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Rumba schmeckt am besten

Rund 170 Tonnen Erdbeeren werden derzeit in Dürrweitzschen geerntet. In Leisnig ist die Ernte verhagelt.

Bis zu 105 Kilo Erdbeeren pflückt jeder der insgesamt rund 60 rumänischen Erntehelfer jeden Tag auf den etwa zehn Hektar Feldfläche in Dürrweitzschen. Auch Alina Brinariu (20), Alina Popa (26) und Alina Fulger (38, von links) zählen dazu.
Bis zu 105 Kilo Erdbeeren pflückt jeder der insgesamt rund 60 rumänischen Erntehelfer jeden Tag auf den etwa zehn Hektar Feldfläche in Dürrweitzschen. Auch Alina Brinariu (20), Alina Popa (26) und Alina Fulger (38, von links) zählen dazu. © Lars Halbauer

Leisnig/Dürrweitzschen. Die Sonne brennt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Das Thermometer bewegt sich schon am frühen Vormittag in Richtung 30-Grad-Marke. Der unverwechselbare Duft süßer Erdbeeren liegt über dem Feld in Dürrweitzschen. Doch die rund 70 Männer und Frauen, die tief gebeugt zwischen den kräftigen Pflanzenreihen hocken, haben dafür keinen Sinn.

Denn sie ernten die süßen Früchte bereits seit 4.30 Uhr am Morgen, und zwar im Akkord. Etwa 15 bis 20 Minuten dauert es, bis alle zehn Plastikschälchen auf einer Stiege gefüllt sind. Nur wenn es noch einigermaßen kühl ist, können die Erdbeeren geerntet und in die 500-Gramm-Schalen sortiert werden. Innerhalb weniger Stunden landen die leckeren Früchte zunächst in der Kühlung von Sonnenfrucht Obstanbau Obstland Dürrweitzschen und dann erntefrisch in den Auslagen der Hofläden und Supermärkte der Region.

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Insgesamt rund 170 Tonnen werden die rund 60 rumänischen und ukrainischen Erntehelfer voraussichtlich auf zehn Hektar Feldfläche bis zum Saisonende geerntet haben. „Das ist eine wirklich harte und schwere Arbeit. Wir haben in dieser Woche noch früher am Morgen angefangen, denn länger als bis in die Mittagsstunden ist das nicht machbar“, berichtet Bernd Hättasch, Produktionsleiter bei Obstland Dürrweitzschen. 

Allein am vergangenen Wochenende haben die vielen fleißigen Hände elf Tonnen abgeerntet. „Wir bemühen uns aber, dass die Erntehelfer mindestens einen Tag in der Woche frei haben. Auch abends wird nicht gearbeitet, denn die Nacht ist für die Männer und Frauen morgens etwa 3.30 Uhr zu Ende“, berichtet Hättisch.

Appetit haben die Rumänen auf Erdbeeren schon lange nicht mehr. Trotzdem kommen sie zum Teil seit vielen Jahren jeden Sommer immer, um wochenlang fast täglich diesen Knochenjob zu machen. „Es ist wichtig für uns, so können wir unsere Familien unterstützen“, berichten drei Frauen im Alter zwischen 20 und 38 Jahren. Zuhause in Rumänien gebe es keine Arbeit, sagen sie. 

Untergebracht werden die Erntehelfer in einem Haus mit Zwei- bis Sechsbettzimmern. Sie teilen sich Küche und Bad. Den Kontakt zur Familie in der Heimat halten sie mit Videotelefonie.

Bernd Hättasch ist Produktionsleiter und Experte in Sachen Erdbeeren.
Bernd Hättasch ist Produktionsleiter und Experte in Sachen Erdbeeren. © Lars Halbauer

Sieben verschiedene Sorten Erdbeeren wachsen auf den Feldern in Dürrweitzschen. „Wir machen das, damit wir über den Zeitraum von etwa sieben Wochen immer wieder ernten können. Dafür braucht es aber verschieden frühe und späte Sorten. Aktuell ist die Sorte Faith dran. „Am besten schmeckt aber die Sorte Rumba“, verrät der Experte. Und er weiß genau, wovon er spricht.

„Ich habe zuhause in meinem eigenen Garten ein kleines Versuchsfeld, auf dem ich die verschiedenen Erdbeersorten teste“, verrät er. Seit 1984 beschäftigt er sich mit den roten Früchtchen. Trotz der Hitze macht er sich keine Sorgen wegen des Wetters. Dank des ausgestreuten Strohs zwischen den Pflanzenreihen ist der Boden feucht genug. „Außerdemkönnen wir beregnen. Das war vor allem im vergangenen Jahr nötig“, sagt er.

Auch auf den Leisniger Feldern sollten aktuell eigentlich Erdbeeren geerntet werden. Doch die rumänischen Pflücker sind bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Das Unwetter am 11. Juni, das mit Schlammlawinen und kirschgroßen Hagelkörnern über die Regionen Hartha und Leisnig gezogen ist, hat auf den Erdbeerfeldern in Leisnig für einen Totalverlust gesorgt. „Das ist für das Unternehmen ganz bitter. Aber auch für die Rumänen, denen somit natürlich der wichtige eingeplante Lohn verloren geht“, so Hättasch.

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