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Rothenburger zahlen für Wertsteigerung

Das Förderprojekt Sanierungsgebiet Altstadt ist beendet. 13 Millionen Euro wurden investiert. Eigentümer profitieren.

© Archivfoto: Rolf Ullmann

Von Frank-Uwe Michel

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Rothenburg. Der Stadtrat hat nun auch offiziell ein äußerst erfolgreiches Kapitel Rothenburger Stadtentwicklung beendet. Mit ihrem Beschluss, die Satzung zum Sanierungsgebiet Altstadt aufzuheben, haben die Räte die Arbeiten im Rahmen des seit November 1996 laufenden Förderprogrammes für abgeschlossen erklärt. Initiiert worden sei es, weil es zu jener Zeit einen hohen Sanierungsbedarf in der Neißestadt gegeben habe, erläutert Marlen Kolodziej. „Es gab sehr viele städtebauliche Mängel und Missstände, sowohl bei der Bebauung als auch in der Infrastruktur“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Bau und Finanzen in der Stadtverwaltung. So hätten 40 Prozent der Gebäude in dem reichlich 20 Hektar großen Gebiet dringenden Sanierungsbedarf aufgewiesen, die technische Ausstattung sei stark veraltet gewesen. „Dies war der Grund für den teilweise hohen Leerstand in den betreffenden Häusern“, erklärt Kolodziej. Darüber hinaus sei die verkehrsmäßig stark belastete Achse Priebuser Straße/Markt/Görlitzer Straße Ursache für unzumutbar hohe Emmissions- und Immissionswerte gewesen. „Straßen und Wege befanden sich in schlechtem Zustand, die Beleuchtung war unzureichend oder es gab überhaupt keine. Parkflächen am Markt und auf dem Schlossplatz fehlten ebenso. Aber auch mit den öffentlichen kulturellen Einrichtungen sowie dem Stadtpark war es nicht zum Besten bestellt. Deshalb kam uns die Möglichkeit, hier mit einem speziellen Förderprogramm für Verbesserungen zu sorgen, gerade recht“, resümiert die Fachbereichsleiterin.

Die Ergebnisse, die seit 1996 erzielt wurden, können sich durchaus sehen lassen. So wurden im Sanierungsgebiet 26 private Gebäude gesichert, sogar 48 modernisiert und instandgesetzt. 23 davon bekamen eine Förderung zugesprochen. Nach dem Abbruch nicht mehr verwertbarer Bausubstanz entstanden sieben Neubauten. Auch im öffentlichen Bereich wurde viel getan. So baute man unter anderem die Priebuser Straße, Brunnengasse und Bahnhofstraße aus, gestaltete den Marktplatz neu und sanierte die Treppe zum Stadtpark. Wesentliche Verbesserungen gab es zudem für die Kita Sonnenhügel, für Rathaus, Museum und Bibliothek. Sie alle wurden im Laufe der Jahre mithilfe von Fördergeldern saniert. Dies trifft auch auf die Stadtkirche zu. Außerdem wurde die Handwerkerhalle neu errichtet. Insgesamt belief sich das Investitionsvolumen auf rund 13 Millionen Euro, etwa 5,8 davon flossen aus Fördermitteln. Hiervon wiederum stammten 3,8 Millionen von Bund und Land, die Stadt Rothenburg steuerte einen Eigenanteil von reichlich 1,9 Millionen Euro bei und schoss noch weitere Gelder in Höhe von 790 000 Euro zu.

Der Aufhebungsbeschluss der Stadträte bedeutet aber auch, dass nun die Grundstückseigentümer für die in den vergangenen mehr als 20 Jahren erfolgte Wertsteigerung des gesamten Areals bezahlen müssen. Nicht nur jene, die Fördermittel in Anspruch genommen haben, sondern alle, die hier ein Grundstück besitzen. „Auch wenn jemand privat nichts an seinem Haus erneuert haben sollte, ist doch das gesamte Gebiet durch die im öffentlichen Raum durchgeführten Arbeiten mehr wert geworden“, begründet Marlen Kolodziej. Die sanierungsbedingten Bodenwerterhöhungen beliefen sich auf 0,12 bis 1,70 Euro je Quadratmeter. Von 2013 bis Mitte 2017 hätten viele Grundstücksbesitzer bereits Ausgleichsbeiträge von insgesamt knapp 120 000 Euro bezahlt. Für 52 verbleibende Grundstücke seien die Zahlungseingänge noch offen. Per Bescheid würden die Eigentümer nun aufgefordert, dies zu begleichen. Erwartet werde eine Summe von insgesamt rund 48 000 Euro. Beschwerden dagegen habe es noch nicht gegeben. „Wer nicht einverstanden ist, dem steht der Rechtsweg natürlich offen“, erläutert die Bereichsleiterin.

Auch wenn mit dem Förderprogramm „Sanierungsgebiet Altstadt“ eine Fülle von Baumaßnahmen durchgeführt werden konnte – alles abgearbeitet ist noch nicht. So steht zum Beispiel das verbliebene Teilstück der Görlitzer Straße auf der Agenda, ebenso die Neugestaltung des Schlossplatzes und der Ausbau der Schafgasse, die derzeit nur über eine sandgeschlämmte Schotterdecke verfügt. Auch an privaten Häusern gibt es nach wie vor Sanierungsbedarf. „Für die öffentlichen Projekte ist es nun Aufgabe der Stadt, passende Förderprogramme zu finden. Im privaten Bereich hat jeder die Chance, das ebenso zu tun“, blickt Kolodziej voraus.