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Rothenburger Arzt auf der Focus-Liste

Marcin Karulek wird als Kinderorthopäde empfohlen. Abwerbeversuchen hat er bis jetzt widerstanden.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Wenn auf dem Markt eine neue Konsole erscheint, ist Marcin Karulek einer der Ersten, der sie kauft und zu Hause allein oder mit seinem Sohn bespielt. „Das zählt zur Weiterbildung“, lächelt er verschmitzt. Leidet der Mann etwa unter Spielsucht? „Nein, nein, so weit ist es noch nicht!“ Der 42-Jährige ist im Umkreis von 100 Kilometern einziger Kinderorthopäde in der Region und leitet die entsprechende Abteilung am Orthopädischen Zentrum in Rothenburg. Kinder und Jugendliche zu verstehen, mit ihnen zu lachen und auf sie ganz locker einzugehen, gehört zu seinem Erfolgsrezept. Seit Kurzem gehört der Mediziner zu den empfohlenen Ärzten in der Focus-Liste. Ermittelt wurde dies von der Stiftung Gesundheit, die Parameter wie Patientenzufriedenheit, Zusatzqualifikationen, Vortragstätigkeit und Kollegenempfehlungen mit einbezogen hat. Die Urkunde zum Eintrag in die Ärzteliste hängt im Martin-Ulbrich-Haus.

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„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, mich aber riesig darüber gefreut. Es ist Anerkennung und Ansporn zugleich. Und die Gewissheit: Du wirst gebraucht. Und wenn man dann noch in einem Atemzug mit ehemaligen Lehrmeistern und anderen Koryphäen genannt wird ...“ – der Rothenburger Arzt mag gar nicht weiter sprechen. Auf jeden Fall haben ihm seine Leistungen auch ohne Focus-Notierung in den vergangenen Jahren schon eine erhebliche Steigerung der Behandlungszahlen eingebracht. Gab es 2015 noch 53 stationär behandelte Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, waren es ein Jahr später schon 77. 2017 konnte Dr. Karulek in 117 Fällen helfen. Auch andernorts sind die Fähigkeiten des gebürtigen Polen nicht verborgen geblieben. Fast schelmisch meint er: „Ja, es stimmt. Nachfragen, die Arbeitsstelle zu wechseln, haben zugenommen.“ Dies allerdings spielt in seinen Überlegungen (vorerst) keine Rolle. „Ich bin ja sozusagen im zweiten Anlauf hier.“ Nachdem er vor Jahren in Rothenburg den Facharzt machte, wechselte er nach zwei bayerischen Stationen in Aschau und München 2015 als Leiter der Kinderorthopädie erneut in die Neißestadt.

Zu behandeln gibt es auch hier genug. So haben Verkrümmungen der Wirbelsäule nach Karuleks Erfahrungen bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. „Kein Wunder“, meint der Orthopäde. „Wenn ich den Schulrucksack meines elfjährigen Sohnes anhebe, dann fällt es selbst mir schwer, ihn hochzustemmen.“ Rund 70 Prozent seiner Patienten seien Gymnasiasten, die in Form schwerer Bücher und Hefte zwar viel Theorie bewegen, sich selbst dagegen aber kaum. „Bei Skoliose ist es wie mit Knick-, Senk- oder Spreizfuß – die Beeinträchtigungen der Wirbelsäule sind eine Volkskrankheit.“ Deshalb werden die Fünf-Tage-Kurse am Martin-Ulbrich-Haus immer beliebter, in denen im Verbund mit den Physiotherapeuten der Klinik stationär vier bis fünf Anwendungen am Tag durchgeführt werden. „Sind wir fertig, wissen die jungen Leute genau, was sie zu Hause selbst machen können“, bekräftigt Karulek. Aber auch den Eltern gibt er einen Tipp mit auf den Weg: „Das Gangbild der Kinder beobachten und bei Fehlern den Kinderarzt konsultieren oder in unsere orthopädische Sprechstunde kommen.“

Aber nicht nur die vermeintlich leichten, durch eigenes Training noch korrigierbaren Fälle, gehören zum Patientenspektrum des Rothenburger Arztes, der sich durch Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen unter Berufskollegen ebenso hohes Ansehen erworben hat. Hilfe bekommen auch von Geburt an schwerstbehinderte Kinder oder solche, deren Leiden noch nie diagnostiziert worden sind.

Auf die kleinen Patienten einzugehen, fällt Marcin Karulek nicht schwer. Trotz seiner respekteinflößenden Position am Orthopädischen Zentrum lächelt und lacht der Chef der Kinderorthopädie für sein Leben gern. „Bei mir dürfen die Kleinen immer ihre Meinung sagen, auch wenn die Eltern natürlich über den weiteren Behandlungsweg entscheiden.“

Neben den durchschnittlich fünf Operationen und zwei konservativen Behandlungen kommen jede Woche noch 40 bis 50 Termine in den ambulanten Sprechstunden in Rothenburg und Görlitz dazu. Seit drei Monaten führt er zusammen mit einem weiteren Experten in Dresden eine interdisziplinäre Sprechstunde für behinderte Kinder mit unheilbaren Krankheiten durch. „Wir ringen um Lösungen. Das fordert mich und macht mir unheimlichen Spaß.“

www.focus-arztsuche.de