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Russland-Sanktionen treffen Löbauer Gärtnerei

Jörg Fröhlich bleibt auf seinem Kohl sitzen. Konsequenzen schließt er nicht aus.

Von Markus Michalk

Gesund und Fit

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Eigentlich könnte Jörg Fröhlich zufrieden sein. Der Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei an der Neusalzaer Straße in Löbau hat Kohl im Überfluss. Doch genau das bereitet ihm Sorgen. „Etwa ein Drittel meines Blumenkohls habe ich vernichtet“, sagt er. Das entspricht quasi seiner gesamten Herbsternte. Und auch Rot- und Weißkraut hat Jörg Fröhlich gleich auf dem Feld gelassen, da er es nicht hätte verkaufen können. Aber nicht etwa, weil die Kohlköpfe von schlechter Qualität waren. „Im Gegenteil“, berichtet er. „Der Kohl war sehr gut. Nur losgeworden bin ich ihn nicht.“

Den Grund dafür nennt Jörg Fröhlich gleich beim Namen. „Das Einfuhrverbot von Lebensmitteln nach Russland macht uns Landwirten Probleme“, erklärt er. Damit reagierte die russische Regierung im vorigen Jahr auf die Sanktionen, die die Europäische Union wegen der Unterstützung der Separatisten in der Ukraine gegen Russland verhängt hatte. Er habe es schwarz auf weiß, dass das der Grund ist, so Fröhlich. Sein Steuerberater habe ihm nämlich genau aufgeschlüsselt, ab wann sein Umsatz zurückging. Dabei lieferte der Landwirt selbst nie nach Russland. Er konzentrierte sich immer auf den deutschen Markt. „Trotzdem trifft mich und die anderen Erzeuger das Einfuhrverbot“, weiß er. Denn gerade die polnischen Bauern, die bislang nach Russland geliefert hätten, drängten jetzt auf den deutschen Markt, schildert Fröhlich. „Die sind ja in der gleichen Situation und müssen sich neue Märkte suchen.“ Hinzu käme außerdem, dass noch mehr Kohl aus Norddeutschland käme. Etwa ein Drittel der dortigen Kohlernte sei bisher für den Export nach Russland bestimmt gewesen, erklärt der Landwirt.

Neue Abnehmer zu finden sei schwierig, sagt Jörg Fröhlich. Einige wenige Großhändler teilten den Markt unter sich auf. „Die bekommen von den Handelsketten die Preise diktiert und setzen sie bei uns Bauern durch“, beschreibt er die Machtverhältnisse. Von dem, was ein Kohlkopf im Supermarkt koste, bekäme er als Erzeuger nur etwa ein Viertel. Er fühlt sich vor allem von der Politik im Stich gelassen. „Sollen sie ihre Sanktionen verhängen, wenn es notwendig ist. Aber die Politiker müssen auch an uns Erzeuger denken und uns dann unterstützen“, sagt Fröhlich.„Außer der Flächenprämie, die jeder Landwirt bekommt, gibt es keine Unterstützung von der Politik“, berichtet er verärgert.

Ende Dezember trafen sich deshalb etwa 15 regionale Erzeuger zu einer Krisensitzung. Um sich für ihre Sorgen Gehör bei der Politik zu verschaffen, hatten sie den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer aus Görlitz eingeladen. Der musste sich an diesem Abend einige Aufgaben notieren, denn die Landwirte machten ihrem Ärger ordentlich Luft. „Wir haben Herrn Kretschmer eingeladen, damit er sich ein Bild machen kann, womit wir zu kämpfen haben. Mal sehen, was passiert“, so Fröhlich.

Und noch ein weiteres Thema bereitet Jörg Fröhlich Sorgen. Der Mindestlohn gilt auch für seinen Betrieb. Derzeit zahlt er seinen Mitarbeitern übergangsweise 7,20 Euro pro Stunde. Doch bald wird er auch auf die gesetzlich festgelegten 8,50 Euro erhöhen müssen. „Ich würde meinen Leuten sogar 15 Euro je Stunde zahlen, denn sie leisten wirklich gute Arbeit. Aber ich weiß nicht, wie ich das machen soll“, erklärt er. Je nach Saison habe er unterschiedlich viele Mitarbeiter. Wenn er deren Gesamtstunden zusammenzähle, entspreche das acht bis zehn Vollzeitkräften übers ganze Jahr. Er wolle keine Panik machen, aber personelle Konsequenzen könne er nicht ausschließen, sagt Fröhlich.

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