrsberuhigung aufgebracht sind. Diese seien viel zu hoch und würden die Kraftfahrer viel zu stark ausbremsen. Diese Kritik musste sich die Verwaltung anhören.
Berliner Kissen heißen die Schikanen, die auf der Nossener Straße in Roßwein zur Verkehrsberuhigung aufgebracht sind. Diese seien viel zu hoch und würden die Kraftfahrer viel zu stark ausbremsen. Diese Kritik musste sich die Verwaltung anhören. © Dietmar Thomas

Roßwein. Kaum sind sie auf der Fahrbahn montiert, schon sind sie ein Aufreger. Die Rede ist von den Berliner Kissen. So heißen die Fahrbahnschwellen, die die Stadt vor Kurzem in der Nossener Straße an zwei Stellen hat aufbringen lassen.

„Was ist das für ein Mist?“, wollte Stadtrat Jens Tamke (AfD) in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause wissen. Wie er darstellte, sei die Geschwindigkeit auf der Nossener Straße ohnehin schon auf 30 Stundenkilometer beschränkt. „Und wer auf die Straße abbiegt, der kommt bis zur ersten Fahrbahnschwelle nicht mal auf die 30“, so Tamke.

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Für sein Dafürhalten würden die Kraftfahrer durch die Höhe der Schwelle auf Schrittgeschwindigkeit ausgebremst. „Das halte ich für unmöglich, eine Zumutung“, schimpfte er. „Nachvollziehen kann ich das nicht.“

Kritik zeigt, die Schwellen wirken in Roßwein

Für Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) sind diese Hilfsmittel zur Verkehrsberuhigung, umgangssprachlich auch schlafende Polizisten genannt, mit Licht und Schatten verbunden. Wenn die Kraftfahrer vor der Schwelle tatsächlich abbremsen und danach langsamer unterwegs seien, dann hätte diese Art der Verkehrsberuhigung das Ziel erreicht.

Lindner erinnerte wie schon Bauamtsleiter Dirk Mehler vor Installation der Berliner Kissen daran, dass es in der Nossener Straße schon einmal solche schlafenden Polizisten gegeben hat. „Die waren aber so niedrig, dass sie die Kraftfahrer ignoriert haben und ohne merklich abzubremsen, darüber gefahren sind“, so Mehler. Deshalb wurden diese „Hürden“ auch wieder abgebaut.

Dass die neuen Schikanen nicht ebenso wirkungslos sind wie die alten, beweist die Kritik von Jens Tamke. Der wollte sich mit dieser Antwort nicht zufriedengeben. Vielmehr lud er den Rathauschef zu einer Testfahrt als Sozius auf seinem Motorrad ein. Da sei besonders spürbar, wie nervig die Verkehrsberuhigung an dieser Stelle sei.

Kaum Chancen auf weitere Hürden

Die Anwohner scheinen sich nicht daran zu stören, dass die Kraftfahrer vor jedem Passieren der Berliner Kissen abbremsen und Gas geben müssen. Vielmehr habe es sogar den Wunsch gegeben, auf der Nossener Straße noch ein drittes Hindernis zu installieren. Das soll aus aktueller Sicht nicht passieren.

Bauamtsleiter Mehler begründete dies damit, dass sich dem asphaltierten Bereich ein gepflasterter Fahrbahnabschnitt anschließt. Dort sollen die Berliner Kissen nicht aufgeschraubt werden. 

Der Bürgermeister hat für die Ablehnung weiterer solcher Hilfsmittel noch eine andere Begründung: „Roßwein soll nicht die Stadt der schlafenden Polizisten werden.“

Ullrichsberg hat mit Fahrbahnschwellen aufgerüstet

Im Moment sieht es aber eher danach aus, als ob dieser Beiname nicht aus der Luft gegriffen wäre. In den vergangenen Monaten hat allein der kleine Ortsteil Ullrichsberg drei weitere solcher Fahrbahnschwellen bekommen. Eine befindet sich seit längerem schon am Ortseingang aus Richtung Klinge.

Im Wohngebiet Hoher Rain am Rande Roßweins wird wohl noch einmal diese Art der Verkehrsberuhigung umgesetzt. Im Frühsommer gaben die Stadträte bis auf eine Ausnahme allen Anträgen statt, die für den Bürgerhaushalt eingereicht worden waren. 

Dazu gehörte auch, im Bereich Hoher Rain eine Fahrbahnschwelle zu installieren. Um diesen Wunsch zu untermauern, hatten etliche Anwohner den Antrag unterschrieben – wie es für Zuschüsse aus dem Bürgerhaushalt notwendig ist.

Aus Fehlern lernen

Mit dem Antragsteller wird die Kommune einen Vertrag aufsetzen. Damit zieht sie die Lehren aus einem Fall in Gleisberg. Dort gab es nach Jahren Proteste gegen eine gepflasterte Fahrbahnschwelle. Sie zurückbauen zu lassen, hat die Kommune nochmals Geld gekostet. 

Das soll nicht wieder passieren. Also wird es Regelungen zur Kostenübernahme für den Fall eines späteren Rückbaus geben, so der Bürgermeister. 

Diese Schikane aus dem Bürgerhaushalt zu bezuschussen, fanden übrigens nicht alle Räte gut. Wenn der Wunsch danach berechtigt sei, dann müsste die Kommune bei einer stadteigenen Straße auch dafür aufkommen, so der Tenor der Antragsgegner. Dieser Etat sei eher für Wünsche gedacht, die nicht Pflichten der Kommune sind.

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