SZ +
Merken

Rückkehr mit Biss

Verpflichtung der Saison: Mit Corina Ssuschke-Voigt spielt eine der besten Mittelblockerinnen Europas wieder in Dresden.

Teilen
Folgen
© c by Matthias Rietschel

Von Michaela Widder

Der deutsche Volleyball-Nationaltrainer Giovanni Guidetti hat einmal über Corina Ssuschke-Voigt gesagt: „Sie ist unsere Kriegerin. Sie hat einen unglaublichen Siegeswillen und will gerade in wichtigen Phasen den Ball haben.“ Das zeichnet sie seit jeher aus. 2008, als sich die Volleyballerin vom Dresdner SC verabschiedete und in die Welt hinauszog, spürte sie diese unbändige Siegeslust. In den vergangenen fünf Jahren hat Ssuschke-Voigt fünf Länder kennengelernt. Italien, Tschechien, Polen, Aserbaidschan, zuletzt Frankreich. Es war der Reiz, sich immer wieder neu durchsetzen zu müssen. Natürlich ist sie auch dem Geld gefolgt. Die Zeit eines Volleyball-Profis ist begrenzt.

Profi im Volleyball, Profi im Nägellackieren: Die 248-fache Nationalspielerin Corina Ssuschke-Voigt kehrt nach fünfeinhalb Jahren im Ausland wieder in die Heimat zurück und verstärkt den Mittelblock beim Dresdner SC. Markenzeichen sind ihre schrill lackie
Profi im Volleyball, Profi im Nägellackieren: Die 248-fache Nationalspielerin Corina Ssuschke-Voigt kehrt nach fünfeinhalb Jahren im Ausland wieder in die Heimat zurück und verstärkt den Mittelblock beim Dresdner SC. Markenzeichen sind ihre schrill lackie © c by Matthias Rietschel

Auf eine noch längere Fern-Ehe mit ihrem Uwe hat Curry, wie sie von vielen genannt wird, keine Lust mehr. Sie ist 30, hat die Volleyball-Welt gesehen und mittlerweile ein Grundstück mit Haus in Dresden gekauft. „Ich wollte gern nach Hause. Es ist auch schön, abends mal mit meinem Mann zusammenzusitzen“, sagt die Vizeeuropameisterin. Für den Dresdner SC, der um die Meisterschaft mitspielt, ist ihre Rückkehr die Verpflichtung des Jahres. „Sie ist eine der besten Mittelangreiferinnen, die es in Europa gibt“, sagt Trainer Alexander Waibl.

Bis Dezember war die gebürtige Chemnitzerin in Cannes („meine allerschönste Station“) unter Vertrag, seit Sommer aber bereits im lockeren Austausch mit den DSC-Verantwortlichen. Auch von anderen deutschen Vereinen gab es Anfragen. In der vergangenen Woche wurde es dann konkret. Ssuschke-Voigt telefonierte erst mit Waibl, danach traf sie sich mit Kapitän Stefanie Karg und Zuspielerin Mareen Apitz, mit denen sie einst zusammen im Verein gespielt hatte. „Wir freuen uns sehr, dass sie wieder da ist. Finanziell war es für uns keine leichte Aufgabe“, sagt Vorstandschef Jörg Dittrich. Das Extra-Engagement einiger Sponsoren für die Top-Spielerin, aber auch finanzielle Abstriche ihrerseits machten den Deal erst möglich. „Mit ihrer Qualität müssten wir ihr eigentlich mehr geben“, findet Dittrich. Zumal es bei dem Vertrag bis zum Saisonende nicht darum geht, wie er betont, „ihre Volleyball-Vorrente einzuläuten“.

Ssuschke-Voigt ist zwar die Dienstälteste in der Nationalmannschaft sowie beim DSC und denkt deshalb auch nur noch von Jahr zu Jahr, ihr Einsatz am Netz aber lässt keinesfalls nach. Eine Karriere zum Ausklingen würde auch nicht zu einer wie ihr passen. In den Gesprächen hat sich Waibl von ihrem Biss „zu hundert Prozent“ überzeugt, noch immer die beste Spielerin werden zu wollen. Er spricht von einer „Win-Win-Situation“. Denn mit Karg und der jungen Juliane Langgemach stehen zwei Mittelblockerinnen in den kommenden Monaten vor ihrem Studien- bzw. Schulabschluss. „Ohnehin haben wir auf dieser Position eine hohe Belastung“, sagt der Coach.

Athletiktrainer Mirco Theurer soll Ssuschke-Voigt so schnell wie möglich fit machen. Nach einer hartnäckigen Erkältung in den letzten drei Wochen ist das die erste Aufgabe. „Mirco hat mir ein ordentliches Programm gegeben. Mir tut schon jetzt der Popo weh.“ Das erste gemeinsame Training absolvierte sie gestern Nachmittag mit der Mannschaft. „Es ist ziemlich schwierig, mitten in der Saison einfach reinzuplatzen. Da muss man erst mal abchecken, wie alle so drauf sind.“

Ssuschke-Voigt, die das Herz auf der Zunge trägt, braucht zumindest keine Eingewöhnungsphase in der Stadt. „Dresden war immer meine Heimat. Hier habe ich Freunde, und meine Familie ist nicht weit weg.“ Deshalb ist sie sich sicher: „In Dresden werde ich meinen Lebensabend verbringen.“ Familie Ssuschke-Voigt kaufte sich ein Grundstück im Stadtteil Priesnitz. Das Haus muss nun saniert werden, der Einzug ist Weihnachten geplant.

Im Moment liegen die Prioritäten beim Volleyball. „Ich will mit dem DSC einiges erreichen.“ Auf die Frage, ob nach 2007 für sie ein zweiter Meistertitel mit dem DSC rausspringen könnte, hält sie sich klug zurück: „Ich weiß nicht, wie das Niveau in der Liga ist. Aber es ist garantiert besser als zu der Zeit, als ich ins Ausland gegangen bin.“

Von einem der Bundesliga-Konkurrenten kann sie sich schon morgen ab 19.30 Uhr ein Bild machen. Gegen Potsdam ist sie bereits spielberechtigt und wird sich im Dress mit der Nummer 10 warm machen. Seit dem Karriereende von Peggy Küttner 2003 ist diese Trikotnummer erstmals wieder vergeben. „Es ist eine Ehre für mich, diese Nummer zu tragen“, sagt Ssuschke, die von 2001 bis 2008 für den DSC spielte.

Im CEV-Cup darf die 248-fache Nationalspielerin übrigens diese Saison nicht mehr antreten, weil sie bereits für Cannes international spielte und somit für den europäischen Wettbewerb gesperrt ist. Wenn die Mannschaft am Montag in die Ukraine fliegt, wird sich Ssuschke-Voigt in der „Kammer des Schreckens“ verkriechen: Schuften in der Höhenkammer.