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SAB: Corona-Hilfsprogramme waren ein Kraftakt

Die Mitarbeiter mussten viele Extra-Schichten schieben, um alle Anträge zu bearbeiten. Die neue Chefin verteidigt das Darlehensprogramm.

Katrin Leonhardt ist die neue Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank (SAB).
Katrin Leonhardt ist die neue Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank (SAB). © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Die Sächsische Aufbaubank (SAB) befindet sich seit Mitte März im Ausnahmezustand. Die Förderbank des Freistaats hat bis Ende Juni fast 104.000 Anträge für Corona-Hilfen mit einem Volumen von 1,42 Milliarden Euro bewilligt. Dazu zählen die Soforthilfen des Bundes wie die Gewährung der landeseigenen Darlehen aus dem Programm „Sachsen hilft sofort!“.

„Corona war ein großer Kraftakt für uns“, sagte die neue SAB-Vorstandsvorsitzende Katrin Leonhardt am Mittwoch in Dresden. Sie hat zum 1. Juli den Vorsitz der SAB von Stefan Weber übernommen, der sich nach mehr als 25 Jahren bei der Förderbank in den Ruhestand verabschiedete.

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Leonhardt arbeitet schon seit drei Monaten in der SAB im Vorstand mit. Der Einstieg mitten während der Corona-Krise sei eine gute Chance gewesen, die Bank gut kennenzulernen, betont die 53-Jährige. 600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren über Wochen hinweg im Zweischichtsystem sowie am Wochenende und an Feiertagen im Einsatz, um die Anträge zu bearbeiten. Rund 46.000 Überstunden haben sich bei ihnen angesammelt. Vom Landesamt für Steuern und Finanzen „lieh“ man sich 40 Kollegen zur Unterstützung aus. Ein Teil der Beschäftigten bezog Arbeitszimmer in einem nahegelegenen Hotel, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

70 Prozent aller Anträge kam digital über das Förderportal. Nur so sei die SAB in der Lage gewesen, die Firmen schnell mit Liquidität zu versorgen, hieß es. Der Vorstand der Bank will bis Ende des Jahres eine Strategie erarbeiten, wie die SAB zukunftsfähig aufgestellt werden soll. Eines der wichtigsten Ziele ist es, die Digitalisierung der Prozesse weiter voranzutreiben.

Laut Bank wurden etwa zehn Prozent der rund 162.000 förderberechtigten Firmen mit einem Soforthilfe-Darlehen unterstützt, über den Corona-Zuschuss des Bundes waren es rund 57 Prozent der 146.000 Unternehmen mit entsprechendem Anspruch. Kammern und Verbände hatten kritisiert, dass Sachsen anders als andere Bundesländer keine nichtrückzahlbaren Zuschüsse ausreichte. Leonhardt verteidigte das Darlehensprogramm. An der Zahl der Antragsteller könne man sehen, dass das Programm „sehr wohl seine Wirkung entfaltet“ habe, betonte sie.

1.450 Bezieher von Soforthilfe-Zuschüssen des Bundes haben rund zehn Millionen Euro bereits zurückerstattet, bei den Darlehensnehmern sind es 128 Firmen mit einem Volumen von rund 1,4 Millionen Euro.

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  • Katrin Leonhardt, seit 1. Juli die erste weibliche Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank (SAB), ist keine Unbekannte in Sachsen. Nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften und Promotion an der Universität Leipzig war die gebürtige Lausitzerin von 1994 bis 2000 im sächsischen Innenministerium für die Wohnungsbauförderung verantwortlich - als jüngste Referatsleiterin der Staatsregierung. 

  • Aus privaten Gründen wechselte sie dann zur Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, nach Frankfurt am Main, wo sie in den letzten zwanzig Jahren verschiedene Führungspositionen inne hatte. „Ein Höhepunkt war, als ich fünf Jahre lang die Mittelstandsbank leiten durfte, wo ich mich um Wirtschaftsförderung, Mittelstand- und auch Startupfinanzieurung gekümmert habe“, sagt die 53-Jährige. 

  • Nach Sachsen kehrt sie zurück, weil sie gern in Dresden gelebt und gearbeitet habe, aber vor allem, weil sie nach eigenen Worten „großes Interesse daran hat, an der Spitze einer Landesförderbank diese in die Zukunft zu führen“.

  • Neben dem Ziel, die SAB noch digitaler aufzustellen, hat sich die neue Vorstandschefin vorgenommen, durch mehr flexible und mobile Arbeitszeitmodelle eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Auch will sie ein Augenmerk auf die Karriereförderung von Frauen haben. 

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