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Rückkehrerin mit Tatkraft

Eva Pretzsch leitete einst das Tourismusbüro im Kurort Hartha. Nun hat sie beim Geopark-Projekt eine große Aufgabe.

Eva Pretzsch ist Tourismusexpertin und leitet jetzt das Geopark-Projekt in Dorfhain.
Eva Pretzsch ist Tourismusexpertin und leitet jetzt das Geopark-Projekt in Dorfhain. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Arbeitsort ist idyllisch gelegen und passt irgendwie zum Job: Ein tiefes Tal, durch das die Wilde Weißeritz rauscht, an den steilen Berghängen wachsen Fichten und Buchen. Und überall gibt es Steine und Felsen. Sie liegen im Flussbett, sorgen auf manchem Wanderweg für Kletterpassagen und versprachen einst Bergleuten einen guten Fund. Diesen Schatz im touristischen Sinne soll nun Eva Pretzsch heben, die seit Juni als Projektmanagerin den Geopark Sachsen Mitte leitet. An der Talstraße in Dorfhain ist die Schaltzentrale des ehrgeizigen Projektes, welches vor gut vier Jahren initiiert wurde.

Damals hatte Eva Pretzsch gerade ihr Fernstudium im Tourismusmanagement beendet und nahm an der Fachhochschule Zittau-Görlitz eine Lehrtätigkeit auf. Im Herzen aber sei sie immer ihrer Heimat verbunden geblieben, dem Tharandter Wald. Eva Pretzsch ist seit 1991 im Tourismus tätig. Sie arbeitete im Landratsamt Dippoldiswalde, später in der Tourismusvermarktung des Osterzgebirges. 1993 wechselte die Pohrsdorferin zum Fremdenverkehrsverband Tharandter Wald, später zum Tourismusbüro im Kurort Hartha. Dort blieb sie bis 2011. Doch es war ein schwieriges Pflaster.

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Einerseits wollten die Gemeinden Urlauber und Tagesausflügler anlocken, andererseits fehlte oft die Kraft, attraktive Angebote auf die Beine zu stellen oder aber, diese zu pflegen und zu erhalten. „Die Gemeinden haben viele Pflichtaufgaben. Schulen, Kindergärten, Infrastruktur zum Beispiel. Da ist der Tourismus erst einmal zweitrangig“, erläutert Pretzsch. Vieles wurde trotzdem angelegt, auch mithilfe tatkräftiger Vereine und viel ehrenamtlicher Unterstützung in den kleinen Orten. In manchen Fällen halfen Unternehmen oder der Forst. In der Region gibt es etliche Lehrpfade, ein großes Wanderwegenetz, mehrere Museen und historische Sammlungen. Was es nicht gibt, ist ein Image. Etwas, worunter jeder sofort eine Vorstellung hat. „Bei Sächsischer Schweiz hat jeder ein Bild vor Augen“, sagt Pretzsch. Bei Tharandter Wald denke mancher noch an Forst. Aber sonst so?

Das weiße Dreieck

Das Gebiet des Geopark-Projektes ist das weiße Dreieck zwischen dem Osterzgebirge, dem Elbland und der Sächsischen Schweiz. Neun Kommunen sind daran beteiligt: Dorfhain, Tharandt, Rabenau, Freital, Wilsdruff, Bobritzsch-Hilbersdorf, Halsbrücke, Dippoldiswalde, Klingenberg. In Hartmannsdorf-Reichenau überlegen die Bürger noch, ob sie sich anschließen. Derzeit beläuft sich die Fläche des Geopark-Gebietes auf 517 Quadratkilometer. Hier leben rund 96 000 Menschen, es gibt rund 2 000 Gästebetten. „Das ist ein großes Potenzial“, sagt Tourismusexpertin Pretzsch.

Und sie soll es mit ihren zwei Mitarbeiterinnen heben. Das weiße Dreieck soll ein Image bekommen und zum Nationalen Geopark Deutschlands werden. 15 Stück gibt es bereits. An eine Zertifizierung werden jedoch große Anforderungen gestellt.

Die Aufgabe ist eine Herausforderung. Eva Pretzsch muss alle touristischen Angebote bündeln. Es geht um ein einheitliches Auftreten, um ein Besucherinformationszentrum in Dorfhain und weitere Infopunkte im Geopark. Es geht darum, dass alle Vermieter, Gastronomen, Museumsbetreiber, Freizeitparks an einem Strang ziehen. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen hier vor Ort sich als Einwohner im Geopark Sachsen Mitte definieren und mitmachen. Das müssen wir schaffen, sonst scheitern wir“, sagt Pretzsch.

Allerdings ist sie in dieser Hinsicht hoffnungsvoll. Denn ein großes Motiv, den Job als Projektmanagerin anzunehmen, sei ihre Erfahrung aus Tharandter und Harthaer Zeiten gewesen. „Die Region lebt durch ihre engagierte Bürgerschaft, die in Vereinen und darüber hinaus ganz viel ehrenamtliches Engagement mitbringen.“ Gerade habe sie das wieder in Mohorn-Grund erlebt, wo der Förderverein Geologie im Tharandter Wald demnächst einen neuen Lehrpfad zum Silberbergbau eröffnen möchte. „Solche Menschen tragen die Region, die ja in sich sehr verschieden ist.“

Und genau diese Unterschiedlichkeit ist das Problem aus Sicht der Touristiker. Der Geopark besteht aus Wäldern, Wiesen, Tälern, Dörfern. Doch er ist an jeder Ecke landschaftlich etwas anders, nicht aus einem Guss. Die Herausforderung wird sein, ihm nach außen hin für den Touristen trotzdem einen Wiedererkennungseffekt zu verpassen.

Es geht aber nicht nur um Tourismus, Umweltbildung und Biotopschutz, es geht um mehr. Die ganze Region solle vom Geopark profitieren. Der Tourismus könnte für viele Branchen zu guten Wirtschafts- und Lebensbedingungen führen. Er bringe Geld in die Kassen – auch in der zweiten oder dritten Reihe. „Es hängt eben nicht nur der Vermieter oder Gastronom dran, sondern auch der Bäcker, der Handwerker, der Biobauer.“ Wenn man das weiterdenkt, lande man irgendwann auch beim Kulturangebot, beim öffentlichen Nahverkehr, bei der Infrastruktur. Man lande bei Dörfern, die für junge Familien attraktiv sind, weil da Leben ist.

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Das erste große Ziel für Eva Pretzsch ist nun, bis 2020 den Geopark so weiterzuentwickeln, dass es für die Zertifizierung reicht. Das könnte 2021 der Fall sein. Bis dahin läuft ihr Vertrag. Darüber hinaus macht sie sich um sich persönlich nicht so viele Gedanken, sondern eher um die Region. „Das Zertifikat ist das eine, aber man darf dann nicht stehenbleiben. Das Gütesiegel kann nur der Anfang sein.“

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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