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Radebeul

Rot, saftig, aromatisch

In den Gewächshäusern des Obstbaubetriebs Görnitz startet die Erdbeerernte. Auch dank fleißiger Hummeln.

Die Ernte kann beginnen. Obstbauer Michael Görnitz zeigt, wie die Erdbeeren in den Gewächshäusern in Nieschütz gewachsen sind.
Die Ernte kann beginnen. Obstbauer Michael Görnitz zeigt, wie die Erdbeeren in den Gewächshäusern in Nieschütz gewachsen sind. © Claudia Hübschmann

Nieschütz/Coswig. Die erste heimische Erdbeere der Saison. Gäbe es einen Schönheitswettbewerb für das Obst – diese Frucht hätte gute Chancen auf einen Sieg. Groß, in verführerisch kräftigem Rot glänzend, mit zartem, angenehme Erinnerungen weckenden Duft. Vor Sekunden gepflückt von Michael Görnitz in einem der Nieschützer Gewächshäuser seiner Obstbaufirma.

Hier ist der 1. Mai kein Feiertag, sondern wie im Vorjahr großer Erdbeererntestart. Ganz kleine Mengen waren schon zu Wochenanfang im Hofladen auf der Cliebener Straße in Neusörnewitz im Angebot, 250 Gramm 1,99 Euro. Ab dem heutigen Donnerstag gibt es die Früchte nicht nur dort, sondern auch in verschiedenen Rewe- und Edeka-Märkten zu kaufen.

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Im Nieschütz wachsen Erdbeeren im geschützten Anbau bereits im 13. Produktionsjahr. Seit drei Jahren mit jeweils 100 000 Pflanzen, die nach einer Saison ins Freiland kommen. Und zuvor 70 bis 80 Früchte pro Exemplar bringen sollen, 100 wären perfekt, sagt der Obstbauexperte.

Jetzt wollen sie erst mal unterm Dach gehegt und gepflegt werden. Wobei dem Obstbau-Team dabei wieder zahlreiche Helferinnen und Helfer aus Rumänien und der Ukraine zu Hand gehen. Beispielsweise im Michael Görnitz zufolge schwierigsten Gewächshausblock – wegen der halbrunden Decke mit viel Wärme und Luftfeuchtigkeit, wo beim Eintreten aus der morgendlichen Kühle gleich mal die Brille beschlägt. Dort sind gerade sechs junge Ukrainerinnen damit beschäftigt, die auf hohen Gestellen platzierten Pflanzen von ungewollten Trieben zu befreien. Sorgfältig schneiden die Frauen die Ausläufer ab, schließlich soll die Erdbeerpflanze ihre Kraft nicht da hinein stecken, sondern in Blüten und Früchte.


Großen Anteil an der Fruchtentwicklung haben die Hummeln.
Großen Anteil an der Fruchtentwicklung haben die Hummeln. © Claudia Hübschmann

Damit das richtig klappt mit den Früchten, hat der Betrieb geflügelte Helfer. Hummeln, die die Häuser mit ihrem Summen erfüllen. Sie sind direkt für Bestäubung gezüchtet, eine ganz spezielle Mischung, sagt Michael Görnitz. Man habe mal ein drohnenlastiges Volk gehabt, da sei nichts passiert in Richtung Bestäuben.

Allerdings gibt es auch Tiere, die in den Kulturen überhaupt nicht gern gesehen sind und bekämpft werden müssen. Der Obstbauchef zeigt in einem anderen Haus auf ein Gestell, auf dem die Pflanzen fehlen. Hier hatte der Dickmaulrüssler zugeschlagen, ein Käfer, dessen Larven sich vor allem an Wurzeln gütlich tun. Gegen die Schädlinge helfen Nematoden, natürliche Feinde der Käfer.

Bis Anfang, Mitte Juni ist nun in Nieschütz Erdbeerzeit. Dank der Pflanzen, die in ihrer Entwicklung zeitlich etwas versetzt sind. Während hier schon große rote Früchte auf die Erntehelfer warten – die sie mit ihren Fingern nicht berühren dürfen, sondern nur am Stiel –, zeigen sich andere noch klein und grün zwischen gelben bis blassrosafarbenen Beeren, die genau genommen gar keine sind, sondern Sammelnussfrüchte. Und ein paar Zentimeter weiter brummt eine große gelb-schwarze Hummel vor einer weißen Blüte, um sich dann dort geschickt krabbelnd niederzulassen. Und kurz darauf weiterzufliegen, zur nächsten Pflanze, die wie alle anderen über eine Leitung mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird.

Michael Görnitz ist mit der Qualität der Pflanzen zufrieden. Er spricht von einem guten Blatt/Stängel-Verhältnis. Hohe Stängel, große Blätter, viel Assimilationsmasse. Dass es den Pflanzen der Sorte Elsanta gut geht, zeigen sie auch mit sogenannten Guttationstropfen. Wie kleine Kristalle sitzen die Wasserperlen am Blattrand. Eine natürliche gute Überdrainage – das ist ähnlich wie im Sommer viel schwitzen, der Pflanze fehlt es an nichts, der Nährstoffhaushalt stimmt, sagt der Obstbauer.

Man wolle beim Anbau immer wieder etwas verbessern, erneuern. Unter anderem mit den Versuchen zur Blattdüngung. Oder beim Einsatz der Folie. So werde nun eine speziell für die Obstproduktion geeignete verwendet. Damit genügend Erdbeeren in gewünschter Qualität wachsen, die jetzt aller zwei bis drei Tage geerntet werden sollen.