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Sabotage im Waldbad

Das Internationale Eisspeedway-Rennen musste am Wochenende abgesagt werden. Grund war aber nicht das Tauwetter.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Oberau. Die Helfer vom MC Eis-Drifters Meißen trauten am Sonnabendmittag ihren Augen nicht. Unbekannte hatten in der Nacht von Freitag auf Sonnabend im Waldbad Oberau in den Kurven der Rennstrecke für die Eisspeedway-Rennen zwei 40 mal 40 Zentimeter große Löcher in die Eisfläche gehackt. Außerdem wurden von den Flutlichtscheinwerfern zwei zerstört, zwei weitere gestohlen. Seit Dienstag vergangener Woche haben täglich 15 bis 20 Leute vom Motorsportclub Eis-Drifters Meißen in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit geschuftet, bis in die Nacht hinein unter Flutlicht gearbeitet. Beim Eisspeedway-Rennen am Wochenende im Waldbad Oberau sollte alles perfekt klappen . Es wäre das einzige Rennen auf Natureis in der Protec-Cup-Serie gewesen. Doch die Veranstaltung fiel im wahrsten Sinne des Wortes in Wasser. Nicht das Tauwetter ist aber daran schuld, sondern schlicht weg Sabotage.

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In der Nacht zu Sonnabend wurde die Eisbahn auf dem Oberauer Teich zerstört.
In der Nacht zu Sonnabend wurde die Eisbahn auf dem Oberauer Teich zerstört. © privat
Installierte Flutscheinwerfer wurden gestohlen und beschädigt.
Installierte Flutscheinwerfer wurden gestohlen und beschädigt. © privat

Immenser Schaden für Verein

Bevor die Schäden entdeckt wurden, hatten die Helfer Tausende Quadratmeter Fläche für Zuschauer vom Schnee beräumt. „Die Eisfläche wollten wir zuletzt machen“, sagt Ronny Weis vom Organisationsteam. Bis in die Abendstunden versuchten die Helfer, die Löcher zunächst mit Textilien, dann mir Gummimatten zu stopfen. Es gelang nicht. Am Abend wurde die Veranstaltung schließlich abgesagt.

Der Schaden für den Verein ist noch nicht er ermessen, der materielle nicht, der Imageschaden schon gar nicht. Den Fahrern, die noch nicht angereist waren, wurde telefonisch abgesagt. „Einen Teilnehmer aus der Ukraine erreichten wir auf der Autobahn in Katowice. Er hatte schon Hunderte Kilometer zurückgelegt, musste wieder umkehren“, sagt Ronny Weis. Mehr Glück hatten Teilnehmer aus den Niederlanden. So wollten erst am ganz zeitigen Sonntagmorgen Richtung Oberau starten, konnten noch rechtzeitig informiert werden. „Dennoch müssen wir mit Regressansprüchen von Fahrern rechnen“, sagt Ronny Weis. 600 Hochglanz-Programmhefte und Plakate wurden umsonst gedruckt. „Die hatte ein Vereinsmitglied mit seinem Privat-Pkw auf eigene Kosten aus Limbach-Oberfrohna abgeholt“, sagt der Organisator. Pokale wurden besorgt und graviert, Genehmigungen eingeholt. Und auch die geplanten Zuschauer-Einnahmen bleiben aus. Der Verein rechnete, dass zwischen 500 und 1 000 Besucher zu dem Spektakel kommen.

„Krimineller Akt“

Niederaus Bürgermeister Steffen Sang (parteilos) wurde am Sonnabend telefonisch informiert, sah sich am Sonntag die Zerstörungen an. Er spricht von einem „kriminellen Akt“. Die Polizei sei eingeschaltet, Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, Diebstahls und Sachbeschädigung gestellt worden.

Zu den Tätern gibt es derzeit noch keine Hinweise. Vermutet wird, dass es sich bei ihnen um militante Umweltschützer handeln könnte. Doch weder Sang noch Weis wollen sich an solchen Spekulationen beteiligen. „Klar ist aber, dass dies keine spontane, sondern eine geplante Aktion war“, ist sich Ronny Weis sicher. Das 15 Zentimeter dicke Eis habe nicht so einfach aufgehackt werden können. Dazu seien Äxte oder Spitzhacken nötig gewesen. Auch ob es ein oder mehrere Täter waren, ist bislang unklar.

Nachgeholt werden soll das Rennen in Oberau nicht. Bei der Veranstaltung hatte es sich um einen zusätzlichen Lauf beim 4. Protec-Cup gehandelt, sagt Weis. Alle anderen Läufe in Freital, Jonsdorf und Dresden finden in der Halle und damit auf Kunsteis statt. „Die Vereinsmitglieder sind alle geschockt und frustriert“, sagt Ronny Weis. Der Fahrer Alain Tripke, dem abgesagt wurde, reiste dennoch an. Er konnte das nicht glauben, wollte sich die Sache mit eigenen Augen ansehen. „Ich kann so etwas überhaupt nicht verstehen. Es wäre mein erstes Outdoor-Rennen gewesen“, sagt er traurig.

Unmittelbar, nachdem die Schäden entdeckt wurden, hatte das Organisationsteam spontan beschlossen, keinerlei Rennen mehr in Oberau auszutragen. „Doch dann haben wir eine Nacht drüber geschlafen und uns anders entschieden“, sagt Ronny Weis. Künftig werde man aber nachts Wachen aufstellen oder einen Sicherheitsdienst engagieren.

Heiß diskutiert wird das Thema auch bei Facebook. Viele hoffen, dass die Täter gefasst werden, setzen aber wenig Hoffnung in die Justiz. So schreibt zum Beispiel Bernd Stephan: „Solange gefasste Straftäter bei uns nicht wirklich mit Strafen zu rechnen haben, werden die doch zu solchen Taten regelrecht aufgerufen.“