merken
PLUS Niesky

Rothenburgs Zentrum hat jetzt einen Schlossplatz

Früher war das ein Acker, immer wieder gab es Stolpersteine. Doch nach sieben Jahren ist der Platz schick. Was wird nun aus dem Sommerfest?

Der Schlossplatz in Rothenburg präsentiert sich völlig neu gestaltet. Von dem einstigen "Acker" ist nichts mehr übrig.
Der Schlossplatz in Rothenburg präsentiert sich völlig neu gestaltet. Von dem einstigen "Acker" ist nichts mehr übrig. © André Schulze

Am 4. September soll offiziell eingeweiht werden, was die Stadtväter in den vergangenen Jahren ganz sicher einige graue Haare gekostet hat. Denn immerhin war es ein steiniger Weg, aus dem Schlossplatz einen Rast- und Parkplatz zu machen, der die Attraktivität Rothenburgs vor allem für Touristen auf ein ganz neues Level heben soll.

Heike Böhm ist froh, dass sie dieses Kapitel endlich zu den Akten legen kann. Denn: "Der Schlossplatz hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet", bestätigt die Rothenburger Bürgermeisterin. Dass die Neugestaltung notwendig sei, habe man schon 2013 erkannt. Damals wurde an der Zukunftsstrategie, einer Art Entwicklungsplan für die Stadt, gefeilt. Der Schlossplatz als Bindeglied zwischen Markt und Park machte dabei einen jämmerlichen Eindruck. "Uns wurde klar, dass es weder für Einwohner noch Touristen einladend war, was sich hier als Eingangsbereich zum Stadtpark bot."

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Allerdings gab es für mögliche Veränderungen ein entscheidendes Kriterium: Sowohl Stadtpark als auch Schlossplatz standen unter Denkmalschutz. Aus den Gesprächen mit den Experten kristallisierte sich heraus, dass Sanierung und Umgestaltung dieses wichtigen innerstädtischen Areals eine größere Investition werden und ohne Förderung nicht zu stemmen sein würde.

Die Sanierung der denkmalgeschützten Schlossmauer war der erste Meilenstein der Arbeiten auf dem Schlossplatz.
Die Sanierung der denkmalgeschützten Schlossmauer war der erste Meilenstein der Arbeiten auf dem Schlossplatz. © Archivfoto: André Schulze

Trotz guten Willens und großer Anstrengungen fehlte es lange Zeit am Geld. Interreg-Mittel flossen nicht wie erhofft und auch im städtischen Haushalt war kein Platz für ein derart umfangreiches Vorhaben. 2016 dann der Durchbruch: Unter dem sperrigen Titel "Unentgeltlicher Park- und Rastplatz" gab es einen Förderbescheid. Allerdings bedeutete das nicht, dass die Bauarbeiten sofort beginnen würden. Projektänderungen und Absprachen mit Genehmigungs- und Förderbehörden, aber auch mit Bauexperten und dem Denkmalschutz sorgten weiter für Verzögerungen.

Stützmauer wird zuerst wiederhergestellt

Im ersten Halbjahr 2019 dann endlich grünes Licht: Zuerst nahmen sich die Baufirmen der Wiederherstellung der historischen Stützmauer an, nachdem einige Altgewölbe der früheren Schlossanlagen abgerissen worden waren. Das Ziel: Bis zum Beginn des Sommerfestes sollte dieser erste Bauabschnitt fertig sein. Nach dem Ende des Spektakels dann der Auftakt für die eigentliche Platzgestaltung. Zuerst jedoch hatten die Archäologen das Sagen. Mehrere Wochen untersuchten sie das Areal. Spektakulärster Fund: eine Silbermünze aus dem Jahre 1772. Christoph Heiermann, Sprecher des sächsischen Landesamtes für Archäologie, hob noch andere wichtige Erkenntnisse hervor. Man habe die hier vermuteten bronzezeitlichen Siedlungsaktivitäten bestätigt bekommen und Gruben entdeckt, die das eindeutig belegen. Gefunden wurde zudem Keramik aus der Bronzezeit und dem Hochmittelalter.

Mehrere Wochen hatten die Archäologen auf dem Schlossplatz das Sagen. Wichtigster Fund: eine Silbermünze aus dem Jahre 1772.
Mehrere Wochen hatten die Archäologen auf dem Schlossplatz das Sagen. Wichtigster Fund: eine Silbermünze aus dem Jahre 1772. © Archivfoto: André Schulze

Die sichtbare Umgestaltung des Geländes zwischen Marktplatz, Kirche und Mehrgenerationenhaus vollzog sich vor allem seit dem Frühjahr 2020. Entstanden ist eine befestigte Parkfläche mit Stellplätzen für 41 Pkw. Zusätzlich gibt es jeweils zwei Plätze für behindertengerechte Fahrzeuge und Elektroautos. Im Motorradbereich ist Platz für fünf Harley Davidson & Co. Außerdem bietet das Areal Abstellmöglichkeiten für einen Reisebus und drei Caravans.

Radtouristen, die vom Neißeradweg kommen und in der Stadt eine Rast einlegen wollen, finden an drei über den Platz verteilten Orten jeweils eine Tisch-Sitzbank-Kombination für mindestens vier Personen. Darüber hinaus liegt auf dem gesamten Schlossplatz frei verfügbares WLAN an. Das Land Sachsen hat für dessen Aufbau 8.100 Euro, die Stadt selbst 2.000 Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Umgestaltung des Geländes auf etwa eine Million Euro. Die förderfähigen Aufwendungen wurden mit 90 Prozent Unterstützung bedacht.

Neue Schnellladesäule für E-Mobilität

Auch die ENSO hat die Gunst der Stunde genutzt und eine Schnellladesäule mit drei Ladepunkten errichtet. Laut Sprecherin Claudia Kuba gibt es fürs Strom tanken zwei Optionen: "Entweder über E-Charging mit dem Smartphone für 32 Cent je Kilowattstunde. Oder mit der Ladekarte eines Elektromobilproviders. Über e-Roaming gelten dann die Konditionen des jeweiligen Anbieters." Die neue Ladesäule ist damit eine von 27 Stationen, die der Energieversorger aktuell in Ostsachsen betreibt.

Das Sommerfest muss - wenn es denn wieder stattfindet - übrigens keine gravierenden Einschränkungen befürchten. "Der Platzmeister war am Planungsprozess beteiligt und war mit den Umgestaltungen einverstanden", gibt Bürgermeisterin Heike Böhm Entwarnung. Der Rummel werde sich dem neu gestalteten Schlossplatz anpassen. "Wir werden alle von dem attraktiven Aussehen profitieren."

Die Stadtverwaltung lädt alle interessierten Einwohner von Rothenburg am Freitag, 4. September, 13 Uhr, zur Einweihung des umgestalteten Schlossplatzes ein. Anmeldungen sind bis 3. September, 18 Uhr, im Rathaus möglich (Tel. 035891 77211; E-Mail [email protected])

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky