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Rückschlag für britische Populisten

Eine Nachwahl zeigt: Das Mehrheitswahlrecht macht es der UKIP fast unmöglich, im Parlament Fuß zu fassen.

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

Zwei Wochen nach ihrem sensationellen Wahlsieg bei den Europawahlen wollte UKIP eigentlich die zweite Stufe zünden und endgültig beweisen, dass man die britische Politlandschaft gründlich revolutionieren kann. Doch die rechtspopulistische Partei konnte bei den Nachwahlen in Newark nicht triumphieren. Stark zulegen durchaus, aber eben: nicht gewinnen. Der Sitz ging an Robert Jenrick, den Kandidaten von der Konservativen Partei. Die Nachwahl zeigt das Dilemma der UKIP auf. Im britischen System reicht es einfach nicht, Zweiter zu werden.

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Fast 30 Prozent hatte UKIP bei den Europawahlen geholt. Doch das macht sie im Königreich nicht zu einer potenziellen Regierungspartei. Denn es gilt das Mehrheitswahlrecht. Und da zählen am Ende, wenn es um die Macht im Unterhaus geht, nicht Prozente, sondern gewonnene Sitze. In den 650 Wahlkreisen herrscht ein ehernes Gesetz: Nur der Sieger zählt, alle anderen Voten fallen unter den Tisch.

Das britische Mehrheitswahlrecht macht es kleinen Parteien fast unmöglich, im Parlament Fuß zu fassen, auch wenn sie landesweit gute Umfrageergebnisse haben. Denn man muss vor Ort in einem Wahlkreis genügend Unterstützung massieren können, um zu gewinnen. UKIPs Wähler dagegen verteilen sich geografisch schön gleichmäßig über das ganze Land. Nur in den Midlands, vielleicht noch im südenglischen Kent, gibt es wesentliche Wählerkonzentrationen für sie. Experten geben daher der Partei wenig Chancen, bei den Parlamentswahlen im Mai nächsten Jahres zu reüssieren: Mehr als ein halbes Dutzend Mandate werden ihr nicht zugetraut.

Sind die Erfolge von UKIP also nur ein Strohfeuer? Mitnichten. Auch wenn es für konkrete politische Macht (noch) nicht reichen mag, so kann UKIP doch kräftig vom rechten Rand aus das politische Geschehen beeinflussen. Der Konservativen Partei nimmt sie in vielen Wahlkreisen Stimmen weg. Damit hilft sie der Labour-Partei und macht eine Koalitionsregierung nach den nächsten Wahlen wahrscheinlicher.