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Es war ein ruhiges Jahr für Görliwood

Es gab 2018 in Görlitz nur einen Dreh – Wolfsland. Dafür hat sich bei der Vermarktung als Filmstadt einiges getan.

Zum Glück gibt’s die Beiden: Wolfsland war im zu Ende gehenden Jahr die einzige Filmproduktion in Görliwood.
Zum Glück gibt’s die Beiden: Wolfsland war im zu Ende gehenden Jahr die einzige Filmproduktion in Görliwood. © Pawel Sosnowski

Im Fernsehen und im Kino ist Görliwood in diesem Jahr gut vertreten gewesen. „Der Hauptmann“ und „Papa Moll“ liefen im Kino, gerade ist unter anderem im Filmpalast immer noch „Werk ohne Autor“ zu sehen – jener Film, den Oscar-Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2016 über den aus der Oberlausitz stammenden Künstler Gerhard Richter drehte. Im Fernsehen konnten die „Wolfsland“-Teile drei und vier jeweils den Abendsieg im Quotenkampf holen und auch „Der Vorleser“ ist fast monatlich auf irgendeinem Sender zu sehen.

Trotzdem war 2018 für Görliwood ein bescheidenes Jahr, jedenfalls was neue Dreharbeiten angeht. „Wolfsland 5“ wurde im Frühjahr gedreht, dann kam nichts mehr. Sind die großen Jahre der Filmstadt schon vorbei? Auffällig ist auch, dass in diesem Jahr erstmals seit Längerem die Übernachtungszahlen stagnierten. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Immerhin haben die großen Filmteams der vergangenen Jahre mit zum Teil ein- bis zweimonatiger Drehzeit die Görlitzer Hotels gut ausgelastet. Eva Wittig von der Europastadt GörlitzZgorzelec Gmbh (EGZ) sieht eher den superheißen und langen Sommer als Hauptursache für die stagnierenden Zahlen. „Da haben die Menschen wohl eher Wasser und Strand gesucht“, sagt sie. Außerdem müsse die Stagnation nach den vielen extrem guten Jahren nicht beunruhigen. „Wenn dann mal ein Jahr keinen neuen Rekord bringt, müssen wir uns nicht gleich Sorgen machen.“ Kerstin Gosewisch, die Görlitzer Filmbeauftragte, bleibt ebenfalls entspannt: „Dass keine Dreharbeiten sichtbar stattfinden, heißt nicht, dass hinter den Kulissen nichts passiert. Es gab auch in diesem Jahr mehrere Anfragen, die wir unterstützt haben.“ Doch brauche es eben immer einen langen Atem, denn Filmproduktionen haben meist eine längere Vorlaufzeit und sind von so vielen Entscheidungen abhängig, nicht zuletzt von Förderungen. Und da gibt es gute Vorzeichen: Die Bundesregierung hat 2018 den entsprechenden Etat aufgestockt.

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Hinter den Kulissen passierte auch 2018 eine Menge in Görliwood. Vor allem die Vermarktung als Filmstadt hat Fahrt aufgenommen. So ist unter anderem eine städtische Filmseite online gegangen, für die die EGZ eine Filmchronologie anfertigte – jeweils gleich mit Trailer und Angaben zu den Görlitzer Drehorten. „Das ist schon mal ein gewaltiger Schritt nach vorn“, sagt Kerstin Gosewisch. „Da steckt so viel Arbeit drin, die beispielsweise auch von meinen Kollegen in der Straßenverkehrsbehörde geleistet wurde, was für den Nutzer natürlich nicht sichtbar ist.“ Für 2019 kündigt Eva Wittig die Übersetzung der Seite in Polnisch, Tschechisch und Englisch an – entsprechend der Sprachen, die die meisten Görlitz-Touristen verstehen.

Filmstadt wird sichtbarer

Außerdem soll die Filmstadt 2019 auch im öffentlichen Raum als solche sichtbarer werden. Dafür wurde inzwischen ein Förderprogramm gefunden, es wird an einem Konzept gearbeitet. „Wir wollen Punkte in der Stadt schaffen, wo Film erlebbar und sichtbar wird“, so Eva Wittig.

Auch sonst schlief die Filmstadt 2018 nicht. Es gab das 15. Neiße-Filmfestival, das immer größer wird, der Filmpalast auf der Jakobstraße wurde erweitert und war erneut ein guter Premieren-Gastgeber – diesmal für die „Wolfsland“-Premiere im Mai. Und im August waren bei der deutsch-polnischen Filmwerkstatt erstmals diejenigen zu Gast, die vielleicht irgendwann einmal selbst in Görlitz hinter der Kamera stehen: Studenten der Filmhochschule Babelsberg und der Filmhochschule in Lodz.

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Für neue Drehs in näherer Zukunft ist Görlitz natürlich jederzeit bereit: „Wir machen unsere Arbeit und sind dank unserer umfangreichen Erfahrungen und unseres Netzwerkes für so ziemlich alle Anfragen gerüstet“, sagt Kerstin Gosewisch. „Wir freuen uns auf alle Motivsucher, Produzenten und Drehteams, die in Görlitz arbeiten möchten.“ Durch „Wolfsland“ habe Görlitz und die Region eine große Präsenz im deutschen Fernsehen. „Das ist toll, weckt Aufmerksamkeit und bringt Nachfragen mit sich.“

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