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Besserer Schutz für größten Wasserspeicher

Die Sanierung des Räcknitzer Hochbehälters geht in die nächste Runde. Worauf es dabei besonders ankommt.

Der Hochbehälter Räcknitz wird saniert. In dieser Kammer ist jetzt die alte Betonschicht abgestrahlt. Der Boden und die Säulen haben schützender Folie erhalten, bevor die neue Deckenschicht aufgespritzt wird.
Der Hochbehälter Räcknitz wird saniert. In dieser Kammer ist jetzt die alte Betonschicht abgestrahlt. Der Boden und die Säulen haben schützender Folie erhalten, bevor die neue Deckenschicht aufgespritzt wird. © Drewag netz

Dresden. Dresden benötigt immer mehr Trinkwasser. Nicht wegen der derzeitigen Coronakrise, sondern aufgrund der wachsenden Großstadt. Wurden 2013 täglich im Durchschnitt noch 102.000 Kubikmeter verbraucht, so sind es derzeit rund 120.000 Kubikmeter. Im heißen Sommer 2019 wurde sogar ein Spitzenwert von knapp 170.000 Kubikmetern erreicht.

Das Trinkwasser-System: 35 Hochbehälter in Dresden

Aufbereitet wird das als Lebensmittel eingestufte Trinkwasser in den Werken Coschütz, Hosterwitz und Tolkewitz und dann in Hochbehältern gespeichert. Mit seinen acht unterirdischen Kammern ist der Räcknitzer der größte der insgesamt 35 Hochbehälter. Insgesamt können dort 60.000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Das ist etwa ein Viertel des gesamten Fassungsvermögens aller Dresdner Hochbehälter. Versorgt wird damit das linkselbische Dresdner Stadtgebiet zwischen Prohlis und Cossebaude. Diese Räcknitzer Anlage wurde 1929 übergeben.

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Der erste Schritt: Decken riesiger Hallen neu beschichtet

Im vergangenen Jahr hatte die Drewag die erste Doppelkammer saniert. Dafür wurde in den jeweils 60 Meter langen und 5,8 Meter hohen unterirdischen Hallen mit ihren insgesamt 174 Säulen das Wasser abgelassen. Die Decken des 90 Jahre alten Bauwerks wurden dabei neu beschichtet.

Im Oktober 2019 waren die Decken der ersten beiden Speicherkammern saniert. Drewag-Projektleiter Martin Kayser (l.) und Bauüberwacher Falk Hertrampf überprüften dann, ob alles in Ordnung ist.
Im Oktober 2019 waren die Decken der ersten beiden Speicherkammern saniert. Drewag-Projektleiter Martin Kayser (l.) und Bauüberwacher Falk Hertrampf überprüften dann, ob alles in Ordnung ist. © Foto: Marion Doering

Der diesjährige Auftakt: Betonschicht abgestrahlt

Die Arbeiten in der nächsten Doppelkammer hatten im Februar dieses Jahres begonnen. Zuvor war dort das Wasser abgelassen worden. Nach den ersten vorbereitenden Arbeiten hatten die Instandsetzungsspezialisten mit einer Wasserstrahlanlage im März die Mörtelschicht von den Decken entfernt, erklärt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann den ersten Schritt. Das geschah mit dem gewaltigen Druck von 1.900 Bar, mit dem auch Beton geschnitten werden könnte. Die Sprecherin gibt einen Überblick der folgenden Arbeiten und der Sanierungspläne.

Die derzeitigen Arbeiten: Prüfstempel auf Beton geklebt

Danach hatten die Bauleute bis Ostern zu tun, die Berge der Betonschicht, die auf den Kammerböden lagen, zu beseitigen. Ein Saugbagger mit einem 200-Meter-Schlauch beräumte so 116 Tonnen Strahlschutt. Danach legten die Sanierer Boden und Wandflächen mit mehreren Lagen Folie aus. So wird eine Fläche von rund 5.000 Quadratmetern vor Beschädigungen geschützt.

In dieser Woche wird die gesamte Deckenfläche geprüft. Dabei werden an 40 Stellen zylindrische Prüfstempel auf den Beton geklebt und mit einem Prüfgerät abgezogen. „Auf Grundlage der dabei gemessenen Zugkräfte wird geprüft, ob der Bestandsbeton ausreichende tragfähig für die geplante Instandsetzungsvariante ist“, erklärt die Sprecherin.

Der nächste Schritt: Hallendecke bekommt besseren Schutz

In der kommenden Woche sollen die wesentlichen Arbeiten beginnen, kündigt Ostmann an. Die freigelegte Stahlbewehrung der Hallendecken erhält zuerst einen zementhaltigen rostschützenden Anstrich. Auf den kommt spezieller Mörtel. „Der Beschichtungsmörtel ist geprüft für den Einsatz in Trinkwasserspeichern und wird ohne Betonzusatzmittel oder kunststoffhaltige Zusätze verarbeitet“, erklärt Sprecherin Ostmann.

Der Mörtel wird im Trockenspritzverfahren aufgebracht. Das funktioniert so: Mit Druckluft kommt er durch Schläuche zur Spritzdüse in der Wasserkammer. Erst dort wird er mit Wasser vermischt und schließlich durch den Druck an die Decke geschleudert und so verdichtet. So werden zwei Mörtelschichten mit einer Stärke von bis zu 3,5 Zentimetern aufgetragen. Die Oberfläche wird rau, damit das Kondenswasser künftig gut abtropfen kann. Diese Arbeiten sollen bis Ende August abgeschlossen werden.

Das Finale: Bis 2022 soll alles geschafft sein

Allerdings sind dann bis Oktober dieses Jahres noch weitere Arbeiten nötig. Dazu gehören die Beseitigung der schützenden Folien, die Prüfung, Feinreinigung und Desinfektion der Kammern. Danach werden sie wieder mit Wasser befüllt, was noch im Labor geprüft wird. Erst, wenn es die Freigabe erteilt, können die Kammern wieder in Betrieb genommen werden.

Bis 2022 sollen auch die beiden anderen Doppelkammern instandgesetzt werden. Insgesamt investiert die Drewag für die Sanierung des gesamten Hochbehälters Räcknitz rund 3,3 Millionen Euro.

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