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Sachsen bekommt mehr Ärzte

Nach jahrelangem Ringen ist es jetzt so gut wie sicher: In Sachsen können künftig wesentlich mehr Ärzte eine neue Praxis eröffnen, als das bisher möglich ist. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) geht von 340 möglichen Neuzulassungen im ambulanten Bereich aus.

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Von Steffen Klameth

Nach jahrelangem Ringen ist es jetzt so gut wie sicher: In Sachsen können künftig wesentlich mehr Ärzte eine neue Praxis eröffnen, als das bisher möglich ist. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) geht von 340 möglichen Neuzulassungen im ambulanten Bereich aus. Die große Mehrzahl – insgesamt 285 – ist für Hausärzte reserviert.

Grundlage für den Optimismus bildet die Entscheidung im dafür zuständigen Bundesausschuss. Mit knapper Mehrheit hatte das Gremium beschlossen, dass bei der Bedarfsplanung neben der Arzt-Einwohner-Relation in einer bestimmten Region nun auch das Alter der Bevölkerung – der sogenannte Demografiefaktor – berücksichtigt wird.

Der Freistaat profitiert von dieser Regel ganz besonders. „Sachsen hat die älteste Bevölkerung in ganz Deutschland und damit einen höheren Behandlungsbedarf in der ambulanten Versorgung“, sagte KVS-Vorstandschef Dr. Klaus Hecke-mann der SZ. Nach der Hochrechnung der KVS könnte die Landeshauptstadt mit 32Stellen, davon 26für Hausärzte, den größten Zuwachs verbuchen.

Ursprünglich hatte die Vertretung der Kassenärzte deutlich mehr zusätzliche Arztstellen gefordert, was bis zuletzt auf den hartnäckigen Widerstand der gesetzlichen Krankenkassen gestoßen war. Deren Spitzenverband verweist darauf, dass es in Sachsen schon heute über 900Vertragsärzte zu viel gibt. Das Problem: Die Praxen sind sehr unterschiedlich übers Land verteilt. Deshalb müssen bei der künftigen Bedarfsplanung auch die durchschnittlichen Fallzahlen in den jeweiligen Planungsregionen berücksichtigt werden.

KVS-Sprecher Ingo Mohn betont, dass es sich bei den aktuellen Zahlen um Hochrechnungen handelt. Den genauen Bedarf wird der Landesausschuss im Oktober festlegen. Zuvor muss noch das Bundesgesundheitsministerium der neuen Regelung zustimmen. Verläuft alles wie geplant, können die zusätzlichen Stellen ab Januar 2011 ausgeschrieben werden.

Hausärzte streiten um Honorar

Ob es für die freien Stellen überhaupt genügend Bewerber gibt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Schon jetzt könnten nach Auskunft der KVS 116Vertragsärzte sofort ihre Arbeit aufnehmen. Das Netzwerk „Ärzte für Sachsen“, den neben Ärzteverbänden auch die kommunalen Spitzenverbände und Vertreter der Krankenkassen angehören, wirbt seit einem reichlichen halben Jahr um Mediziner-Nachwuchs.

Die Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes, Dr. Ingrid Pawlick, kritisierte am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Pläne der Bundesregierung, bei den Honoraren für neue Hausarztverträge zu sparen. Gleichzeitig kündigte sie Protestaktionen, beispielsweise Mahnwachen, an.

Dagegen warnte KVS-Chef Hecke-mann, der selbst als Allgemeinmediziner praktiziert, vor Panikmache: „Immerhin ist es gelungen, einen gesonderten Honoraranteil für Hausärzte und speziell im vergangenen Jahr für Sachsen eine Honorarerhöhung durchzusetzen.“ Damit liege man derzeit bei etwa 94Prozent des vergleichbaren Honorars in den Altbundesländern.