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Roßweiner wollen das Harthaer Industriemuseum aufnehmen

Das Industriemuseummuss dieses Jahr schließen.Der Dampfmaschinenverein aus Roßwein hätte Platz für den Fundus.

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Von Julia Pikos

Im Harthaer Museum sind über 100 Jahre Industriegeschichte des Landkreises Döbeln dokumentiert. Karlheinz Enzmann, Mitbegründer des Museums, engagiert sich nicht erst seit der Eröffnung im Mai 1998 für die Sammlung. Er betreute schon das Traditionskabinett der ehemaligen Spindelfabrik Hartha, in welchem die historische Entwicklung des Betriebes dokumentiert wurde. Das Kabinett bildete den Grundstock für den Aufbau des Industriemuseums. „Angefangen haben wir mit Ausstellungsstücken von 60 Firmen, heute beherbergen wir Produkte und Maschinen von über 200 Firmen der Region“, erzählt Enzmann. Er hat viel Zeit und Herzblut in das Zusammentragen des Fundus gesteckt. „Unser Ziel war und ist es, die historischen Stücke zu sammeln und zu bewahren. Hartha als traditioneller Industriestandort ist für ein solches Museum geradezu prädestiniert“, erklärt er.

Schließung im September

Doch nun muss das Museum zum 30. September dieses Jahres geschlossen werden (DA berichtete). Die Stadt Hartha als Träger, hat beschlossen, dass die momentane Heimstätte des Museums in der Annenstraße nicht mehr für den Besucherverkehr zugänglich gemacht werden kann. „Wegen des baulichen Zustandes des Gebäudes, muss aus Sicherheitsgründen eine andere Lösung gefunden werden“, erklärt Bürgermeister Gerald Herbst (CDU). Ihm sei sehr daran gelegen, das Museum in Hartha zu belassen, und vor allem möchte er den Fundus als Ganzes erhalten. „Es wäre schlimm, wenn die Sammlung auseinandergerissen würde“, so Herbst.

Das Geld fehlt

Das Hauptproblem scheint aber die momentan prekäre finanzielle Lage der Stadt zu sein. „Uns fehlen einfach die finanziellen Mittel, um das Museum zu erhalten“, so Herbst weiter. Dazu kommt, dass der Kulturraum Mittelsachsen nur noch ganz begrenzt Subventionen zur Verfügung stellt. Denn das Museum gehört nicht zu den überregional bedeutsamen kulturellen Einrichtungen. Derzeit werden bei der Stadt Gespräche über den Fortbestand der Sammlung geführt. „Wir verhandeln gerade mit dem Städtebund über die Zukunft des Industriemuseums, aber eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht“, so Gerald Herbst.

Dabei hat der Roßweiner Dampfmaschinenverein angeboten, den Fundus zu übernehmen. Besonders interessiert sind die Roßweiner an allen Ausstellungsstücken über die Tuchmacherinnung. „Roßwein als alte Tuchmacherstadt hat zu diesen Stücken eine ganz besondere Affinität, allerdings müssten wir uns ersteinmal einen Überblick verschaffen, was den Umfang der Sammlung betrifft. Prinzipiell könnten wir aber Kapazitäten schaffen, um den gesamten Fundus zu beherbergen“, erklärt der Roßweiner Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Eine Antwort auf sein Angebot habe er von der Stadt Hartha bisher noch nicht erhalten.

Karlheinz Enzmann fände es schade, wenn sich keine Lösung finden ließe und die Sammlung auf unbestimmte Zeit eingelagert werden müsste. „Ich weiß nicht, ob sich in ein paar Jahren nocheinmal jemand so engagiert und liebevoll um den Bestand kümmern wird, wie wir das jetzt tun“, sagt er.