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Rothenburgs ganz besonderes Osterfest

Pfarrer Daniel Schmidt hält seine erste Predigt, die Stadtkirche bekommt ihre Weihe. Und es gibt gelebte Bräuche.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Rothenburg. Ostern ist für den evangelischen Pfarrer von Rothenburg ein ganz besonderes Fest. Natürlich feiern die Christen an diesem Wochenende die Auferstehung Christi. In der Neißestadt fallen zu Ostern noch verschiedene andere Ereignisse zusammen. Das, was Daniel Schmidt nach dem offiziellen Anlass als erstes in den Sinn kommt, ist seine persönliche Ankunft in Rothenburg: 2010 hielt er hier seine erste Predigt – am Osterwochenende. „Es war feierlich. Und spannend, weil natürlich alles neu für mich war. Ich hätte mir keinen besseren Augenblick vorstellen können.“

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Allerdings kann das Gotteshaus, in dem er seitdem Dienst tut, ebenfalls eine interessante Geschichte erzählen. Die Rothenburger Stadtkirche wurde nämlich am Ostermontag des Jahres 1805 eingeweiht – ein Festakt, der es in sich hatte. Denn eigentlich war das Gebäude, für das bereits im Juni 1799 der Grundstein gelegt worden war, schon längst fertig. Zuerst hatte sich der Baufortschritt wegen einer um das Jahr 1800 auftretenden Teuerungswelle in Sachsen verzögert. Im November 1802 konnte schließlich der Dachstuhl aufgesetzt werden. Dann dauerte es noch einmal zwei Jahre, ehe das neu errichtete Gotteshaus zu Weihnachten 1804 seiner Bestimmung hätte übergeben werden können. Doch weit gefehlt. Innerhalb der Gemeinde herrschte Uneinigkeit darüber, welche Plätze man den Mitgliedern der eingepfarrten Gemeinden zuweisen sollte. Da man auch durch intensive Gespräche zu keiner Lösung kam, verstrich der ursprünglich ins Auge gefasste Termin und man sah das nächste kirchliche Fest dafür vor: Ostern 1805. Am 15. April schließlich strömten mehr als 5000 Einheimische und Besucher in das Zentrum der kleinen Stadt, um der Zeremonie beizuwohnen. Diese allerdings verlief ebenfalls nicht glatt. Die Gäste setzten sich in einem großen Zug von der Begräbniskirche Richtung Stadtkirche in Bewegung. Die Reihenfolge der Posaunenbläser, Pfarrer und Honoratioren der Stadt war zuvor festgelegt worden. Allerdings hielten sich die Gemeinde, der Rat der Stadt und die Gerichtsbarkeit nicht daran. In alten Schriften wird deshalb von einer „gewissen Konfusion“ gesprochen. Schließlich kam es nach all den Hindernissen doch zum Festakt und der stattliche Kirchenbau konnte seiner Bestimmung übergeben werden.

Noch heute gibt es in Rothenburg zwei Osterbräuche, die mit viel Liebe gepflegt werden. Seit vielen Jahren findet das Osterblasen statt. Der 1898 gegründete und 1983 wiederbelebte Posaunenchor der Neißestadt ließ dazu bis vor einigen Jahren in den Rothenburger Ortsteilen in mehreren Gruppen seine Instrumente erklingen. „Morgens um sechs ging es los. Wir sind sogar bis nach Biehain gefahren“, erinnert sich Lukas Reichelt. Doch diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Weil auch der Posaunenchor immer größere Probleme hat, seine Reihen mit neuen Mitstreitern aufzufüllen und deren Zahl von früher über 50 Bläsern auf aktuell etwa 30 gesunken ist, wird nur noch einmal am Morgen des Ostersonntags Musik gemacht – um 6 Uhr beim Gottesdienst in der Kapelle des Martinshofes. Danach geht es dort ins Freie. „Mehr ist personell einfach nicht mehr drin“, bedauert der Vereinsvorsitzende. Wer also den Posaunenchor erleben will, hat dazu am Osterwochenende nur einmal die Chance. Geboten werden der Jahreszeit entsprechende Choräle aus dem evangelischen Gesangsbuch.

Seit mehreren Jahren lädt die Rothenburger Kirchgemeinde zudem am Ostermontag zu einer Radtour ein. „Die Idee dahinter ist die, dass sich die Menschen an den großen Kirchenfeiertagen nicht mehr so stark mobilisieren lassen wie in früheren Zeiten. Deshalb treffen wir uns ganz ungezwungen und unternehmen eine Art Osterspaziergang, wie das schon Goethe in seinem Faust geschrieben hat. Die Leute fühlen sich dadurch angesprochen“, erzählt Pfarrer Schmidt. In diesem Jahr wird nach See geradelt. Dort findet dann in der Kirche ein Gottesdienst statt. „Wir hoffen auf 30 bis 40 Teilnehmer. Es gab auch schon Jahre, da waren wir mit 150 Leuten unterwegs.“ Treffpunkt ist am 2. April die Horkaer Kirche.