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RS-Virus in Dresden: Vergessene Gefahr?

Hunderte Dresdner Kinder sind in diesem Jahr bereits erkrankt. Viele müssen stationär behandelt werden. Wie sich das Virus von Corona unterscheiden lässt.

Viele von den Betroffenen mussten auch stationär behandelt werden.
Viele von den Betroffenen mussten auch stationär behandelt werden. © dpa/Mascha Brichta (Symbolbild)

Dresden. Corona ist seit Monaten das beherrschende Thema. Doch auch andere Krankheiten machten in diesem Jahr den Dresdnern zu schaffen. 2020 erkrankten schon 416 Dresdner am RS-Virus. Darunter waren 307 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, so das Gesundheitsamt auf SZ-Anfrage. 118 Personen mussten in einem Krankenhaus stationär behandelt werden. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 570 Fälle mit 415 Kindern und im Jahr davor 472 Fälle, davon 354 Kinder. 

RS steht für den sperrigen Namen Respiratorische Synzytial-Virus-Infektion.

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Welche Symptome treten auf?

"Die Fälle, die beim Gesundheitsamt gemeldet werden, sind nur die Spitze des Eisberges, da viele Fälle bisher nicht durch eine Laboruntersuchung bestätigt wurden", so Dr. Antje Nordwig, Leitende Oberärztin für Kinder-Pneumologie/Allergologie am städtischen Klinikum. Die Symptome reichen von einem einfachen Schnupfen bis zu einer schweren Lungenentzündung. Es treten unter anderem hohes Fieber, Bronchitis mit pfeifender Atmung und Probleme beim Essen und Trinken auf. Mit diesen Anzeichen sollten Kinder dringend einen Arzt aufsuchen. Zum Teil müssen die Kinder stationär behandelt werden. Sie bekommen dann Sauerstoff, Flüssigkeit oder müssen bestimmte Medikamente inhalieren. 

Wie lässt sich RS von Corona unterscheiden?

Auch bei Covid19 sind Fieber, Husten und Schnupfen mögliche Symptome. "Die Symptome sind nicht eindeutig von Covid19 zu unterscheiden, so dass nur ein Abstrich Klarheit bringt", sagt Antje Nordwig. 

Wer ist besonders betroffen?

 Oft treten Infektionen mit dem RS-Virus im Herbst und Winter auf, so die Medizinerin. Es sind oft sehr kleine Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren betroffen, die sich in der Kita anstecken. "Oft schwer von einer RSV-Infektion betroffen sind sehr kleine Frühgeborene und herzkranke Kinder", so Nordwig. 

Laut Robert-Koch-Institut treten RSV-Infektionen  bei Frauen und Männern gleichermaßen auf. Schwere, mit Krankenhausaufenthalt verbundene Erkrankungen bei Kindern betreffen etwa doppelt so oft Jungen wie Mädchen. Risikopatienten, die schwer an einer RSV-Infektion erkranken können, sind neben Frühgeborenen Kinder mit Herzfehlern, mit vermehrter Lungendurchblutung und Erwachsene mit schwachem Immunsystem.

"Wir behandeln pro Jahr in unserer Klinik über 100 Kinder stationär mit RSV-Infektionen", sagte Professor Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik im Frühjahr. Die Entzündung der kleinen Atemwege, der Bronchiolen, stehe dabei im Vordergrund. Den Altersgipfel habe die Erkrankung in den ersten beiden Lebensjahren. 

Laut Robert-Koch-Institut ist das RS-Virus ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege in jedem Lebensalter, besonders aber bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen, und Kleinkindern. Nach aktuellen Schätzungen kommen RSV-Atemwegserkrankungen jedoch weltweit mit 5,6 schweren Fällen pro 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr vor.

Wann gibt es die meisten Fälle?

RSV-Infektionen treten zyklisch auf. In Mitteleuropa am häufigsten von November bis April, in den übrigen Monaten kommen sporadische Infektionen vor. Der Gipfel der RSV-Saison erstreckt sich über etwa 4 bis 8 Wochen und liegt meist im Januar und Februar, seltener auch im November und Dezember. 

Gibt es eine Impfung?

Für frühgeborene Kinder gibt es einen Impfstoff, der monatlich über die Wintermonate gespritzt werden muss. "Der Impfstoff ist sehr teuer und es gibt dafür genau festgelegte Indikationen", so Nordwig. Für Risikogruppen wie sehr kleine Frühgeborene oder Säuglinge und Kleinkinder mit Herzfehlern, könne man laut Robert-Koch-Institut auch Immunglobuline geben, die monatlich bereits zu Beginn der RSV-Saison, spätestens im November verabreicht werden könnten.

Wie können die Familien vorbeugen?

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Eine gänzliche Vermeidung von RSV-Infektionen im Alltag sei schwierig. Das Einhalten von Hygieneregeln im öffentlichen Leben und innerhalb der Familie könne die Ausbreitung von RSV-Infektionen minimieren, so die Experten. Hierzu gehören regelmäßiges Händewaschen, hygienisches Husten und Niesen sowie die Reinigung eventuell kontaminierter Gegenstände wie Kinderspielzeug. 

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