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Roter Rand gleicht einem Warnschild

Leserbrief

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Lienhard Buck aus Riesa schreibt zum Artikel „Staatsarchiv hat keine Einwände gegen neues Meißner Wappen“ in der SZ vom 14. Januar:

Mit Spannung habe ich die Antwort des Staatsarchivs auf die durchaus berechtigte Kritik ihres Lesers Wolfgang Zimmermann auf die Gestaltung des Wappens für den neuen Großkreis Meißen erwartet und nun die Stellungnahme mit Befremden zur Kenntnis genommen. Nicht ohne Grund hatte sich die Heraldik im Laufe von Jahrhunderten zur Heroldskunst entwickelt, deren strenge Vorschriften› stets präzise eingehalten waren. Dieses wertvolle Kulturgut ist mit den gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland bedauerlicherweise aus der Mode gekommen. Es wird heutzutage sogar von staatlichen Dienststellen als eher belanglos eingestuft und nur noch von einer kleinen Fangemeinde gepflegt. Leider scheinen wichtige heraldische Grundregeln selbst beim Staatsarchiv in Vergessenheit geraten zu sein, wo man es am wenigsten erwartet hätte. Anders ist die Stellungnahme des Referenten Dr. Leisering jedenfalls nicht zu verstehen. Wenn er namens der Experten versichert, „die Sächsischen Heraldiker (Wappenkundler) haben keine Probleme mit dem ..... neuen Meißner Kreiswappen“, ist dies eine reichlich kühne Behauptung. Auch die von ihm gelehrte „Regel, nach der Farben (roter Rand) nicht auf Metalle (goldenes Schild) treffen dürften“, ist falsch. Das Gegenteil ist richtig: Farben treffen in jedem beliebigen Wappen auf Metall, wobei Schwarz auf Gold (Dresden, Meißen) den höchsten Rang einnimmt. Das altehrwürdige Wappen der Markgrafschaft Meißen bot sich fast von selbst für den Großkreis an. Naheliegend und erfreulich, dass es übernommen wurde. Dabei wurde es aber überflüssigerweise mit einem heraldisch fragwürdigen, breiten roten Rahmen versehen, dessen Sinn rätselhaft bleibt und dem neuen Wappen bestenfalls den zweifelhaften Charme eines Warnschilds oder Verkehrszeichens verleiht. Für das eigentliche Wappenbild (hier: des steigenden schwarzen Löwen) gilt dagegen die heraldische Vorschrift, dass es den Schildrand nicht berühren darf, das Schildfeld jedoch weitgehend ausfüllen muss. Es wurde aber heraldisch unzulässig verkleinert und wirkt in dieser Form tatsächlich „verloren“, wie Herr Zimmermann treffend kritisiert. Auch in der vorgestellten neuen Kreisfahne müssten die Grundfarben des Wappens Schwarz-Gold vorherrschen, die beiden waagerechten Balken also schwarz (wie der Wappenlöwe) statt rot gehalten sein. Die Farbe Rot kommt nur in der „Bewehrung“ (Zunge und Krallen) vor und ist demzufolge untergeordnet.

Ein Blick auf die vorbildlich gepflegte staatliche Heraldik in Tschechien könnte nicht schaden.