merken
PLUS Döbeln

Ruhestand mit Verspätung in Technitz

Mit Kindern zu arbeiten, ist die große Leidenschaft von Bärbel Turek. Nach der Wende geriet sie aber auf Abwege.

Bärbel Turek verlässt den Christlichen Lernraum Technitz.
Bärbel Turek verlässt den Christlichen Lernraum Technitz. © Dietmar Thomas

Döbeln. Eigentlich wollte Bärbel Turek bereits im vergangenen Sommer in den Ruhestand gehen. Aber dann hätte die dritte Klasse im Christlichen Lernraum Technitz keinen Klassenleiter gehabt. Deshalb hat die 64-Jährige noch ein Schuljahr drangehangen. Doch auch jetzt fällt ihr das Weggehen schwer.

Kindern etwas beizubringen, das ist die große Leidenschaft der Leisnigerin. Deshalb studierte sie Lehramt und wurde in der Peter-Apian-POS Erzieherin. In der Schule, die sie selbst als Jugendliche besucht hat.

Anzeige
Ferientipps für Sachsen
Ferientipps für Sachsen

Da ist sie, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben die Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen und Umgebung.

Nach der Wende sattelte sie um, lernte den Beruf des Kochs und arbeitete im Gasthof ihres Mannes. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht meins ist“, erinnert sie sich. „Ich brauche Kinder um mich.“ Deshalb arbeitete sie zunächst wieder in einem Kindergarten und anschließend in einem Jugendhaus. Dann kam die Ausschreibung für die Stelle in Technitz.

Anfang Juli 2004 habe sie auf einer Bank am Rand des Geländes der Grundschule gesessen und überlegt, ob sie die Bewerbung einwirft. „Dann habe ich gedacht, das ist ein Fleckchen, an dem könnte ich es bis zur Pensionierung aushalten. Und so ist es auch gekommen“, meint Bärbel Turek und fügt hinzu: „Ich habe es nie bereut. Ich bin immer mit Liebe und Freude auf Arbeit gekommen.“

In der habe sie alle Stationen der Schule durchlaufen. Als Erzieherin im Hort gestartet, übernahm sie als pädagogische Unterrichtsbegleitung im Rahmen der Ganztagsschule Sport und Werken. „Mir war es schon immer wichtig, mit Kindern zu arbeiten, denen das Lernen schwerfällt“, sagt Bärbel Turek. Deshalb hat sie die integrative Arbeit der Schule mit aufgebaut. Durch die besondere Begleitung der Mädchen und Jungen sei es bis heute gelungen, dass kein Kind auf die Förderschule wechseln musste und alle den Lernraum mit gutem Erfolg verlassen haben. Inzwischen ist Technitz eine von 17 Pilotschulen auf diesem Gebiet in Sachsen.

Bärbel Turek wurde stellvertretende Schulleiterin und 2011 Schulleiterin. Das Amt gab sie im Mai 2019 ab. Jetzt geht sie mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge. Sie freut sich darüber, dass Hort und Schule eine Einheit bilden, es inzwischen mehr als 20 Ganztagsangebote gibt und das Außengelände immer weiter gestaltet wird. Traurig ist sie, dass sie die Kinder verlassen muss, die ihr ans Herz gewachsen sind. „Jedes ist einzigartig, liebenswert und alle sind wissbegierig“, meint sie.

Ganz kann sie aber noch nicht loslassen: „Ich werde Nachhilfe geben.“ In ihrer neuen Freizeit möchte sie einen Spanischkurs belegen. Zum einen kann sie sich dann mit ihrem kolumbianischen Kollegen in seiner Muttersprache unterhalten. Zum anderen helfe ihr die Sprache bei den Reisen, die sie unternehmen will, unter anderem zum Papst, nach Irland und Schottland, in den Orient und viele andere Länder.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln