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Großenhain

Ruinen stechen umso deutlicher hervor

Großenhains Innenstadt ist dank eines Förderprogramms seit der Wende erheblich aufgewertet worden. Doch am Ziel ist die Stadt noch nicht.

An der Siegelgasse 9 ist noch viel zu tun. Das Haus ist ruinös, steht aber unter Denkmalschutz.
An der Siegelgasse 9 ist noch viel zu tun. Das Haus ist ruinös, steht aber unter Denkmalschutz. © Anne Hübschmann

Großenhain. Es war im August 1993, als der 24 Hektar große Stadtkern zum Sanierungsgebiet erklärt wurde. Viele Innenstadthäuser zeigten Verfallserscheinungen, die Straßen waren schlecht, die Medienleitungen überholungsbedürftig. Nun, nach 27 Jahren, ist die Innenstadt so schmuck geworden, dass übrig gebliebene Ruinen wie die Häuser in der Siegelgasse oder auf der Naundorfer Straße umso deutlicher herausstechen. Für das Großenhainer Rathaus ist das Städtebauliche Entwicklungsprogramm (SEP) deshalb eine "absolute Erfolgsgeschichte". Wenn die Dresdner Steg Stadtentwicklungsgesellschaft, die das Vorhaben leitete, nun noch einmal im Stadtrat Bilanz zog, war das nicht nur eine vorgeschriebene Pflicht. "Es verdeutlicht uns einmal mehr, welche großen Entwicklungsziele wir erreicht haben", freut sich Stadtbaudirektor Tilo Hönicke. 

In der Präsentation waren viele Gegenüberstellungen damals-heute zu sehen. "Die jahrzehntelange Vernachlässigung und das Fehlen von Baumaterialien vor der Wende zeigten hier deutliche Spuren", heißt es darin. "Eine unausgewogene Sozialstruktur wirkte sich negativ auf den Erhalt der Bausubstanz aus." 

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Der größte Anteil der Fördermittel aus diesem Bund-Land-Stadt-Programm - weit über drei Mio. Euro - floss in die Herstellung und Änderung von Erschließungsanlagen: sprich Medien, öffentliche Plätze und Bereiche wie die Wallanlagen oder Fußwege. Für fast zwei Mio. Euro wurden private bauliche Anlagen rückgebaut, zum Beispiel in den Innenhöfen. Ebenfalls fast zwei Millionen Euro wurden für private Neu- und Umbauten ausgegeben. "Die Hauseigentümer haben investiert und die Stadträte diese Erneuerungsphilosophie mitgetragen", unterstreiche Tilo Hönicke. Weit über zehn Mio. Euro Städtebauförderung wurden insgesamt umgesetzt. Ein Drittel der Förderung musste durch die Kommune bereitgestellt werden. 

Schaut man sich die Karte des Stadtkerns an, konzentrieren sich die Verbesserungen zum Beispiel rund um Hauptmarkt und Frauenmarkt, aber auch entlang der Mozartallee und Franz-Schubert-Allee. Das Schloss, die Marienkirche, das Rathaus und die Bibliothek haben vom SEP-Programm ebenso profitiert wie Frauengasse, Dresdner Straße, Klostergasse, Neumarkt und Naundorfer Straße. Private Gebäude, die in der Fotodokumentation aufgezählt werden, sind u. a. die Apothekergasse 13, Neumarktgasse 9, Kleine Gasse 7, Kirchplatz 2, Gabelsberger Straße 1, Klostergasse 23, Poststraße 7 und Braugasse 2. 

Zu eigenen Sanierungskosten hatten die Gebäudeeigentümer allerdings noch die Ausgleichsbeiträge zu zahlen. Diese basieren auf der Bodenwerterhöhung der Grundstücke. Seit 2015 gab es in Großenhain dazu doch schon erhebliche Diskussionen. Mittlerweile müssten alle Veranlagten gezahlt haben. Auch in anderen Städten wie Riesa und Radeburg lief dieses Prozedere. 

Christine Borstorff von der Projektleitung Sanierung und Siegfried Hellwig vom Finanzmanagement der Steg haben nun Großenhain allerdings noch nicht Lebwohl gesagt. Die Beratungsgesellschaft unterstützt die Stadt und auch private Interessenten jetzt im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz (SDP). Darüber werden aktuelle Maßnahmen wie die Sanierung des Rathausturmes oder die Instandsetzung des Dianabrunnens gefördert. 

Eine Übersicht über aktuelle Fördermöglichkeiten für Privatpersonen gibt es im Amtsblatt 1/2020. 

Auch die Marienkirche profitierte vom Städtebaulichen Entwicklungsprogramm. 
Auch die Marienkirche profitierte vom Städtebaulichen Entwicklungsprogramm.  © Kristin Richter