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Roßweiner Nachwuchs ist Spitze

Kinder haben mehr als 70 Zeichnungen, Basteleien und sogar Spiele angefertigt. Gegen die Einsamkeit zu Ostern.

Antje Lange hat mehr als 70 Kinderzeichnungen und Basteleien an die Pflegeeinrichtungen in Roßwein weitergeleitet. Der Bürgermeister sagt allen Kreativen: Herzlichen Dank!
Antje Lange hat mehr als 70 Kinderzeichnungen und Basteleien an die Pflegeeinrichtungen in Roßwein weitergeleitet. Der Bürgermeister sagt allen Kreativen: Herzlichen Dank! © Lars Halbauer

Roßwein. Auf die jüngsten Roßweiner ist Verlass. Antje Lange, Mitarbeiterin im Bürgerbüro im Rathaus, weiß gar nicht, wohin sie zuerst schauen soll. Für ein Foto hat sie alles zusammengetragen, was auf den Aufruf von Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) hin im Postkasten der Verwaltung gelandet ist.

Tatsächlich haben die Kinder nach dem Hilferuf des Rathauschefs ganz fleißig zu Buntstiften und Pinsel gegriffen. Denn es sind eine Menge farbiger Zeichnungen, die Antje Lange nebeneinander legt. Aber auch kleine österliche Basteleien hat sie aus dem Briefkasten geangelt. Manche Kinder haben Briefe geschrieben, einige sogar kleine Memory-Spiele gemalt und in Umschläge gesteckt.

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Ein Teil der Arbeiten dürfte daheim während der jetzt verordneten Familienzeit entstanden sein. Aber nicht nur. Auch Kitas wie die Unter den Linden haben sich an der Aktion beteiligt. Deren Anliegen ist es, den Menschen eine Freude zu bereiten, die in Pflegeeinrichtungen betreut werden und schon länger keinen Besuch von ihren Familien oder Freunden bekommen dürfen - auch jetzt über Ostern nicht. Das ist für die Betroffenen oft genauso traurig wie für Kinder, die nicht bei oder mit den Großeltern Osternester suchen, Zeit zusammen verbringen dürfen.

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Noch am Donnerstag sind die Zeichnungen und die anderen Arbeiten verteilt worden. „Wir werden sie sicher an einer Leine befestigen und in unseren drei Wohnbereichen aufhängen“, sagt Angelika Weise, die Leiterin des Diakonie-Pflegeheimes „Berta Börner“. Sie ist sich sicher, dass sich die Bewohner über die Kinderzeichnungen freuen. 75 Männer und Frauen leben an dem Haus an der Herrmannstraße. Sie bekommen nach den Worten von Angelika Weise im Moment mehr Briefe und Päckchen von ihren Angehörigen als vor den Einschränkungen wegen des Coronavirus. „Außerdem haben wir ein weiteres Telefon installiert, damit mehr telefoniert und so der Kontakt gehalten werden kann.“ Insgesamt sei wirklich Verständnis für die Situation da. Niemand wolle jemanden gefährden.

Ein klein wenig anders sieht es bei Jan Schmidt aus. Er leitet des Behindertenwohnheimes in Gersdorf bei Roßwein. Die 49 Bewohner dort erleben wahrscheinlich ein ähnliches Osterfest wie in den Jahren davor. „Es gibt nur ganz wenige, die noch Angehörige haben“, erklärt Jan Schmidt. Daher bereite das Besuchsverbot auch kaum Probleme. Weggelassen wird in diesem Jahr der Ausflug zu einem Gottesdienst – davon gibt es über Ostern in den Kirchen ohnehin keine. „Trotzdem ist es schön, dass mit der Kindermalaktion auch an uns in Gersdorf gedacht worden ist“, so der Heimleiter.

An die Jüngsten hat Ilona John gedacht. Die Roßweinerin bereitete am Donnerstag einem Dutzend Mädchen und Jungen eine Osterüberraschung. Die durften sie sich von einem Straßenbaum gegenüber der ehemaligen Destille „pflücken“. Die Rabatte dort pflegt Ilona neben einer weiteren an der Mittelstraße. Nachdem sie die neu bepflanzt und die Äste mit bunten Eiern geschmückt hatte, war sie auf die Idee gekommen, dort noch kleine Geschenke für die Kinder aufzuhängen. Dafür hat sie Körbchen gebastelt und mit Süßem gefüllt. Dafür sagten die Beschenkten im Chor: „Danke Frau John!“ 

Sie ist schon 2014 als eine der ersten mit dem Roßweiner Ehrenamtspreis in der Kategorie „Gute Seele“ ausgezeichnet worden. Sie war durch ihr vielfältiges Engagement aufgefallen: Turnbeutel nähen, Sparschweine basteln, Kindern aus sozial schwachen Familien eine warme Mahlzeit finanzieren. Aus ihrer Hilfe bei der Grünpflege ist inzwischen eine Patenschaft für zwei Rabatten an der Mittelstraße geworden. Jetzt in Corona-Zeiten kauft sie für Nachbarn ein, damit diese das Haus nicht verlassen müssen.

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