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„Ruhe reinkriegen und arbeitsfähig werden“

Mitglieder von Karl-May-Stiftung und Kuratorium reisen am Sonnabend aus ganz Deutschland zur Krisensitzung nach Radebeul an.

Symbolik im Garten des Karl-May-Museums: Weil an den Figuren der Lack blättert und teils auch Stücke fehlen, wurde eine Installation draus, die auf die Situation der heute lebenden Indianer in den USA aufmerksam macht.
Symbolik im Garten des Karl-May-Museums: Weil an den Figuren der Lack blättert und teils auch Stücke fehlen, wurde eine Installation draus, die auf die Situation der heute lebenden Indianer in den USA aufmerksam macht. © Arvid Müller

Radebeul. An diesem Samstag werden möglicherweise auch ohne Karl-May-Fest einige Cowboyhüte in Radebeul zu sehen sein. Das Führungsmanagement von Karl-May-Stiftung und dessen Kuratorium als Aufsicht der Stiftung und der Museumsbeirat treffen sich in Radebeul.

Der Anlass ist diesmal nicht das große Feiern und Büchsenknallen, sondern der tiefe Streit um die Weiterentwicklung von Museum und die Besetzung der Stiftung. Auslöser dieses Streits waren die eigene Kündigung und dann der Rauswurf des bisherigen Museumsdirektors Christian Wacker. 

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Wacker hatte in einem Brief öffentlich gemacht, dass es mit dem großen Museumsprojekt Neubau an der Meißner Straße in den letzten drei Jahren nicht einen Schritt vorwärtsgegangen sei. In wesentliche Gespräche dazu sei er nicht mehr einbezogen worden. Sogar von Mobbing seitens des Stiftungsvorstandes war die Rede. Doch genau wegen dieses Projektes vor allem war Wacker in Radebeul angetreten.

Ärger zwischen Stiftung und Team

Schon bevor die Töne nach Veröffentlichungen in Presse und Fernsehen immer harscher wurden, stellten sich die knapp 20 Mitarbeiter des Museums hinter die Ansichten des scheidenden Direktors und erklärten, die Stiftung als Träger des Museums nicht mehr anerkennen zu wollen.

An diesem Sonnabend ist der große Saal im Radebeuler Rathaus der Treffpunkt. Die Protagonisten – etwa zwei Dutzend Personen – reisen aus ganz Deutschland an. Anwürfe sollen auf den Tisch und diskutiert werden. 

Vor allem aber erhoffen sich viele Mitstreiter der Karl-May-Szene ein Ergebnis, welches sagt, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll. Das Interesse daran ist so groß, wie es Anhänger von Karl May gibt. 

Deutschlandweit und bis nach Österreich und in die Schweiz reichen die Netzwerke, die jetzt sehr genau beobachten, was am Lebensmittelpunkt des am meisten verlegten deutschen Schriftstellers passieren wird.

„Karl May muss als kulturhistorische Figur ernst genommen werden. Dazu gehören auch gern verschwiegene Themen wie seine sublime Homosexualität oder die Darstellung des Fremden. Hier lässt sich zeigen, dass sich im Werk ein Wandel von Stereotypen hin zu einer transkulturellen und interreligiösen Perspektive vollzieht. Hier war May durchaus Avantgarde.“ Das schrieb zuletzt in einem Perspektiven-Artikel der Sächsischen Zeitung Andreas Brenne, Professor für Kunstdidaktik und Kunstpädagogik an der Universität Osnabrück und Mitglied der Karl-May-Gesellschaft.

Was aus dem Neubauprojekt fürs Karl-May-Museum an der Meißner Straße wird, ist derzeit völlig offen.
Was aus dem Neubauprojekt fürs Karl-May-Museum an der Meißner Straße wird, ist derzeit völlig offen. © Animation: aT2 Architekten

In der Süddeutschen Zeitung erscheint unter dem Titel „Kampf um eine Legende“ ein großer Artikel, in welchem beschrieben wird, welches Potenzial in Karl May und seinen Werken und Ansichten steckt. Vom Friedensbild, welches in den Jahren des Ersten Weltkrieges absolut fortschrittlich war, bis zum Umgang mit Homosexualität.

 May bekannte sich zu seinem Freund, dem Maler Sascha Schneider. Auch der Umgang mit dem Schlachten- und Soldatenmaler Elk Eber sollte überdacht werden – ohne das berühmte Gemälde der Schlacht am Little Big Horn aus dem Museum zu entfernen. Dinge und Sichten, die Wacker mit der Mannschaft auch angegangen war und teils von der Stiftung Kritik bekam.

Christian Wacker hat mit Poetry Solam, dem Einladen von Geflüchteten, dem Organisieren von wissenschaftlicher Aufarbeitung des Streits um die Indianer-Skalp-Sammlung vieles in Bewegung gesetzt, was einen Aufbruch im Radebeuler Karl-Museum brachte.

 Robin Leipold und Betriebsratsvorsitzende Ulrike Dämmig erwarten am Samstag auch, dass die Mitarbeiter vom Museum gehört werden. Leipold: „Wir vom Museumsmanagement sind seit Wochen in Kurzarbeit. Es wird höchste Zeit, dass wir eine Führung bekommen und uns die Perspektive gezeigt wird.“

Der 2013 geschasste Museumschef René Wagner ist von der Stiftung vorübergehend als Interimsdirektor eingesetzt worden. Die Mitarbeiter hatten das kritisiert. Inzwischen machte erneut seine ehemalige Stasi-Mitarbeit in Medien die Runde. Wagner sagt selbst, dass er maximal bis 30. Juni zur Verfügung stehe.

Durch Corona geht es auch dem Karl-May-Museum nicht rosig. Zwei Monate Schließung, keine Veranstaltungen, keine Gruppenführungen, das schlägt drastisch ins Einnahmenkontor. 

35 Prozent des Etats werden bei diesem Museum aus Kulturraummitteln und einem Zuschuss der Sitzgemeinde Radebeul gedeckt. 65 Prozent muss das Museum selbst erarbeiten. 

Bei anderen, etwa staatlichen Museen, ist das umgekehrt. Derzeit kommen zwar wieder zunehmend Besucher, aber die Halbjahreszahl mit etwa 11.000 liegt 10.000 unter dem Vorjahr. Leipold: „Wir werden auf Unterstützung angewiesen sein.“

Das Kuratorium entscheidet

Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos) hat in den Krisenzeiten die Führung in der Karl-May-Stiftung übernommen. Seine knappe Antwort auf die Frage, was jetzt passieren muss: „Ruhe reinbekommen und wieder arbeitsfähig werden.“ Ob das mit dem gleichen Vorstand für die Stiftung wie bisher möglich sei, das müsse das Kuratorium befinden, sagt er.

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Vorsitzender des Kuratoriums ist der Münchner Rechtsanwalt Robert Straßer. Seine Tagesordnung für Samstag lautet: 1.Diverse Sachverhaltsklärungen / Fragen; 2.Empfehlungen des wissenschaftlichen Museumsbeirats; 3. Finanzielle Situation des Museums; 4. Zukünftige Strukturen der Stiftung und ihrer Gremien; 5. Zukünftige Geschäftsführung des Museums / Personal; 6. Vision des Museums. Und Bert Wendsche sagt auf Nachfrage, die Betriebsratsvorsitzende des Karl-May-Museums, Ulrike Dämmig, sei eingeladen und bekomme auch Rederecht.

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