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Rückendeckung für Windradgegner

Der Kampf gegen den Windpark bei Leuba könnte zum Präzedenzfall werden. Das beschäftigt auch andere Bürger.

Von Tina Soltysiak

Die Diskussionen um den Windpark in Leuba haben eine neue Ebene erreicht. Die erst im vergangenen Monat gegründete Bürgerinitiative „Gegenwind Ostritz/Leuba“ hat politische Unterstützung bekommen. Holger Zastrow, Landtagsfraktionschef der FDP, hat sich mit den Windparkgegnern alles angesehen und dabei so manche Überraschung erlebt.

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Der Garten ruft
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Ein großes Manko der geplanten Erweiterung des Windparks sind die Mindestabstände, die gesetzlich festgelegt sind, aber nicht eingehalten werden. Konkret geht es um ein Windrad, das nur 70 Meter vom Wald gegenüber der Siedlung in Feldleuba errichtet werden soll. „Es müssten aber mindestens 100 Meter sein“, erklärt Michael Deckwart von der Bürgerinitiative.

Künftig werde zwar jedes Bundesland diese Mindestabstände eigenständig bestimmen, sagt Zastrow. „Bis es ein solches Gesetz gibt, wird aber noch mindestens ein Jahr vergehen“, ergänzt er. Deshalb rät er der Initiative, sich weiter gegen die Ausbaupläne zu wehren. Schon jetzt ist es für Investoren in Sachsen schwieriger als in anderen Bundesländern, neue Windräder in die Landschaft zu setzen. „Die Investoren gehen dahin, wo es am wenigsten Widerstand gibt. Die Zeit läuft also für die Bürgerinitiative“, sagt der FDP-Politiker. „Wir wollen das Zielabweichungsverfahren auf jeden Fall verhindern“, sagt Ronald Prechel aus Leuba. So ein Verfahren sorgt dafür, dass ein neues Windrad errichtet werden kann, auch wenn es außerhalb eines Vorranggebietes für Windenergie liegt. Das Windrad, um das es hier geht, würde 400 Meter außerhalb stehen. Mit einer Höhe von rund 187 Metern würde es die vorhandenen Anlagen überragen. Die Bürger befürchten vor allem auch eine Zunahme der Lärmbelästigung. Von der Lautstärke der vorhandenen neun Windräder sind die Anwohner schon jetzt genervt. „Es stört beim Spielen und bei offenem Fenster kann ich nicht schlafen“, berichtet Prechels Tochter Nathalie. Eine noch höhere Belastung wäre eine Zumutung für die Bürger.

Die Windräder stellen auch eine Gefahr für die Fauna dar. Birgit Deckwart erklärt: „Wir haben in dem Wald die Mopsfledermaus und den Roten Milan – beide stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.“ Das geplante Windrad würde das Jagdgebiet und den Lebensraum der Tiere zerstören. „Je höher die Anlage, umso signifikanter steigt das Tötungsrisiko vor allem für Greifvögel“, ergänzt ihr Mann. Doch damit nicht genug: Im Winter wird Eis an den Rotorblättern zum Problem, das teilweise mehrere Hundert Meter weit durch die Luft fliegen kann.

Michael Eilenberger, Vorsitzender des Bundesverbandes Landschaftsschutz, arbeitet eng mit den Feldleubaern zusammen. „Es stellt sich auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Anlagen.“ Für jedes Windrad gibt es eine Vorgabe, wie viele Stunden im Jahr es sich mit voller Kraft drehen muss. „Die hiesigen liegen etwa ein Viertel darunter“, sagt er. Obwohl höhere Anlagen mehr Wind abbekommen als die kleineren, werde sich die Wirtschaftlichkeit dadurch nicht erheblich verbessern.

Auch bei Melaune gibt es diese Sorgen

Die Probleme bei Leuba kommen den Bürgern in Tetta, Melaune und Neucunnewitz bekannt vor. Auch sie wehren sich gegen die Erweiterung des Windfeldes bei Melaune. Eine Firma aus Freiberg plant unweit von Neucunnewitz auch so ein riesiges Windrad wie bei Leuba. Aber hier befindet sich nach Information der Bürgergruppe ein Europäisches Vogelschutzgebiet. Wildvögel nutzen den Bereich als Rast- und Nahrungsgebiet sowie als Flugkorridor. Die Bürger bekommen jetzt Rückendeckung vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Er sieht in den Plänen, etwa 500 Meter von den Wohnhäusern entfernt sechs weitere, 200 Meter hohe Windräder zu bauen, eine erhebliche Verunstaltung des Landschaftsbildes und Konflikte mit dem Naturschutz als gegeben. Die Bürgerinitiative hat Landkreis und Innenministerium darüber informiert. (mit SZ/ah)