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Rückzug über Zeithain

Beinahe täglich treffen Container aus Afghanistan im Materiallager ein. Das Motto lautet: Wiederverwertung.

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Von Antje Steglich

Beulen, Kratzer, fehlende Teile – wenn ein Panzer aus Afghanistan im Zeithainer Materiallager ankommt, hat er deutliche Spuren. Doch die etwa 115 Mitarbeiter hier kennen sich aus, wenn es ums Wiederaufbereiten geht. Seit Juli vergangenen Jahres schon treffen Fahrzeuge und Container aus Afghanistan per Lkw oder Güterzug am Rande der Gohrischheide ein, sagt der stellvertretende Leiter des Materiallagers, Oberstabsfeldwebel Maik Werner. Es sei allerdings noch nicht die Masse – „die kommt erst noch“.

Denn Ende 2014 endet laut Bundeswehr das ISAF-Mandat in Afghanistan, sowohl Personal als auch Material sollen bis spätestens zum ersten Quartal 2015 nach Deutschland zurückgeführt werden. Dazu gehören allein 1 200 Fahrzeuge und 4 800 sogenannte Containeräquivalente, also jeweils etwa zehn bis elf Tonnen Material. „Das wird entsprechend den wirtschaftlichen und Sicherheitsaspekten auf allen zur Verfügung stehenden Wegen, Luft, See, Schiene, nach Deutschland befördert“, so Pressestabsoffizier Gerhard Horstmann. Von der Materialschleuse in Mazar-e-Sharif wird das Material zunächst mit dem russischen Transportflugzeug Antonow zum logistischen Umschlagpunkt Trabzon in der Türkei geflogen, wo derzeit auch der eigentliche Leiter des Zeithainer Materiallagers, Hauptmann Falk Rosenberg, seinen Dienst erfüllt. Als Mitglied des dortigen Stabes ist er somit auch für die Aufteilung des Materials auf die Ziellager in Deutschland zuständig. So gehen von hier beispielsweise alle Stromerzeuger der zweiten und dritten Generation, diverse Ersatzteile, Warmlufterzeuger, Klimaanlagen, Motoren, Getriebe sowie alle Transportpanzer vom Typ Boxer nach Zeithain. Zunächst mit der großen Autofähre – mit der können laut Bundeswehr allein schon 200 Panzer auf drei Etagen transportiert werden – zum Seehafen Emden, und von hier per Lkw oder Bahn direkt nach Zeithain.

Alles, was zu sehr kaputt ist, wird bereits in Afghanistan verwertet, also verkauft, verschenkt oder verschrottet, sagt Oberstabsfeldwebel Werner. Was in Zeithain ankommt, werde aber instand gesetzt, für Folgeoperationen vorgehalten oder auch zurück zum Hindukusch geschickt: zum Beispiel Ersatzteile, Achsen, Schrauben ... „Wir müssen ja auch noch die Versorgung in Afghanistan sicherstellen. Deshalb gehen die Transporte bisher noch in beide Richtungen. Das wird sich zahlenmäßig aber schon bald Richtung Rücktransport verschieben“, erklärt Maik Werner, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Personell gibt es für diesen großen Auftrag in Zeithain „derzeit“ keine Aufstockung, so Pressestabsoffizier Horstmann. Die Personaldecke des Materiallagers sei mit fünf Soldaten, sieben Beamten und 103 zivilen Mitarbeitern ausreichend. Allerdings soll in Kürze das Containerterminal ausgebaut werden. Die Planungen dafür seien bereits abgeschlossen, die Bauarbeiten stehen unmittelbar bevor. Zudem verfüge das Materiallager seit wenigen Tagen über einen neuen Containerstapler. Kosten: etwa 720 000 Euro. Weitere Investitionen wurden bereits in den vergangenen Monaten an Gebäuden und Infrastruktur auf dem Areal der Bundeswehr umgesetzt, denn Zeithain gilt als einer der wenigen Standorte als struktursicher. Die Lagerkapazität der Bundeswehr soll bis 2018 um 30 Prozent reduziert werden, elf Lager schließen bis dahin bundesweit ihre Pforten. Zeithain aber nicht. Der Standort werde in den nächsten Jahren stattdessen „eine große Rolle“ in der Bundeswehr-Logistik spielen, kündigte Oberstleutnant Michael Kühne an, der als Kommandant des Materialdepots Müritz derzeit noch für Zeithain verantwortlich ist. Schon jetzt ist Zeithain das einzige Lager in Mitteldeutschland, hier werden laut Kühne derzeit 27 000 verschiedene Versorgungsgüter der Bundeswehr – insgesamt 2,8 Millionen Einzelteile – auf einer Fläche von 93 000 Quadratmetern gelagert. Deren Wert: 460 Millionen Euro. Dazu haben die Zeithainer in den vergangenen Jahren diverse Sonderaufträge wie die Ausstattung der Boxer übernommen.