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Rote Karte für Rechtsaußen

Reinhardtsdorf-Schöna konnte kurzfristig ein Fußballturnier der Jungen Nationaldemokraten verhindern. Das war nicht immer so.

Von Katrin Richter

Diesen Angriff von Rechtsaußen hat Reinhardtsdorf-Schönas Bürgermeister Olaf Ehrlich (parteilos) geschickt abgewehrt. Die NPD-Ortsgruppe wollte die Sport- und Mehrzweckhalle der Gemeinde kürzlich zum wiederholten Male für ein umstrittenes Fußballturnier nutzen. Mehrfach hatten die braunen Kameraden die Turnhalle in den vergangenen Jahren bereits für solche Veranstaltungen gemietet – gegen seinen Willen, sagt der Bürgermeister. Nun drohte dem Ort unterhalb des Zirkelsteins wieder ein sportlicher Aufmarsch von Neonazis.„Veranstaltungen wie dieses Fußballturnier dienen der Kommunikation innerhalb der rechten Szene“, sagt Ehrlich. Sie werden genutzt, um neue Leute kennenzulernen und um Netzwerke zu bilden und zu pflegen. Für Reinhardtsdorf, das sich seit Jahren bemüht, sein Image als NPD-Hochburg loszuwerden, kein gutes Zeichen. Leider, sagt der Bürgermeister, sei es in den Vorjahren für ihn schwer gewesen, das Turnier zu verhindern. Solange kein strafbares Verhalten festgestellt werden könne, seien ihm die Hände gebunden, erklärt Ehrlich.

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Diesmal lief es anders. Die Rechtsradikalen scheiterten, bevor sie einen Pass spielen konnten. Stattdessen bekam Ehrlich den Ball von der AG Extremismus zugespielt. Dem Netzwerk war nicht entgangen, dass nicht nur Personen aus der lokalen rechten Szene zum Turnier geladen waren, sondern dass die Jungen Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der NPD, bundesweit um Mitstreiter warben.

Hausrecht durchgesetzt

Eine Steilvorlage für Ehrlich, auf sein Hausrecht zu pochen. Die Halle sei unter dem Vorwand einer örtlichen Sportveranstaltung gebucht worden, um sie für eine große Neonazi-Veranstaltung zu nutzen, argumentierte Ehrlich. Für den ehrenamtlichen Bürgermeister waren diese Umstände nicht hinnehmbar. Durch den überregionalen Zuspruch in der Szene sei ein hohes Konfliktpotenzial vorhanden, und die Gemeinde könne auf ein derartig erhöhtes Sicherheitsrisiko so kurzfristig nicht reagieren. Der 45-jährige Ortschef zog die Reißleine und trat kurzfristig vom Hallenvertrag zurück. „Unser Rücktritt erfolgte nach der Benutzungs- und Gebührenordnung für den Sport- und Freizeittreff“, erklärte Ehrlich schriftlich gegenüber dem NPD-Gemeinderat Mario Viehrig.

Dieser versucht die Veranstaltung in einer Anfrage an den Gemeinderat kleinzureden. Es sei auf Werbung verzichtet worden, und es sei doch keine Straftat, wenn sich in Internetforen über das Turnier ausgetauscht werde. Aufgrund der Winterwetterlage hätten bestimmt auch nur sehr wenige Gegner des Turniers den Weg nach Reinhardtsdorf gefunden.

Diese Argumente seien nicht stichhaltig, sagt Ehrlich. Das Fußballturnier blieb untersagt. Dem Bürgermeister wäre es nach eigener Aussage am liebsten, die Gemeinde würde solchen Problemen künftig aus dem Weg gehen. Er kündigte an, für den Gemeinderat eine neue Beschlussvorlage zur Hallennutzung vorzubereiten. Die Nutzungsordnung solle dahingehend geändert werden, dass solch ungebetene Gäste nicht mehr toleriert werden müssten.

Hohe NPD-Wahlergebnisse bei den Kreistagswahlen 2006 hatten für ordentlich Medienrummel gesorgt und Reinhardtsdorf-Schöna bundesweit bekannt gemacht. Doch mit der Wahl des parteilosen Olaf Ehrlich zum Bürgermeister profilierte sich ein neues Bewusstsein gegen Rechts. Ehrlich bezog klar Position, setzte sich sachlich mit den NPD-Gemeinderäten auseinander und engagierte sich für ein aktives Vereinsleben im Ort. Vor zwei Wochen wurde er als Bürgermeister wiedergewählt.