SZ +
Merken

Rot, süß – aber verspätet

Die Erdbeerente beginnt. Der Mindestlohn wirkt sich bereits aus. Der Verbraucher merkt davon aber bisher wenig.

Teilen
Folgen

Von Tina Soltysiak

Die Zeit der spanischen Erdbeeren in den Supermärkten und auf den Wochenmärkten ist vorbei. Auf den sächsischen Feldern werden die Früchte nach und nach reif. Die ersten sind bereits geerntet und schon in dem einen oder anderen Mund verschwunden. Rund 3,2 Kilogramm Erdbeeren isst der Deutsche statistisch gesehen pro Jahr.

„Im vorigen Jahr hat die Ernte eine Woche eher begonnen“, sagte gestern Gerd Kalbitz, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsisches Obst, bei der offiziellen Eröffnung der sächsischen Erdbeersaison. Derzeit würden im Freistaat auf einer Fläche von 357 Hektar Erdbeeren angebaut. Das sind 50 Hektar weniger als 2014. „Das hängt zum einen mit den Nachwirkungen des Hochwassers, zum Beispiel an der Elbe, und zum anderen mit der Einführung des Mindestlohns zusammen“, erklärte er.

Der Mindestlohn und das Arbeitszeitgesetz würden den Obstbauern das Leben schwermachen. „Die Natur hält sich nicht an solche Regeln. Die Erntezeit muss zum Teil verkürzt werden, damit die Gesetze eingehalten werden können“, sagte Gerd Kalbitz. Schon jetzt seien Konsequenzen gezogen worden: „Das sind die 50 Hektar weniger Anbaufläche im Landesverband und es wird nicht mehr so viel gepflanzt, wie in den letzten Jahren“, erklärte Kalbitz. Da die Erdbeeren zweijährige Kulturen sind, sei eine „Quersubventionierung für ein bis zwei Jahre möglich“. Sollte sich das nicht rentieren, wäre die weitere Verkleinerung der Anbaufläche denkbar.

Test neuer Sorten

„Wir versuchen, die Erdbeererntezeit so lange wie möglich zu strecken – auf sechs bis acht, wenn nicht gar neun Wochen“, sagte Bernd Lehmann, Geschäftsführer der Ablaßer Obstgarten GmbH. Derzeit werden zwei Sorten getestet: „Jive“ als späte, „Vivaldi“ als verfrühte Sorte. „Momentan ist noch kein Unterschied erkennbar. Beide sind schon fruchttragend. Ich bin auf den Reifeverlauf gespannt“, sagte Lehmann.

Die ideale Erdbeersorte müsse laut Gerd Kalbitz noch gefunden werden: „Sie schmeckt, bringt einen Ertrag von 20 Tonnen pro Hektar, lässt sich problemlos über 300 Kilometer transportieren und die Pflücker können mindestens 20 Kilo pro Stunde ernten“, sagte er augenzwinkernd.

Das große Plus der einheimischen Erdbeeren seien jedoch die kurzen Transportwege, sagte Matthias Keller, Referatsleiter pflanzliche Erzeugnisse im sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. „Sie können vollreif gepflückt und bewusst und ohne Reue gegessen werden“, ergänzte er.

Die Preise schwanken innerhalb des Obstlandes. In Leisnig kostet die 500-Gramm-Schale derzeit 2,80 Euro – und damit lediglich zehn Cent mehr als vergangene Saison.

Doch wie halten sich die Erdbeeren am längsten? „Nach dem Waschen sollten sie sofort verzehrt werden“, so Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst. In den Kühlschrank sollten nur ungewaschene Früchte. „Das Beste ist, sie gleich so zu essen, wie sie vom Feld kommen – außer natürlich sie sind mit Erde beschmutzt“, erklärte er. Auch in diesem Jahr wird wieder die Selbstpflücke angeboten. „Dieser Bereich ist deutlich ausbaubar, denn dann entfällt der Mindestlohn“, sagte Gerd Kalbitz.

Auf dem Erdbeerfeld in Minkwitz beginnt die Ernte gerade erst. Grund dafür sei die Lage, erklärte Michael Erlecke, Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG auf DA-Nachfrage. Die ist derzeit gleich im doppelten Sinne „ungünstig“. Denn das Feld liegt unmittelbar an der Staatsstraße 36, die derzeit voll gesperrt ist. „Natürlich ist es eine gewisse Belastung. Aber die Absprachen mit den Baufirmen klappen gut und wir haben uns damit arrangiert.“