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Ruhe vor dem Windrad-Sturm

Die Politik will die Windenergie ausbauen. Auch in der Oberlausitz. Aber Anrainer bleiben skeptisch.

Michael Deckwart aus Leuba im Schatten einer Windkraftanlage: Der Ostritzer FDP-Stadtrat kritisiert zu große Windräder.
Michael Deckwart aus Leuba im Schatten einer Windkraftanlage: Der Ostritzer FDP-Stadtrat kritisiert zu große Windräder. © Matthias Weber

Einfache Antworten gibt es nicht. Da ist sich Michael Deckwart sicher. Windräder – da gibt es mit Sicherheit sehr viele unterschiedliche Aspekte des Für und Wider. „Eine tragende Säule der Energiewende sind sie sicher nicht. Das kann man schon sagen“, so der Ostritzer FDP-Stadtrat. Allein die Speicherung der durch die Windkraft erzeugten Energie, ist ein Problem. „Wir reden jetzt seit über zehn Jahren über das Thema. Aber passiert ist nichts“, ärgert sich Michael Deckwart.

Wenige verdienen viel an der Windenergie, sagt er. Aber man könne nicht Anwohnern Riesenanlagen einfach vor den Gartenzaun stellen. „Wenn die Anlagen größer werden, muss es auch eine der Technologie angepasste Lösung geben“, so Michael Deckwart. 2.000 Meter Abstand zur Wohnbebauung, das findet er ok. Und vor allem, das Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sich in einem Bürgergespräch dafür ausgesprochen hat.

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Wie weiter mit der Windkraft in der Oberlausitz, in Sachsen, in Deutschland? So richtige handfeste Antworten gibt es darauf offensichtlich nicht. Der Ausbau der vielgepriesenen „grünen“ Energiequelle stockt. Im ersten Halbjahr 2019 wurden an Land in Deutschland 86 Windenergieanlagen gebaut. Das entspricht 287 Megawatt, so wenig wie noch nie seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. „Die Windkraft hängt nun mal am Tropf des EEG“, so der Leubaer Michael Deckwart. Verglichen mit den ersten sechs Monaten des Vorjahres ist der Zuwachs deutschlandweit um 82 Prozent gesunken. 51 ältere und kleinere Windräder wurden stillgelegt.

Verantwortlich für den Bau von weiteren Windkraftanlagen in der Region ist der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien in Bautzen. Dort wartet man offenbar auf die Weichenstellung seitens der „großen“ Politik. Es gebe derzeit noch keine Informationen zum Thema Windkraft-Ausbau in der Oberlausitz, teilt Jörg Weichler, Fachbereichsleiter Regionalplanung mit. Und: „Dies ist erst nach Beschlussfassung des Regionalplanentwurfes durch unsere Verbandsversammlung möglich. Ein konkreter Termin für diese Beschlussfassung steht noch nicht fest.“ Sprich: Wie es mit dem Windkraft-Ausbau in der Oberlausitz aussieht, ist momentan völlig unklar und sicher auch von der künftigen Koalition in Dresden abhängig.

Klar ist aber: Auch wenn sich bisher nichts tut, die Bürgerinitiativen, die sich gebildet haben, stehen Gewehr bei Fuß, nicht nur in Ostritz. „Ja, im Moment ist es etwas ruhig“, sagt Andreas Seidel aus Königshain. Er ist Initiator einer Initiative gegen fünf große Windräder am Limasberg zwischen Liebstein und Königshain. Er sehe Windenergie zwar als gute Alternative zu Kohle- und Atomstrom. Aber am Ende sollte doch auch die Gemeinde selbst davon profitieren. „Man muss doch nicht einen Landstrich dafür hergeben, damit andere das Geld einstreichen. Wenn es Königshain selbst zugute kommen würde, wäre es etwas anderes“, so Andreas Seidel. Er könnte sich zum Beispiel eine Genossenschaft vorstellen. Auf jeden Fall sei die Bürgerinitiative noch aktiv und verfolge das Geschehen rund um den Ausbau der Windkraft. „Sobald der Startschuss vom Planungsverband kommt, werden wir uns dazu äußern“, sagt Andreas Seidel.

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Ähnlich sieht es Frank Stübner von der Bürgerinitiative Sohland am Rotstein. Die gibt es seit 2017. Sie wendet sich unter anderem dagegen, dass der bestehende Windpark technisch aufgerüstet wird, das sogenannte Repowering. „Die neuen Anlagen sind wesentlich lauter als die alten“, sagt Frank Stübner. Am schlimmsten sei es, wenn der Wind moderat weht, also an Durchschnittstagen. Belästigung durch uneinheitlich blinkende Nachtbeleuchtung, Schattenwurf, Infraschall – weitere Kritikpunkte der Bürgerinitiative. „Wir sind als Initiative weiterhin aktiv, führen Gespräche mit betroffenen Bürgen“, sagt Frank Stübner. Michael Deckwart war gerade bei einer Tagung beim Bundesverband. „Wir stehen in Kontakt auf sächsischer Ebene, aber auch in der Region“, sagt der Leubaer. Gute oder schlechte Windkraft – die gebe es nicht.

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